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Verkehr in München:Radler demonstrieren für Pop-up-Spuren

Zweibrückenstraße

In München demonstrierten im Herbst Aktivistinnen und Aktivisten für die Beibehaltung der Pop-up-Radwege.

(Foto: Robert Haas)

Die vorübergehenden Radwege an fünf viel befahrenen Straßen sollen Ende des Monats wieder verschwinden. Am Dienstag fordern etwa 100 Demonstranten, diese zu erhalten.

Von Andreas Schubert

Sie sind breit, sie sind gelb und einigermaßen sicher. Aber sie sind nicht von Dauer. Anfang November müssen die sogenannten Pop-up-Bikelanes, die an fünf Münchner Straßen markiert wurden, wieder weichen. Der Verkehrsversuch, der im Juni begann, läuft zum 31. Oktober aus. An diesem Mittwoch wird der Mobilitätsausschuss des Stadtrats über das weitere Vorgehen entscheiden.

Am Dienstag haben etwa 100 Radaktivisten für den Erhalt der Radspuren in der Zweibrückenstraße demonstriert. Dazu aufgerufen hatten der Fahrradklub ADFC und die Initiatoren des Radentscheids. Mit einem Radlkorso auf den an beiden Straßenseiten noch bestehenden Spuren wollten sie darauf aufmerksam machen, wie wichtig aus ihrer Sicht die Radspuren sind. Denn auch in diesem Winter werden nach ihrer Einschätzung weiterhin viele Radfahrer unterwegs sein.

Die Grünen wollen am Mittwoch für den Erhalt stimmen, anders als ihr Koalitionspartner SPD, der auf die Befristung verweist. Die Sozialdemokraten wurden auf der Demo wie auch auf Twitter unter dem Hashtag #savethepopups dafür von den Radaktivisten kritisiert. In einem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag unterstellen die Fraktionen von ÖDP/Freie Wähler und Linke/Die Partei Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gar, er habe per E-Mail einem "Autolobbyisten" zugesagt, dass die Radspuren zum 1. November verschwinden werden. Diese E-Mail habe es nie gegeben, teilt das OB-Büro mit. Reiter selbst erklärt auf Nachfrage: "Ich habe mich immer klar dafür ausgesprochen, die Radwege auch dauerhaft herzustellen, sofern die Evaluierung positiv und die Bürgerbeteiligung umfassend durchgeführt wurde."

Er wolle erreichen, das Radfahren sicherer wird. "Gleichzeitig habe ich aber auch immer klar kommuniziert, dass der Test in der Form nicht einfach verlängert wird", so Reiter. "Wir werden die Radwege nicht als Provisorium, sondern als dauerhaft gegebenenfalls auch baulich umgesetzten Radweg erstellen." Ein Zugeständnis an die "Autolobby" könne er darin nicht erkennen.

Der Stadtrat wird sich im April dann wieder mit den Radwegen beschäftigen. Für die Straßenabschnitte Rosenheimer Straße zwischen Orleansstraße und Rosenheimer Platz, Elisenstraße zwischen Dachauer Straße und Lenbachplatz, Theresienstraße zwischen Luisenstraße und Schleißheimer Straße, Theresienstraße zwischen Türkenstraße und Luisenstraße sowie Gabelsbergerstraße zwischen Arcisstraße und Türkenstraße sollen Planungsvarianten und die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung vorgelegt werden. Bis zu einer baulichen Realisierung, so heißt es in der Vorlage, könnten im Anschluss gegebenenfalls Radverkehrsanlagen in weiß, ähnlich den temporären Radverkehrsanlagen, als Übergangslösung markiert werden.

Bis dahin, so der Tenor auf der Fahrraddemo am Dienstag, könnte die Stadt genauso gut die gelben Markierungen beibehalten.

© SZ vom 28.10.2020/kafe
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