Prozess:Nur 3000 Euro für Pumuckls Freiheit

'Meister Eder und sein Pumuckl'

Die Hörspiele über den rothaarigen Kobold genießen ebenso Kultstatus wie die Fernsehserie, die gerade wieder ins BR-Fernsehen zurückgekehrt ist - nach rund neun Jahren Pause. (Aufnahme: BR/Infafilm GmbH)

(Foto: dpa)

Eine Drehbuchautorin wollte vom Bayerischen Rundfunk das Zehnfache für die Wiederholung einer Folge. Das Gericht hat ihre Klage nun abgewiesen.

Von Stephan Handel

Die Autorin Monika Bittl bekommt für die Ausstrahlung einer Folge aus der Serie "Pumuckls Abenteuer" vom Bayerischen Rundfunk (BR) ein Wiederholungshonorar von gut 3000 Euro - aber keinen Schadenersatz in zehnfacher Höhe. Darauf hatte Bittl vor dem Landgericht geklagt, dieses hat die Klage aber am Donnerstag als unbegründet zurückgewiesen.

13 Folgen aus der Serie strahlte der BR von August 1999 an aus, zu fünfen davon schrieb Bittl das Drehbuch. In ihrer Klage ging es zunächst nur um eine davon, "Pumuckls neues Heim". Bittls forderte mehr als 35 000 Euro für eine erneute Ausstrahlung im April 2019 - sie habe zu diesem Zeitpunkt keine Honorarvereinbarung mit dem BR gehabt, dieser habe deshalb nicht die Rechte besessen, sodass die Sendung gegen ihr Urheberrecht verstoßen habe. Dafür erlangte sie den Schadenersatz.

Die unklare Situation entstand durch eine ausgesprochen unübersichtliche Vertragslage: Bei der Auftragserteilung in den 1990-er Jahren vereinbarte die Autorin mit dem BR eine Vergütung von 7000 Mark pro Folge, etwa 3500 Euro. Für jede Wiederholung sollten nach heutiger Währung rund 1500 Euro bezahlt werden.

Als aber die ARD den Kinderkanal Kika gründete, entstand quasi über Nacht riesiger Bedarf an Sendematerial. Deshalb schlossen Sender und Autorin Bittl im Jahr 2000 einen neuen Vertrag über ein sogenanntes Buy-Out: 70 000 Mark bekam Bittl, und der Sender dafür komplettes Senderecht. Gleichzeitig aber hatte der BR eine Vereinbarung mit Ellis Kaut, der Pumuckl-Schöpferin. Diese Vereinbarung lief bis 2012, und solange sollte auch der Buy-Out mit Monika Bittl gelten. Dann aber einigten sich BR und Kaut - beziehungsweise ihre Pumuckl-Vermarktungsfirma - auf eine weitere Zusammenarbeit.

Bittl stellte sich in ihrer Klage auf den Standpunkt, dass ihr Buy-Out-Vertrag mit dem BR den ersten Vertrag ersetzt und deshalb nach Vertragsende 2012 keine Vereinbarung zwischen ihr und dem BR mehr bestanden habe, weshalb die Ausstrahlung 2019 unrechtmäßig gewesen sei. Der BR hielt dem entgegen, dass seit 2012 die ursprüngliche Vereinbarung wieder gelte; er habe 2019 ja auch das Wiederholungshonorar bezahlt - das Bittl aber zunächst zurücküberwiesen hatte, weil sie es ja für nicht ausreichend hielt.

Diese 3000 Euro hat sie jetzt bekommen, die Summe hat der BR noch im ersten Verhandlungstermin anerkannt. Beim Rest, also gut 32 000 Euro, gab das Gericht allerdings dem Sender Recht: Der Buy-Out-Vertrag habe den ursprünglichen nicht komplett ersetzt, sondern enthalte explizit eine Laufzeit von zehn Jahren. "Daher", heißt es in der Urteilsbegründung, "hatte die Beklagte auch nach dem 31.12.2012 einfache Nutzungsrechte an dem streitgegenständlichen Werk. Die Ausstrahlungen waren daher rechtmäßig."

Damit hat das Gericht ein Schreckensszenario abgewendet, dass der Vorsitzende Richter Matthias Zigann in der ersten Verhandlung formuliert hatte: "Wenn keine Rechtssicherheit erreicht wird, landen die Filme beim BR im Giftschrank, und die Kinder können sie nicht mehr sehen." Jetzt können sie wieder.

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