Prozess am Landgericht MünchenGewaltexzess am Hauptbahnhof wegen eines gestohlenen Handys

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Vier Angeklagte müssen sich wegen versuchten Totschlags im Münchner Hauptbahnhof vor Gericht verantworten.
Vier Angeklagte müssen sich wegen versuchten Totschlags im Münchner Hauptbahnhof vor Gericht verantworten. Sven Hoppe/dpa
  • Vier Angeklagte müssen sich wegen versuchten Totschlags verantworten, nachdem sie in der Silvesternacht 2024 am Münchner Hauptbahnhof einen Mann brutal zusammengeschlagen haben sollen.
  • Der Gewaltexzess entstand vermutlich wegen Drogengeschäften oder eines gestohlenen Handys, wobei die Täter ihr wehrloses Opfer mit Tritten gegen Kopf und Oberkörper malträtierten.
  • Das Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung, ein gebrochenes Nasenbein und weitere schwere Verletzungen im Gesichts- und Kopfbereich, die Tat wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet.
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„Ich dachte, wir sind die Guten“, sagt einer der vier Angeklagten, die ihr am Boden liegendes Opfer mit Schlägen und Tritten malträtiert haben sollen.  Nun muss sich das Quartett wegen versuchten Totschlags verantworten.

Von Susi Wimmer

„Ich dachte, wir sind die Guten und stellen die Bösen“, so sagt es einer der vier Angeklagten vor der Jugendstrafkammer am Landgericht München I. „Dass man sterben kann, wenn man mit dem Fuß gegen den Kopf getreten wird, das wusste ich nicht“, behauptet ein anderer. Folgt man den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, so hatte sich das Quartett in der Nacht vor Silvester 2024 in einen regelrechten Gewaltrausch geprügelt. Vermutlich wegen Drogengeschäften oder einem gestohlenen Handy traten und schlugen sie auf ihr am Boden liegendes Opfer ein – bis sie Blut sahen. Jetzt sind die vier wegen versuchten Totschlags angeklagt.

Was der eigentliche Auslöser für die Gewalteskalation war, das bleibt am ersten Verhandlungstag im Dunkeln. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass in der Nacht auf Silvester der 19-jährige Ali T. (Name geändert) und sein Freund im Bereich Hauptbahnhof und Schillerstraße unterwegs waren, um ein Drogengeschäft abzuziehen. Dabei sollen die beiden mit zwei anderen in Streit geraten sein. Die Gegenseite rief Verstärkung, fünf Freunde rückten an, und Ali T. und sein Kumpel gaben Fersengeld und versteckten sich im Happy-Kiosk an der Schillerstraße.

Als sie sich wieder aus dem Versteck wagten, so die Anklage, sollen die sieben erneut hinter ihnen hergerannt sein. Ali T. wurde gestellt und mutmaßlich geschlagen, angeblich sollen auch ein Messer und eine Schere bei der Gegenseite im Spiel gewesen sein, am Ende wurde ihm sein Handy gestohlen. Sein Freund verständigte derweilen die Polizei – und weitere Kumpels zum Dolmetschen. Einer der Angeklagten erzählt, die Polizei habe ihnen geraten, zu verschwinden, sie würden sich schon kümmern. Aber, so berichtet ein 18-jähriger Angeklagter, er habe sich „kameradschaftlich verpflichtet gefühlt“, das Handy von Ali T. zurückzuholen. Es sei nicht um Rache gegangen. „Auf dem Handy ist unser ganzes soziales Leben“, versucht er zu erklären.

Gegen zwei Uhr früh entdeckten sie den mutmaßlichen Handydieb mit seinem Freund im Sperrengeschoss des Hauptbahnhofs. Er wurde zu Boden gerissen, einer setzte sich auf ihn, um den Körper zu fixieren. Dann traten und stampften die beiden 18-jährigen Angeklagten auf Kopf und Oberkörper des Wehrlosen ein. Mittlerweile war auch Ali T. hinzugekommen, schob seine Freunde beiseite, und malträtierte ebenso den Geschädigten, ehe die anderen beiden erneut ihre Aggressionen auslebten.

Das Opfer, das aktuell in anderer Sache in Untersuchungshaft sitzt, erlitt eine Gehirnerschütterung, ein gebrochenes Nasenbein, eine Platzwunde, Blutungen innerhalb der Augenhöhle und diverse Wunden und Schwellungen im Gesichts- und Kopfbereich. Die Angreifer ließen den Verletzten im Sperrengeschoss liegen und flüchteten.

An der Tat selbst ist nicht viel zu rütteln: Die Videokameras am Hauptbahnhof lieferten aussagekräftige Bilder. Trotzdem, so lässt sich ein 18-Jähriger ein, seien seine Tritte nur „eine Drohgebärde“ gewesen. Er habe nicht mit voller Wucht zugetreten, sondern vor dem Boden Halt gemacht, der andere sei auch nicht bewusstlos gewesen.

Ein 21-Jähriger erzählt, er sei tags darauf vergeblich zum Hauptbahnhof gefahren, „da, wo die Jugendlichen versuchen, Drogen zu verkaufen“, um dem Opfer 300 Euro zu geben, „damit er keine Anzeige macht“. Angesichts des Vorwurfs des versuchten Totschlags bieten drei der Angeklagten Ausgleichszahlungen und alle Entschuldigungen an. Ein Urteil wird Mitte November erwartet.

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