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Radfahren in München:"Der Radweg ist der neue Laufsteg"

9. Münchner Radlnacht, 2018

Nicht nur das Auto ist ein Statussymbol - auch für Fahrrad und Zubehör kann man viel Geld ausgeben.

(Foto: Florian Peljak)
  • Längst taugen nicht nur teure Autos als Statussymbol, auch mit dem richtigen Fahrrad und der richtigen Ausrüstung kann man zeigen, wer man ist oder gerne wäre.
  • Das Angebot an mehr oder weniger preisgünstigen Neuheiten ist riesig.
  • Auch beim Zubehör sind die Hersteller geschäftstüchtig.

Wer in den vergangenen Jahren die jeweils neuesten Volten in Sachen Fahrrad auch aus Kostengründen eher nur beobachtend verfolgt hat, statt gleich überall zuzuschlagen, der kann sich vielleicht irgendwann doch auf den Weg Richtung Fahrradladen machen, denn: Es wird günstiger. Gunnar Fehlau vom "pressedienst-fahrrad", einem Zusammenschluss von mehr als 50 Vereinen, Firmen, Institutionen und Organisationen rund ums Fahrrad, hat im Verkehrszentrum des Deutschen Museums an der Schwanthalerhöhe die Neuheiten der Szene vorgestellt, und die kommen günstiger daher als in den Vorjahren - auch wenn vieles immer noch seinen stolzen Preis für Liebhaber hat.

"Wir merken, dass Hightech wie zum Beispiel Funk-E-Schaltungen kaum sechs Wochen nach dem neuesten Update statt 3800 Euro nur noch 2000 Euro kosten. Oder der Falthelm: Kostete zunächst 140 Euro und ist jetzt für 70 Euro zu haben. 50-Lux-Scheinwerfer: Kosten plötzlich 50 statt 100 Euro. Die kleinste, praktischste Fahrradklingel überhaupt: zwölf Euro. Oder diese schlaue Erweiterung des Gepäckträgers, die sich einfach dran schrauben lässt: 16,90 Euro." Die Technologie werde immer günstiger.

Radfahren

Wenn das Radl, Helm und Co. zum Statussymbol werden

Gleichzeitig werden die Räder "immer spezieller", sagt Fehlau, "zu jedem Pott gibt es einen passenden Deckel, sprich: Jeder hat die Chance, das zu bekommen, was er sucht und braucht - und umgekehrt: Wer mit einem schmalen Portemonnaie unterwegs ist, kann auch an immer mehr Trends immer früher teilnehmen." E-Bikes sind zwar kein Trend mehr, sondern mit rund drei Millionen E-Rädern in Betrieb schon längst eine Massenbewegung. Sie werden stetig weiter verbessert und zielgruppenspezifischer, nun gibt es bereits erste Crossover-Modelle, zum Beispiel einen 3800 Euro teuren Allrounder wie das "Goroc 2" für den Pendler, der auf dem Weg zur Arbeit auch mal ein Stück durch den Wald brettern will.

Und auch beim Zubehör sind die Hersteller geschäftstüchtig. Die innen und außen leuchtende E-Bike-Lenkertasche "Glow" für 100 Euro? Warum nicht? Der wasserdichte Lenkerkorb "Up-Town" für 70 Euro? Ist doch praktisch! Genauso wie die Leggings "Cyclist" für 90 Euro mit herausnehmbarem Radlhosen-Einsatz. Nerds zahlen für den nur neun Gramm schweren Carbon-Trinkflaschenhalter "Fh12" stolze 74,95 Euro.

Die Botschaft ist für den Experten Fehlau jedoch: "Radmobilität ist mitten in der Gesellschaft angekommen." Man sehe das an zwei eigentlich gegensätzlich wirkenden Entwicklungen: "Auf der einen Seite werden Räder und Zubehör immer günstiger und universeller und damit für jedermann erschwinglich. Auf der anderen Seite wird es immer punktierter und spezieller, weil auch noch die kleinste Nische mit speziellen Rädern versorgt wird, und weil das, was lange Zeit mit dem Statussymbol Auto in der Innenstadt funktioniert hat, sich immer mehr aufs Fahrrad überträgt. Der Radweg ist der neue Laufsteg. Man zeigt mit dem Rad auch, wer man ist oder wer man sein will."

Wer Fehlau eine Weile zuhört, dem fallen immer weniger Argumente für das Auto ein. Dabei sagt er: "Ich würde das gar nicht so gegeneinander ausspielen. 90 Prozent aller Radfahrer über 18 Jahren haben auch den Führerschein. Du Radfahrer, ich Autofahrer: So ist es ja nicht mehr." Aber es stimme natürlich schon: "Das Fahrrad wird immer attraktiver, und die Argumente gegen das Rad werden immer individueller und subjektiver."

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