Prozess um versuchten Totschlag:Mann schießt bei Polizeikontrolle mit halbautomatischer Waffe

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Vor dem Landgericht München musste sich der Angeklagte wegen versuchten Totschlags verantworten. (Foto: Matthias Balk/dpa)

Die Mutter hatte den Notruf gewählt, weil ihr 24-jähriger Sohn "in einer psychischen Ausnahmesituation" sei. Bei der Durchsuchung des Mannes griff der Angeklagte zu einer scharfen Beretta, drückte ab - und verfehlte einen Polizisten nur knapp.

Von Susi Wimmer

Die Sache hätte auch schlimmer ausgehen können: Bei einem Einsatz in Milbertshofen im August vergangenen Jahres hat ein 24-Jähriger während einer Polizeikontrolle eine Waffe aus seinem Hosenbund gezogen und abgedrückt. Der Schuss verfehlte einen Beamten nur knapp. "Wir dachten erst, es ist eine Schreckschusswaffe", sagte einer der Polizisten nun vor dem Landgericht München I aus. Erst später hätten sie den Ernst der Lage realisiert. Der Schütze, Dominik G., muss sich nun unter anderem wegen versuchten Totschlags verantworten.

In den frühen Morgenstunden des 6. August 2023 erreichte die Einsatzzentrale der Münchner Polizei der Notruf einer besorgten Frau: Ihr Sohn befinde sich in einer psychischen Ausnahmesituation. Er sei mit einer halbautomatischen Schusswaffe im Bereich des Frankfurter Rings unterwegs, habe Suizidabsichten geäußert - und außerdem angekündigt, dass er um sich schießen werde, wenn die Polizei komme. Laut Anklageschrift setzte sich der Angeklagte gegen 5 Uhr früh in ein Buswartehäuschen an der Knorrstraße und "wartete auf das Eintreffen der Polizeibeamten".

Die beiden Streifenpolizisten erkannten Dominik G. sofort aufgrund der Personenbeschreibung seiner Mutter. Sie stiegen aus, sprachen ihn an und forderten ihn auf, seine Hände auf das Dach des Dienstwagens zu legen. Das tat G. auch, und die links und rechts von ihm stehenden Polizisten begannen, den Mann auf Waffen zu durchsuchen, entdeckten aber offenbar keine. Als sie nach den Armen von Dominik G. greifen wollten, zog dieser plötzlich eine Beretta aus dem Hosenbund.

Als sich die halbautomatische Schusswaffe etwa auf Hüfthöhe des einen Polizisten befand, drückte Dominik G. ab. Die Kugel schlug etwa einen Meter neben dem Beamten am Boden ein. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte sich nach dem Schuss der Verschluss der Waffe verkeilt. Nur aus diesem Grund konnte der Angeklagte keine weiteren Schüsse abgeben. Ein Polizist konnte G. die Waffe entreißen und auf den Boden werfen, ehe dieser überwältigt und gefesselt werden konnte. Einer der Beamten erlitt bei dem Einsatz ein Knalltrauma und musste in einer Klinik behandelt werden.

Vor der 2. Strafkammer am Landgericht München I schweigt Dominik G. zu den Tatvorwürfen. Er räumt massiven Alkohol- und Tablettenmissbrauch ein. Rechtsanwalt Alexander Esser legt ein Schreiben einer Drogenberatungsstelle vor, in dem G. eine "multiple Substanzkonsumstörung" attestiert wird. Er selbst sagt, er habe einen Entzug hinter sich und würde gerne als Beruf Schreiner lernen, "wenn ich rauskomme".

Der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann verliest das Bundeszentralregister des Angeklagten: Es geht um Körperverletzungen und Drogendelikte. Anfang Juni will die Kammer ihr Urteil sprechen.

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