bedeckt München 29°

Harlaching:Blitzüberfall auf Juwelier - Angeklagter schweigt zur Tat

Raubüberfall auf Juwelierladen "F.C. Bauer" in München, 2017

Nur 120 Sekunden dauerte der Überfall auf das Juweliergeschäft F. C. Bauer in Harlaching im April 2017.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Fünf Männer stürmen im April 2017 den Laden in Harlaching, versprühen Pfefferspray und rauben Waren im Wert von 300 000 Euro - binnen 120 Sekunden. Vor Gericht geht es um das Vorleben eines der mutmaßlichen Täter.

Von Susi Wimmer

Es war ein Blitzüberfall, den fünf Männer im April 2017 bei einem Juwelier in Harlaching durchzogen: Sie stürmten maskiert und bewaffnet in den Laden, sprühten den sieben Anwesenden Pfefferspray ins Gesicht, zertrümmerten die Vitrinen und erbeuteten Schmuck und Uhren im Gesamtwert von mehr als 300 000 Euro - und das alles binnen 120 Sekunden.

Um so länger allerdings fielen die Gefängnisstrafen für die Erwischten aus. Neun und sechs Jahre müssen zwei Täter hinter Gittern verbringen. Gegen einen dritten Mann, den 24-jährigen Linas A. (Name geändert), verhandelt nun die erste Jugendstrafkammer am Landgericht München I.

Linas A. wirkt wie ein zurückhaltender junger Mann. Im schwarzen Hoodie sitzt er auf der Anklagebank, er spricht leise, ruhig und geordnet. Richter Stephan Kirchinger erklärt den Anwesenden, sie könnten während der Verhandlung auch ihre Schutzmasken abnehmen. 17 Personen befinden sich im Saal, zehn sitzen schließlich ohne Mundschutz in dem geschlossenen Raum. Linas A. lehnt auf Nachfrage des Richters dankend ab. Er entschuldigt sich sogar, dass er die Maske aufbehalten wolle, "wenn ich sie absetze, muss ich anschließend in Stadelheim zwei Wochen in Quarantäne", sagt er.

Dann erzählt er von seinem Leben im Knast, wo er Bücher lese, Sport treibe, Englisch lerne und meditiere. Ebenso strukturiert wirkt seine Vita in Litauen, wo er geboren ist. Im Elternhaus habe es an nichts gefehlt, er sei auf dem Gymnasium gewesen, habe aber nach der elften Klasse die Schule geschmissen und später gearbeitet. "Ich habe mich mit Investitionen an der Börse beschäftigt", erklärt er. Dennoch rutschte er zu Schulzeiten offenbar in die falschen Kreise: Drogen und schlechte Gesellschaft, sagt er.

Was letztendlich den damals 21-Jährigen dazu bewogen hat, mit vier weiteren Männern nach München zu reisen und das Uhrenfachgeschäft an der Peter-Auzinger-Straße zu überfallen, bleibt offen. Linas A. will sich zur Tat nicht äußern. Sein Komplize Artiomas T. hatte in seiner Verhandlung im Juli 2018 ebenfalls geschwiegen und neun Jahre Freiheitsstrafe kassiert. Arunas J. war ein Jahr später zu sechs Jahren verurteilt worden, er hatte gestanden. Beide Täter waren aufgrund von DNA-Spuren überführt worden. Artiomas T. etwa hatte sich beim Griff in die zertrümmerte Auslage an der Hand geschnitten. Von zwei weiteren Räubern ist die Identität bis heute ungeklärt.

Ungewöhnlich war der Überfall auch deshalb, weil die Täter einen schwarzen Basketball mit roten Nähten dabei hatten. Nachdem sie unter anderem auch der 82-jährigen Senior-Chefin Karola Bauer Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hatten, griff sich die Frau den Basketball und warf ihn einem der Männern an den Kopf. Daraufhin zielte einer der Unbekannten mit einer Waffe auf sie und befahl ihr, sich niederzuknien. Woraufhin Karola Bauer rief: "Bist du blöd! I bin a alte Frau, was soll der Schmarrn." Der Mann ließ von ihr ab, das Quintett verschwand. Die Angestellten und Kunden, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls in dem Geschäft befanden, sagten bei der Verhandlung gegen Artiomas T. aus, sie hätten zum Teil Todesängste ausgestanden. Auch wegen des unbekannten Reizgases, das hätte ja auch Verätzungen in den Augen verursachen können.

Sechs Verhandlungstage hat die Schwurgerichtskammer für Jugendliche in dem Fall angesetzt, ein Urteil wird Ende April erwartet.

© SZ vom 14.04.2021/wean
Zur SZ-Startseite
Justizvollzugsanstalt Stadlheim in München, 2019

SZ PlusJustizvollzugsanstalt Stadelheim
:Auf Abstand

Jahrelang haben Christiane und Walter Ketterer regelmäßig Häftlinge in Stadelheim besucht. Seit Beginn der Pandemie ist das nicht mehr möglich. Über Menschen, die jetzt noch isolierter sind, als sie es schon waren - und die Schwierigkeiten, die das mit sich bringt.

Von Nele Karsten und Ruben Schaar

Lesen Sie mehr zum Thema