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Gerichtsurteil:Bankräuber aus Verzweiflung

Der Familienvater steckte in so schweren finanziellen Nöten, dass er seine Familie kaum noch ernähren konnte. Nun muss er fünf Jahre in Haft.

Sascha M. hatte bis zuletzt geschwiegen. Nicht einmal seiner Frau sagte er, dass er vor lauter Schulden weder ein noch aus weiß, und dass seine Firma für Personalvermittlung in Neuried vor der Pleite steht. Der Vater von vier Kindern hatte am Ende so wenig Einkommen, dass er seiner Familie nicht einmal mehr genug zu essen kaufen konnte. Aus lauter Verzweiflung entschloss er sich, eine Bank in Neuried zu überfallen, um seine Miete und offene Rechnungen begleichen zu können. Für die Tat wurde Sascha M. am Freitag vor der 29. Strafkammer am Landgericht München I wegen schwerer räuberischer Erpressung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zum Prozessauftakt in dieser Woche legte der Familienvater ein Geständnis ab. Zuvor hatte er die Tat bestritten, da er sich vor "seiner Frau sehr geschämt" habe.

Maskiert und mit einer scharfen, aber nicht geladenen Pistole bewaffnet hatte M. am 5. April 2019 die Bankfiliale betreten. Einer Mitarbeiterin sagte er, er müsse die Bank "leider" überfallen, weil er dringend Geld benötige. Die Leiterin der Filiale zahlte 10 000 Euro aus. Mit der Beute flüchtete Sascha M. und machte sich sofort daran, unter anderem einen Mitarbeiter auszubezahlen und Essen für seine Familie zu kaufen. Seine Pistole warf er in einen Müllcontainer.

Die beiden Bankangestellten, die er bedrohte, leiden psychisch bis heute unter den Folgen der Tat. Besonders die Filialleiterin hob Richterin Nicole Selzam in ihrer Urteilsbegründung hervor. Sie war 2014 schon einmal Opfer eines Banküberfalls geworden und habe sich erst Jahre später von dem Schock vollständig erholt. In ihrem Urteil ging die Kammer davon aus, dass die Pistole nicht geladen war, wie Sascha M. bei seinem Geständnis beteuert hatte. Das Gericht erkenne auch an, sagte Richterin Selzam bei der Urteilsbegründung, dass sich der Familienvater in einer finanziellen Notlage befunden habe. Ein Banküberfall sei allerdings keine Alternative. Mit dem Geld aus der Beute kaufte M. gleich nach der Tat unter anderem für einen seiner Söhne 16 Scheiben Gelbwurst bei einer Münchner Großmetzgerei, da die der Bub ganz besonders mag.

© SZ vom 14.03.2020/lfr

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