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Prozess:23-Jähriger wegen Überfällen mit Maske verurteilt

  • Ein Mann musste sich vor Gericht verantworten, weil er mehrere Passanten bedroht hat und Geld von ihnen erbeuten wollte.
  • Das Gericht ordnete eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.
  • Der Angeklagte trank seit seinem 13. Lebensjahr und begann kurz später, Drogen zu nehmen.

Aus dem Gericht von Susi Wimmer

"Ich war voll drauf", erzählt Julian K. Aber wenn er das sagt, dann bedeutet es nichts Gutes. Mit seinen 23 Jahren ist der gebürtige Landshuter noch jung, trotzdem hat er bereits zehn Jahre Alkohol- und Drogenerfahrungen hinter sich. Das gipfelte im Mai vergangenen Jahres darin, dass er sich maskiert und mit einem Butterflymesser bewaffnet in Ramersdorf nachts auf den Gehsteig stellte und zwei Passanten anging. Wegen räuberischer Erpressung, unerlaubten Führens einer verbotenen Waffe und versuchter räuberischer Erpressung musste sich der junge Mann nun am Freitag vor dem Landgericht München I verantworten.

"Ich dachte nicht, dass mir in der Gegend so was passieren kann", sagt Ernesto T. (Namen der Opfer geändert). Damit meint er das Karree zwischen Ostpark und Mittlerem Ring, mit 1960er-Jahre-Reihenhäuschen. Der 26-Jährige war auf dem Weg zu seiner Freundin, Kopfhörer im Ohr, als ihm ein Hund auffiel und plötzlich der Maskierte vor ihm stand. Erst als er den Stöpsel aus dem Ohr zog, verstand er, was der Fremde von ihm wollte: Geld. "In der Hand hielt er so einen Gegenstand", erzählt der Monteur vor Gericht. Da sei er sofort losgerannt, "ich hatte über 100 Euro im Geldbeutel". Der Räuber setzte ihm nach, ebenso der Hund. "Fass", rief der Täter noch, "aber der Hund hat nicht reagiert", sagt der Zeuge.

"Der Hund war erst neun Monate alt, der hätte ihn höchstens abgeschleckt, er kann nur 'Sitz!' und sonst nix", sagt Julian K. vor der siebten Strafkammer. Eine gute halbe Stunde vor dem Vorfall im Park hatte er in der Hechtseestraße einen 17-jährigen Schüler angegriffen: "Er packte mich, drückte mich gegen den Zaun und zeigte mir ein Messer", erzählt dieser. 20 Euro hatte er in der Brieftasche, damit habe sich der Täter zufrieden gegeben. "Mein Mandant möchte sich entschuldigen", sagt Verteidigerin Birgit Schwerdt. Julian K. steht auf, streckt seine Hand aus und sagt: "Es war falsch, es tut mir leid."

Was richtig und falsch ist, das weiß Julian K. genau. Er stammt aus einem zerrüttetem Elternhaus, trank seit seinem 13. Lebensjahr, litt unter ADHS und begann mit 14 zu kiffen, mit 16 zog er aus und wurde im selben Jahr Vater. Als 18-Jähriger entdeckte er Speed, Ecstasy, die Partydroge MDMA und bekam Depressionen und Angstzustände. Aus eigener Initiative trat er etliche Entzüge an, scheiterte, und hatte auch am Tatabend "fünf bis sechs verschiedene Substanzen konsumiert", die ihn abtauchen ließen "in eine andere Welt ohne Alltagsstress".

Im Knast habe er sich sofort bei der Drogenberatung gemeldet, sagt K. Gleichzeitig räumt er ein, dort Opiate zu konsumieren. "Ich will an meinen Problemen arbeiten, aber das ist im Knast nicht möglich." Am Nachmittag urteilte das Gericht und ordnete eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

© SZ vom 25.01.2020/lfr
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