München-Premiere der „5/8terln in Ehr’n“ mit Big BandWiener Soul im Großformat

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Wie „5/8terl in Ehr'n“ aus dem weichen Wiener Dialekt alle Facetten der in ihm liegenden Melancholie herauszuzeln, lässt einen wahlweise vor Rührung vergehen oder vor Begeisterung aus dem Sitz katapultieren.
Wie „5/8terl in Ehr'n“ aus dem weichen Wiener Dialekt alle Facetten der in ihm liegenden Melancholie herauszuzeln, lässt einen wahlweise vor Rührung vergehen oder vor Begeisterung aus dem Sitz katapultieren. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Eine mitreißende Mischung aus Neuem Wienerlied, Soul und Big-Band-Jazz: „5/8terl in Ehr’n“ und das Jazzorchester Vorarlberg begeistern im Fat Cat.

Kritik von Oliver Hochkeppel

Es ist kein ganz neues Projekt, das man jetzt in München im (ehemaligen) Carl-Orff-Saal erleben konnte: Schon am 30. Dezember 2019 waren die 5/8terl in Ehr’n und das Jazzorchester Vorarlberg auf der Bühne des Wiener Jazzclubs Porgy & Bess erstmals aufeinandergetroffen. Eine Kollaboration, die Sinn ergab.

Das vor fast 20 Jahren gegründete Quintett mit dem merkwürdigen Namen entstammt teilweise der Wiener Jazzwerkstatt und hat ihre mit „Wiener Soul“ überschriebenen ironischen Neudefinition des Wienerlieds schon immer um die Kunstfertigkeit, Rhythmik und Freiheit des Jazz bereichert. Und das ein Jahr ältere Jazzorchester Vorarlberg war von Anfang an experimentierlustig und auf der Suche nach genreüberschreitenden Aufgaben. Da der 5/8terl-Pianist Clemens Wenger schon 2014 als Gastmusiker bei den Vorarlbergern spielte, gab es auch schon lange einen Kontakt.

Corona machte dem munteren Treiben erst einmal einen Strich durch die Rechnung, ließ das Ganze aber dank unverhofft langer Arbeitsmöglichkeit an den Arrangements umso nachhaltiger reifen.  Und so moderierte Sänger Robert Slivovsky den Münchner Auftritt auch mit der Bemerkung an, dies sei „keine Kollaboration. Dies ist eine einzige große Band. So ist das, wenn man sich lieb hat.“

Auf den Stimmen und Texte von ihm und Co-Lead-Sänger Max Gaier fußt freilich alles. Nach wie vor ist der Gesang überwältigend. Wie sie aus dem weichen Wiener Dialekt alle Facetten der in ihm liegenden Melancholie herauszuzeln, lässt einen wahlweise vor Rührung vergehen oder vor Begeisterung aus dem Sitz katapultieren. Was dank der vom Wiener Schmäh durchzogenen, gerne ins Kabarettistische lappenden Songs in einer Reihe mit anderen Vorreitern des Neuen Wienerlieds wie dem Kollegium Kalksburg oder den Strottern (mit denen man auch schon zusammenarbeitete) vorzugsweise auf den Kleinkunstbühnen passierte und passiert, funktioniert aber eben nicht nur in der kleinen Form, wie man hier überprüfen konnte.

Die Wucht einer Weltklasse-Big-Band; das mal treibende, mal sanft groovende Drumming von Chris Eberle; das nicht von dieser Welt stammende Flügelhorn-Solo seines Bruders und Orchestergründers Martin Eberle; ein nicht minder furioses Keyboard-Solo von Benny Omerzell – all das bereichert die für solchen Überbau prädestinierten Songs der 5/8terln. Macht die „siasse Tschik“ noch süßer, den „Vaporizer“ noch dampfiger, den „wunderschönen Mai“ noch leuchtender oder die hintersinnige Attacke auf rassistische Politiker-Dummheit „Alaba – How Do You Do?“ noch schmissiger.

Nicht nur die Klassiker der Band profitieren von den ausgefeilten Arrangements. Es gibt auch neue, von vorneherein auf Volumen ausgelegte Stücke wie „Ruhe Macht Panik“. Alles zusammen ergab im Fat Cat großes Kino.

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