Kinderbetreuung in München:Privater Betreiber will Kita schließen

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Die beiden Kitas in Oberföhring sind baugleich. Vorne im Bild ist die private Kita Kinderzimmer, hinten die städtische Kita. (Foto: Catherina Hess)

Das geplante Fördermodell der Stadt sei schuld, sagt der Träger der Einrichtung in Oberföhring und fordert Schadenersatz. Und die Eltern wollen wissen, wie es mit den 110 Betreuungsplätzen weitergeht.

Von Kathrin Aldenhoff

Die beiden Kitas stehen nebeneinander, baugleich. Zwei Holzpavillons, der eine mit hellgrünen, der andere mit etwas dunkleren grünen Fassaden-Elementen, beide mit Garten und Schaukel, Oberföhringer Straße 160 und 160a, gebaut und eingerichtet von der Stadt München. Die eine der beiden Kitas betreibt die Stadt selbst, die andere hat sie in einer sogenannten Betriebsträgerschaft an einen privaten Träger übergeben. Und der große Unterschied ist nun: Die Eltern, deren Kinder in der privaten Kita betreut werden, müssen in den nächsten Monaten einen neuen Kitaplatz finden – denn der Träger schließt die Einrichtung zum 31. August.

In einer Mitteilung begründet der Kitaträger KMK Kinderzimmer, der in Hamburg fast 40 Kitas und in München seit 2020 diese eine Kita betreibt, seine Entscheidung mit dem neuen Förderkonzept, das in München zum 1. September in Kraft treten soll. Die bisherige Münchner Förderformel stellte die wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb der Kita dar. Eine Fortführung unter den neuen Bedingungen des Defizitausgleichs sei nicht möglich. So könnten keine Gewinne erwirtschaftet und keine Rücklagen gebildet werden.

Die Eltern haben das Anfang der Woche erfahren, in einer Nachricht über die Kita-App. Einen guten Wunsch gibt der Träger den Eltern der 110 Kinder mit auf den Weg: „Wir wünschen Ihnen, dass Sie zeitnah einen guten Ersatz für die Betreuung finden.“

Einen neuen Betreuungsplatz finden, und das innerhalb von zweieinhalb Monaten? In der Umgebung sei nichts Passendes frei, sagt eine Mutter von zwei Kindern. „Man muss hoffen, dass jemand wegzieht. Aber es geht ja nicht um ein oder zwei Kinder, sondern um mehr als 100!“ Mit der Kündigung hatten die Eltern nicht gerechnet – auch wenn das Unternehmen schon länger plante, die Einrichtung in Oberföhring nicht weiterzubetreiben.

Im Herbst, als die ersten Entwürfe für das neue Fördermodell kursierten, sei man zu der Entscheidung gekommen, die Kita unter diesen Bedingungen nicht weiterzubetreiben – zu viele Unsicherheiten und ein zu hoher Verwaltungsaufwand für einen Standort in München, sagt einer der drei Geschäftsführer von KMK Kinderzimmer, Daniel Grimm. „Ursprünglich war geplant, die Kita an einen anderen Münchner Träger zu übergeben.“

Es habe ein Angebot in Höhe von 500 000 Euro gegeben. Doch aus dem Deal wurde nichts: „Als das neue Fördermodell beschlossen war, haben alle Mitbewerber ihre Angebote zurückgezogen“, sagt Grimm. Sein Unternehmen kündigte den Vertrag über die Betriebsträgerschaft mit der Stadt München. Und will nun Schadenersatz von der Stadt – weil man den Betrieb nicht fortführen und nicht verkaufen könne.

Eine Kündigung, die aus Sicht des Bildungsreferats unwirksam ist. Seit März gab es Gespräche mit dem Träger, teilt eine Sprecherin des Bildungsreferats mit. Und weist darauf hin, dass es Betriebsträgern grundsätzlich nicht möglich sei, die genutzte Immobilie zu verkaufen, da diese der Stadt gehöre. Es sei auch nicht möglich, einen selbst ausgewählten Träger gegen Entgelt einzusetzen. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, um die Plätze für die Kinder der Einrichtung zu sichern.

Bürgermeisterin Verena Dietl will die Kita retten

Vonseiten des Trägers heißt es: Man sei gesprächsbereit gewesen, hätte auch eine geringere Ablöse akzeptiert. Die Schmerzgrenze lag wohl bei 300 000 Euro. Aber von der Stadt hätten sie nie ein Angebot bekommen. „Es fühlt sich keiner zuständig, die Kita zu retten“, sagt Grimm.

Das Unternehmen KMK Kinderzimmer hatte ursprünglich vor, größer im Münchner Kita-Markt einzusteigen. Auf der Homepage heißt es: „München hat viele schöne Ecken. Ein paar der besten davon haben wir für unsere Kinderzimmer reserviert.“ Dazu kam es nicht.

Wütend und fassungslos sind die betroffenen Eltern. Sie wandten sich an den Bezirksausschuss, schrieben einen offenen Brief an die Stadt, äußerten ihr Unverständnis und ihren Unmut, dass eine gut funktionierende Einrichtung geschlossen wird. Nun meldet sich die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) zu Wort: Sie könne und wolle die betroffenen Familien nicht alleine lassen. „Daher habe ich umgehend veranlasst und angewiesen, dass die Stadt alles unternimmt, um die Kita zu übernehmen.“

Die Kita in Oberföhring könnte nicht die Einzige bleiben, die an die Stadt zurückgegeben wird. Insgesamt gibt es rund 200 Kitas in Betriebsträgerschaft in München. Das Bildungsreferat plant bereits Maßnahmen, wie man damit umgehen möchte, wenn Träger wegen des neuen Fördermodells Kitas zurückgeben. Sie sollen für mehrere Jahre von den Vergabeverfahren für eine erneute Betriebsträgerschaft ausgeschlossen werden; und zwar gestaffelt, je nachdem, wie viele Kitas sie zurückgeben. Beschlossen sind diese Maßnahmen noch nicht.

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