Geothermie:Beginn der Arbeiten am Michaelibad

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Eine neue Geothermieanlage soll 80 000 Menschen mit Wärme versorgen - Anwohner befürchten Lärm von der Liegewiese.

Von Patrik Stäbler

Die hektische Betriebsamkeit des Sommers ist längst verklungen, stattdessen genießen einige Enten die Ruhe rund um die Schwimmbecken im Michaelibad. Doch schon bald wird es dort vorbei sein mit der Beschaulichkeit: Mitte November sollen auf der Liegewiese des Freibads am Ostpark die Bauarbeiter anrücken, um dort ein nicht mehr benötigtes Betriebsgebäude im Nordwesten der Grünfläche abzureißen. Dieser Rückbau ist der erste Vorbote eines ungleich größeren Projekts: Ab 2023 wollen die Stadtwerke auf der Liegewiese des Michaelibads eine Geothermieanlage errichten, die dereinst circa 80 000 Menschen mit Wärme versorgen soll.

Bei einigen Anwohnerinnen und Anwohnern wecken diese Pläne jedoch Ängste, die nun auch bei der Bürgerversammlung für den Stadtteil Ramersdorf zur Sprache gekommen sind. So befürwortete eine große Mehrheit der circa 80 Anwesenden den Antrag einer Bürgerin, wonach bei den geplanten Geothermiebohrungen eine Nachtruhe ab 21 Uhr gelten solle - "um die Lärmbelästigung gering zu halten und die Lebensqualität der Anwohner zu erhalten", wie es die Bürgerin formulierte. Zuvor hatte Thomas Kauer (CSU), der Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Ramersdorf-Perlach, die Pläne der Stadtwerke vorgestellt. "Der Umfang der Anlage ist im Endausbau überschaubar", sagte er. Seien die Arbeiten einmal abgeschlossen, werde man abgesehen vom Gebäude der Wärmestation sowie von den geplanten acht Bohrplätzen nicht viel sehen. "Aber bis dahin", so Kauer, "ist die Baumaßnahme schon etwas intensiver". Und genau hier setzen die Sorgen in Teilen der Bürgerschaft und des BA an - wiewohl eine Mehrheit im Gremium die klimafreundliche Nutzung der Tiefenwärme prinzipiell befürworte, so Kauer.

Dem BA-Chef zufolge soll ab 2023 das Baufeld für die Bohrplätze hergerichtet werden, wodurch sich die Liegewiese des Freibads verkleinern werde. Für 2024 seien der Bohrplatzbau sowie die Errichtung der Wärmestation geplant, wobei sich Letzteres bis 2026 hinziehen werde. Aktuell gebe es zwei Varianten für den Standort der Wärmestation - eine im Nordwesten der Liegewiese, die andere noch etwas näher an der Heinrich-Wieland-Straße. Hier habe man aber das Problem, dass das Gebäude teilweise auf dem U-Bahn-Tunnel stehen und daher eine Höhe von 23 Metern erreichen würde. "Deshalb hat der BA eine gewisse Präferenz für die erste Variante", sagte Kauer. "Denn das ist nicht gerade ein Aushängeschild, wenn an der Heinrich-Wieland-Straße ein 23 Meter hoher Turm steht." Unabhängig vom Standort der Wärmestation werden für das Projekt etliche Bäume gefällt - 82 bei der ersten und 91 bei der zweiten Variante. Im Anschluss an die Bauarbeiten planten die Stadtwerke einen Workshop mit Bürgerinnen und Bürgern, berichtete Thomas Kauer. Sie könnten dann ihre Wünsche für die Neugestaltung der Liegewiese im Michaelibad einbringen.

Zuvor stehen freilich die Bohrarbeiten an, die nach derzeitigem Planungsstand 2025 losgehen sollen, sagte der BA-Chef. "Da wird zweieinhalb Jahre lang gebohrt. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr." Und das - so die Sorge vieler Anwohnerinnen und Anwohner - dürfte dann nicht nur die Enten auf der Liegewiese in ihrer Ruhe stören.

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