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Home-Office:Gut verknüpft

Florian Rzytki von Provectus hat seinen Arbeitsplatz im Kinderzimmer seiner Töchter eingerichtet.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das Münchner IT-Unternehmen Provectus bietet Lösungen für das Arbeiten von zu Hause an - auch für den Plausch am Kaffeeautomaten

Sie haben sich eingerichtet. Florian Rzytki "sendet", wie er sagt, seit ein paar Wochen aus dem Kinderzimmer seiner beiden Töchter in Germering, Tobias Kirsch hat sein Quartier am Küchentisch seiner Wohnung in Regensburg aufgeschlagen. Wie so viele Menschen arbeiten auch Rzytki, der Vertriebler, und Kirsch, der Entwickler, derzeit von zu Hause aus - und gerade in diesen Zeiten trifft es sich für die beiden gut, dass ihre Firma genau dafür das passende Konzept bereithält.

Das Münchner IT-Unternehmen Provectus bietet Home-Office-Technologien an, die nach eigenen Angaben deutlich schneller, sicherer und ressourcensparender sind als bisher gängige Methoden. Anders als die bisher weit verbreiteten VPN-Zugänge, die virtuelle Tunnel in das Unternehmensnetzwerk legen und es so möglich machen, den Computer auf dem Büroschreibtisch von zu Hause aus zu steuern, arbeitet das Modell von Provectus vor allem mit Cloud-Diensten wie jenem von Apple und den gängigen Office 365-Paketen von Microsoft. Durch die Verknüpfung der Programme können alle Angestellten einer Firma auf die benötigten Daten zurückgreifen und sie bearbeiten. Alles, was man dazu braucht, ist ein Internetzugang und ein Rechner mit den gängigen Office-Programmen. Der Vorteil gegenüber Technologien wie VPN: Die Nutzer wählen sich nicht in das Firmennetzwerk ein, sondern arbeiten allein über das heimische Wlan - wenn sich wie jetzt während der Corona-Krise beinahe alle Mitarbeiter von auswärts einloggen, schützt das vor Überlastungen und Systemabstürzen. "Gerade in Zeiten wie diesen, wenn jeder von zu Hause aus arbeitet, ist VPN oft langsam und zäh", sagt Florian Rzytki, Head of Sales. Beim Konzept von Provectus gebe es dieses Problem nicht.

Auch für die Sicherheit der Unternehmensdaten ist laut Entwickler Tobias Kirsch gesorgt: Neben dem herkömmlichen Passwortschutz kann man vertrauliche Daten in einen zusätzlich gesicherten Bereich stellen, den nur Personen ansteuern können, deren Geräte bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen, die das System im Hintergrund abfragt. Sind alle Virenschutzprogramme installiert und funktionstüchtig? Hat der PC, der gerade versucht, in die betreffenden Systembereiche einzudringen, überhaupt die Berechtigung dafür? Dazu kommen noch weitere Sicherheitsmaßnahmen, die das System laut Kirsch deutlich sicherer machen als bisherige Home-Office-Varianten.

Was die Umstellung auf das Konzept von Provectus kostet, hängt derweil von der Größe der jeweiligen Unternehmen und ihren bisherigen technischen Standards ab. Auch wie lange die Einführung des neuen Systems dauert, lasse sich nicht genau sagen, erklärt Kirsch. Momentan sei die Nachfrage zudem hoch: "Viele Firmen mussten wegen Corona massiv aufrüsten."

Dass sich die Arbeit von daheim auch nach der Corona-Krise flächendeckend etablieren wird, glauben Rzytki und Kirsch derweil nicht. Der Austausch mit den Kollegen an der Kaffeemaschine sei schließlich durch keine Videokonferenz zu ersetzen, meint Rzytki, die sozialen Kontakte untereinander seien für die Arbeitsprozesse in Unternehmen zu essenziell. Während der Corona-Krise müsse man aber nicht ganz auf den Plausch unter Kollegen verzichten: Bei Provectus etwa haben sie einen Videochatroom namens Coffee Corner eingerichtet, der permanent online ist - wer möchte, kann dort auf einen Cappuccino vorbeischauen und sich mit denen unterhalten, die ebenfalls gerade online sind. Gerade zu den üblichen Kaffeezeiten treffe man dort viele Gesichter, erzählt Rzytki. Für die Zeit nach Corona sei so etwas zwar wohl nicht denkbar. Aber vielleicht, so Rzytki, helfe die Krise ja auch dabei, das Modell Home- Office ein bisschen attraktiver zu machen. "Viele Chefs stehen dem noch ein bisschen skeptisch gegenüber", sagt er. "Aber die Krise zeigt uns ja, dass das Modell durchaus gut funktioniert." Und auch technologisch würden sich ständig neue Alternativen bieten, ergänzt Tobias Kirsch: "Da gibt es keine Grenzen."

© SZ vom 22.05.2020

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