RotlichtmilieuErmittler schnappen skrupellosen Zuhälter

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Das nächtliche Bahnhofsviertel in München.
Das nächtliche Bahnhofsviertel in München. Robert Haas

Ein 44-Jähriger macht eine junge Frau von sich abhängig, schickt sie zur Prostitution und nimmt ihr weit mehr als 100 000 Euro ab. Doch nach Jahren hilft sie dabei, ihn zu überführen.

Von Martin Bernstein

Erst gaukelt er ihr Liebe vor, dann schickt er sie zum Anschaffen, droht mit Gewalt und plündert sie aus: Über Jahre beutet ein 44-Jähriger aus dem Münchner Rotlichtmilieu eine junge Frau aus, in jeder Hinsicht. Dann schafft sie es, sich von ihm zu lösen und zur Polizei zu gehen. Ihr gesamtes Geld ist zwar weg – doch der Zuhälter sitzt jetzt im Gefängnis.

Alles begann nach Polizeiangaben mit einem Kennenlernen auf einem Online-Partnerportal. Die 23-Jährige und der 44-Jährige aus München kamen im August 2020 zusammen. Schnell wurde er ihr „Sugar-Daddy“, der sich die Beziehung zu der jungen Frau mit regelmäßigen Geldzahlungen erkaufte. Doch dann verliebte sich die Frau in den 21 Jahre älteren Mann.

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Ob dieser das von Anfang an geplant hatte, ist für die Ermittler noch unklar. Jedenfalls nutzte der Mann die Abhängigkeit aus. Er lotete aus, wie weit die Frau sexuell zu gehen bereit war, dann machte er sie mit Prostituierten bekannt, schilderte ihr die Verdienstmöglichkeiten als Escortdame in Zeiten coronabedingter Bordell-Schließungen in buntesten Farben – und ließ sie seit Anfang 2021 für sich anschaffen.

Die junge Frau wurde in kurzer Zeit immer abhängiger von dem Mann. Er nahm ihr nicht nur einen Teil ihrer Einkünfte ab, sondern verlangte auch Geschenke von ihr und ließ sich schließlich sogar das Ersparte der jungen Frau geben. Weit mehr als 100 000 Euro kamen so zusammen. Als die Frau ihr Gewerbe legalisieren wollte, verhinderte er das.

Nach mehr als drei Jahren schaffte die Frau dennoch den Absprung. 2024 ging sie zur Polizei. Zielfahnder ermittelten, die Staatsanwaltschaft erließ einen Haftbefehl gegen den mittlerweile 49-Jährigen, der bereits in den 90er-Jahren einmal im Münchner Rotlichtmilieu aufgefallen war.

Am Dienstag vergangener Woche erfolgte der Zugriff. Außerdem durchsuchte die Polizei zwei Wohnungen, die der Mann genutzt hatte. Reizgas, Schlagstöcke und Bargeld wurden dort gefunden. Der 49-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft. Ihm werden Zwangsprostitution sowie ausbeuterische und dirigierende Zuhälterei vorgeworfen.

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