Queeres Literaturfestival MünchenAuf den Spuren queerer Literatur

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Evan Hugo Tepest liest beim Literaturfest aus seinem Roman „Sind Penisse real?“.
Evan Hugo Tepest liest beim Literaturfest aus seinem Roman „Sind Penisse real?“. (Foto: Lee Everett Thieler)

„Queer sein“ hat unterschiedliche Facetten, eine eigene Sprache und Geschichte. Für mehr Sichtbarkeit soll das „Queere Literaturfestival München“ sorgen.

Von Zoé von Langen

Eine große Liebe ist ein überwältigend schönes Gefühl. Doch was ist, wenn diese Liebe nicht der Norm entspricht? Mit einer solchen Geschichte eröffnet das zweitägige „Queere Literaturfestival“: Die Autorin Miku Sophie Kühmel erzählt in „Hannah“ (S. Fischer Verlag) von der Liebe zwischen der deutschen Künstlerin Hannah Höch und der niederländischen Schriftstellerin Til Brugman. Einer bedrohten Liebe, denn die beiden Frauen müssen sich in Zeiten des beginnenden Nationalsozialismus zwischen ihrem Wunsch nach Autonomie, dem Schutz ihrer Kunst und Sicherheit entscheiden.

Miku Sophie Kühmel ist eine von insgesamt acht Autoren und Autorinnen, die ihre Werke am 1. und 2. November im Gasteig HP8 vorstellen. Das Projekt präsentiert der Verein Queer Culture München. Aber was ist queere Literatur eigentlich? „Queer“ dient heute als Sammelbezeichnung für Menschen, die sich nicht innerhalb der heterosexuellen oder binären Geschlechternorm verorten. Der Begriff stammt aus dem englischsprachigen Raum und umfasst Identitäten und Lebensweisen, die über das klassische Verständnis von „Mann und Frau“ oder „hetero“ hinausgehen.

Queere Literatur greift genau diese Perspektiven auf und thematisiert sexuelle Vielfalt, hinterfragt heteronormative Vorstellungen und erweitert den Blick über konventionelle Ansichten hinaus. Zudem ist sie oft politisch, da sie auf Diskriminierung aufmerksam macht und die Sichtbarkeit queerer Autoren und Autorinnen und ihrer vielfältigen Protagonisten und Protagonistinnen fördert.

Dazu zählt auch die Transgeschlechtlichkeit. Dem Thema widmet sich Evan Hugo Tepest. Er war 30, als er seine Geschlechtsangleichung begonnen und den eigenen Prozess zum Mann miterlebt hat. Daraus haben sich für ihn zahlreiche Fragen ergeben: Was bedeutet Männlichkeit oder Weiblichkeit, welchen Unterschied macht das Geschlechtsteil und wie ist es auf einmal, nicht mehr als Frau, sondern als Mann wahrgenommen zu werden? Dem stellt sich der Autor und Journalist in seinem Roman „Sind Penisse real?“ (Piper Verlag). Der aus dem Rheinland stammende Autor lebt mittlerweile in Leipzig und entwickelt neben seinen Büchern auch Performance-Arbeiten zu queerer und Trans-Geschichte.

Neben Lesungen können am Sonntag auch Workshops besucht werden. Morgens geht Evan Hugo Tepest mit den Besucherinnen und Besuchern im Lesbisch-Queeren Zentrum auf die Suche nach ihren Sehnsüchten. Mithilfe verschiedener Textbeispiele von Autoren und Autorinnen sollen sie Worte für ihre Träume und Wünsche finden.

Auch in einem weiteren Programmpunkt wird nach Worten gesucht: Lisa Jay Jeschke und Desz Debreceni stellen nachmittags in einem Werkstattgespräch ihre Übersetzungen von Romanen vor, deren Originale Kultstatus in der queeren Szene erlangt haben. Desz Debreceni übersetzt den Roman „Stone Butch Blues“ von Leslie Feinberg neu, der schon 1993 erschienen und in seinem Original in englischer Sprache online frei verfügbar ist. Er gilt als Meilenstein der queeren Literatur und beschreibt teilweise biografisch und mit harten und ungeschönten Worten die Gewalt, die lesbische und Transmenschen im Bufalo (New York) der Sechzigerjahre erfahren haben.

Lisa Jay Jeschke spricht über die Übersetzung des Romans „Lote“ von Shola von Reinhold. Der Roman zeigt das Leben aus einer queeren Schwarzen Perspektive. In einem Dialog sollen die Übersetzungen den Zugang zu vielfältigen Schreib- und Lebensweisen öffnen.

Queeres Literaturfestival München, Samstag, 1. November, und Sonntag, 2. November, Gasteig HP8, weitere Infos unter queerliteratur.de

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Roman
:Ein so großes Geschenk

Rücken an Rücken arbeiten, ganz neue Kunst schaffen, groß lieben: Die Schriftstellerin Miku Sophie Kühmel erzählt von der bedrohten Leidenschaft der Dadaistin Hannah Höch für die Dichterin Til Brugman – ganz auf der Höhe ihrer sprachlichen Freiheit.

SZ PlusVon Laura Weißmüller

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