Schon seit einigen Konzert-Saisons gibt es die „Lange Nacht der Kammermusik“ im Prinzregententheater, alles mit dem Schwerpunkt Streichquartett. Inzwischen hat sich der Blick geweitet auch auf Quintette oder Sextette bis hin zu Oktetten. Man könnte sich durchaus auch Formationen unterhalb der glorreichen Vier vorstellen, denn Solisten, Duos und Trios in den verschiedensten Kombinationen bieten ebenfalls Kammermusik vom Feinsten.
Dass wir spätestens seit Joseph Haydn bei Kammermusik sofort ans Streichquartett denken, hat seinen guten Grund. Mit Haydn beginnt sogleich auf höchstem Niveau das Spiel mit vier Stimmen auf dem Weg der Gleichberechtigung aller vier. Dazu waren die Stücke nicht für Amateure gedacht, sondern Haydn komponierte für Profimusiker seiner Hofkapelle beim Fürsten Esterhazy, um experimentieren und die Möglichkeiten der „Vier im Roten Kreis“ ausprobieren zu können. Seitdem befassen sich beste Ensembles mit der Quartettliteratur von Mozart, Beethoven über die Romantik bis in unsere Zeit.
Dieses Mal, am 25. April, steht eine junge Formation, 2019 in London gegründet, im Mittelpunkt, das Fibonacci Quartet: die Geigerin Luna de Mol aus Belgien, ihr Violinkollege Kryštof Kohout aus Tschechien, der Bratscher Elliot Kempton aus Wales und der Cellist Findley Spence aus Schottland. Das Ensemble hat bereits große Wettbewerbserfolge eingeheimst etwa den ersten und den Publikumspreis beim Premio Paolo Borciani 2024 in Reggio Emilia.
Sie beginnen mit Haydn und dessen Streichquartett D-Dur Hob. III:63, dem „Lerchenquartett“. Danach folgt das dritte von Robert Schumanns drei Quartetten, unter op. 41 zusammengefasst. Doch schon das dritte Stück der „Langen Nacht“ bietet Neues, weil hier zu den vieren der Kontrabass dazukommt in Antonin Dvořáks zweitem Streichquintett G-Dur op. 77. Meist tritt beim Streichquintett eine zweite Viola hinzu. Die berühmteste Variante schuf aber Franz Schubert in seinem Quintett mit zwei Celli. Den Kontrabasspart wird Dominik Wagner übernehmen, vielfach preisgekrönt und darauf aus, seinem Instrument einen prominenten Platz auch als Solo- und Kammermusikinstrument zu erobern. Übrigens gewann Dvořák mit diesem Quintett selbst erstmals einen Kompositionspreis. Vor allem im Scherzo herrscht der böhmische „Volkston“.

Nach der Pause wird die erfahrene Kammermusiknacht-Moderatorin Annekatrin Hentschel ein Werk ankündigen, das schon ans Orchestrale angrenzt: Schuberts Oktett von 1824. Der 27-Jährige schrieb es, sich an Beethovens berühmtem Septett op. 20 orientierend, weil sein Auftraggeber, der Graf Troyer, das Beethoven-Septett sehr schätzte. Der Graf war Oberhofmeister des Erzherzogs Rudolf und begabter Amateurklarinettist. Schubert erweiterte Beethovens Besetzung – Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass – um eine zweite Violine. Sechs Sätze, in denen es alles gibt, Schubertschen Schmerz, auch noch Divertimento-Geist in den zwei Scherzi, Variationskunst und tiefe Expression im Adagio ebenso wie kraftvolle Farbigkeit in den Ecksätzen. Das Oktett diente Schuberts symphonischen Ambitionen. Zwei Jahre später schrieb er die Große C-Dur Symphonie.
Dafür wird sich eine Reihe erstklassiger Solisten zusammenfinden: Die versierte Franziska Hölscher und der glänzende holländisch-amerikanische Stephen Waarts, Violine, der französische Viola-Star Adrien La Marca und der rumänische preisgekrönte Cellist Andrei Ioniță und Dominik Wagner am Kontrabass. Die drei Bläser sind Sebastian Manz, Solo-Klarinettist beim SWR-Symphonieorchester in Stuttgart, auch als gefeierter Solist unterwegs, Theo Plath, Solo-Fagottist beim hr-Symphonieorchester in Frankfurt und ebenfalls viel gefragter Solist und Kammermusiker. Schließlich der außerordentliche Hornist Felix Klieser. Über das Programm hinaus haben die Musiker oft überraschende Zugaben dabei, sodass der Begeisterung für die grenzenlose Vielfalt der Kammermusik keine Schranken gesetzt sind.
Lange Nacht der Kammermusik, Samstag, 25. April, 19 Uhr, Prinzregententheater


