Prozess um Dreifachmord:Zeuginnen schildern Streitereien in der Familie

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Das Haus der Mordopfer; Wendung im Starnberger Mordfall

In diesem Haus in Starnberg starben drei Menschen - ein Ehepaar und deren 21-jähriger Sohn. Die Staatsanwaltschaft spricht von Mord.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die zwei Freundinnen der getöteten Frau können sich nicht vorstellen, dass der Sohn seine Eltern tötete, wie zunächst angenommen. Der Sohn sei aber kein "einfaches Kind" gewesen.

Von Andreas Salch

Streit soll es immer wieder in der Familie gegeben haben, die am 12. Januar 2020 tot in ihrem Einfamilienhaus in einer Wohngegend im Norden von Starnberg gefunden wurde. Könnte eine dieser Streitigkeiten, zu denen es immer wieder gekommen sein soll, zu einer Katastrophe geführt haben und der Sohn, ein Büchsenmacherlehrling und Sammler von großkalibrigen Pistolen, Sturmgewehren, erschoss seine Eltern und am Ende sich selbst? Zwei enge Freundinnen der getöteten Ehefrau, die die Richterinnen der Jugendkammer am Landgericht München II am Mittwoch in dem Prozess um den sogenannten Dreifachmord von Starnberg vernommen haben, können sich dies jedenfalls nicht vorstellen, wie sie versicherten.

Der Vater, seine Frau und ihr Sohn seien "ziemlich temperamentvoll gewesen", so die Zeuginnen. Bei den Auseinandersetzungen, die sie zum Teil selbst mitbekommen habe, seien Worte gefallen, die "unter der Gürtellinie" waren, berichtete eine Pädagogin aus dem Raum Rosenheim, die mit der Mutter befreundet war. Das Ehepaar und ihr Sohn "hatten ein sehr großes Temperament." Wenn es zu Konflikten gekommen sei, "wurden diese sehr lautstark gelöst." Unter anderem hätten die Eltern das Interesse ihres Sohnes an Waffen und dessen Entschluss, eine Ausbildung zum Büchsenmacher zu beginnen, "sehr kritisch gesehen". Dass der Sohn bei einem dieser Konflikte die Eltern und sich selbst erschoss - davon wollten die Zeuginnen nicht ausgehen. "Ich habe mich auch gefragt, was da passiert ist", sagte die Patin des getöteten Sohnes. Die 65-Jährige war eine gute Freundin seiner Mutter. Dazu, dass der 21-Jährige seine Eltern und sich selbst erschossen haben soll, wie es zunächst geheißen hatte, sagte die 65-Jährige: "Ich konnte das nicht glauben." Der Sohn habe eine "innige Beziehung" zu seiner Mutter gehabt. Die Pädagogin, die die Richterinnen vernahmen, sagte, der 21-Jährige habe seine Mutter "verehrt" und hätte ihr "nie etwas angetan." Und auch seinem Vater nicht, obwohl sie "intensivste Auseinandersetzungen" miteinander ausgetragen hätten.

Der Sohn sei kein "einfaches Kind" gewesen

Unmittelbar nach Auffindung der Leichen hatte die Pädagogin gegenüber der Polizei allerdings nicht ausschließen wollen, dass ein "großes Unglück" in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 2020 in dem Haus in Starnberg geschah oder aber ein "Unfall" mit einer der Waffen des 21-Jährigen und dieser sich am Ende aus "Verzweiflung" getötet habe. Auch die Patin des Büchsenmacherlehrlings räumte auf Nachfrage eines Verteidigers ein, dass sie, nachdem die Familie tot aufgefunden worden war, davon gesprochen habe, dass auch "ein tragischer Unfall" passiert sein könnte. Über diese Möglichkeit habe sie sich mit Freundinnen unterhalten, sagte die 65-Jährige. Der Büchsenmachlehrling litt, wie die Zeugin sagte, am Asperger-Syndrom und sei kein "einfaches Kind" gewesen. In seiner Kindheit soll der 21-Jährige auch depressiv und melancholisch gewesen sein und kurzzeitig in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden sein.

Die Pädagogin berichtete am Ende ihrer Aussage am Mittwoch, dass sie am 31. Dezember 2019 das letzte Mal mit der 60-Jährigen am Telefon gesprochen habe. Im Laufe der Unterredung habe diese zu ihr unter anderem gesagt, dass sie etwas wisse, was sie ihr "keinesfalls telefonisch erzählen möchte." Genaueres, so die Zeugin, habe ihre Freundin ihr nicht sagen wollen. Knapp zwei Wochen später war sie tot.

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