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Polizei in München:Rabbiner beleidigt: Antisemitismusbeauftragter kritisiert Zeugen

Rabbiner Shmuel Aharon Brodman entzündet nach den Reden die Chanukka-Kerze.

Der Rabbiner Shmuel Aharon Brodman, hier beim Anzünden der Chanukka-Kerze, wurde verfolgt und antisemitisch beschimpft.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Ihn mache betroffen, dass niemand dem Mann half, als dieser am Donnerstag von vier Männern verfolgt und beschimpft wurde.

Nach der Beleidigung eines Rabbiners in München hat Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle mangelnde Zivilcourage beklagt. "Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass auch Bürgerinnen und Bürger, die den Vorfall offensichtlich gesehen haben, dem Rabbiner nicht zur Hilfe geeilt sind oder die Polizei verständigt haben", erklärte der CSU-Politiker am Sonntag.

Am Donnerstagabend war der Gemeinderabbiner Shmuel Aharon Brodman von vier Männern verfolgt und beleidigt worden. Die Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren hätten dabei wiederholt abfällig über den Staat Israel gesprochen, sagte der 60-jährige Verfolgte später der Polizei. Nach seiner Wahrnehmung hätten sie miteinander Arabisch gesprochen, ihm riefen sie die abfälligen Äußerungen auf Englisch nach.

"Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen jüdischen Glaubens zu Opfern von Beleidigung und tätlichen Übergriffen werden", sagte Spaenle. "Ein Übergriff auf Jüdinnen und Juden ist immer auch ein Übergriff auf die bundesdeutsche Gesellschaft." Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hatte sich am Wochenende auf dem Twitter-Account des Bayerischen Landtags zu Wort gemeldet:

Der Vorfall ereignete sich, nachdem Brodman - der an dem Tag eine Kippa trug, als Jude also zu erkennen war - am Donnerstagabend am Isartorplatz aus der Trambahn ausgestiegen war und Richtung Tal ging. Das Kommissariat für politisch motivierte Kriminalität des Münchner Polizeipräsidiums ermittelt. Zeugen werden gebeten, sich unter der Rufnummer 2910-0 zu melden.

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz (ORD) in Deutschland forderte als Reaktion auf den Vorfall, den Dialog zwischen Juden und Muslimen weiter zu verstärken. "Dass ausgerechnet mutmaßlich muslimische Jugendliche einen Rabbiner beleidigen, ist besonders traurig, denn sie sind genauso Opfer einer wachsenden Islamophobie hierzulande", erklärte Rabbiner Avichai Apel aus Frankfurt für den ORD-Vorstand.

In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland immer wieder Angriffe auf Juden, auch in München. Im Sommer 2019 wurden in der bayerischen Landeshauptstadt ein Rabbiner und seine beiden Söhne nach dem Besuch einer Synagoge beleidigt, einer der drei wurde bespuckt.

© sz.de/imei/dpa
Das Jüdisches Museum und die Synagoge in München,.

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