Typisch deutsch:Grillen, bis der Schutzmann schimpft

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Typisch deutsch: Zwei junge Frauen grillen an einem warmen Tag in der Nähe des Flauchers an der Isar.

Zwei junge Frauen grillen an einem warmen Tag in der Nähe des Flauchers an der Isar.

(Foto: Robert Haas)

In diesen Wochen kann der Eindruck entstehen, dass die Münchner Polizei omnipräsent ist. Warum? Über eine Party am See mit unangekündigten Besuchern.

Kolumne von Lillian Ikulumet

Vor einigen Tagen, als meine Tochter Taliah und ich von einem nächtlichen Besuch nach Hause fuhren, schnallte sie sich vom Kindersitz ab und wollte auf den Beifahrersitz wechseln. Ich hielt an. Ihre Begründung war, dass die Polizei offenbar schlafe - weil wir gerade eine finster wirkende Polizeiwache passiert hatten. In dem Moment fuhr ein Polizeiauto an uns vorbei.

Wenn man in diesen Frühlingstagen durch München spaziert, radelt oder sich sonst wie bewegt, dauert es meist nur Minuten, bis sie auftauchen. An jeden erdenklichen Orten stehen, fahren oder reiten Polizisten durch die Stadt und ihre Parks. Wenn ich Auto fahre, habe ich stets das Gefühl, dass zwei Wagen hinter mir ein Polizist am Steuer sitzt. Irgendwie hat mich das verunsichert, andrerseits hat es mich auf der Straße wachsam gehalten.

Wo ich herkomme, war die Polizei normalerweise in bestimmten Gegenden anzutreffen. An bekannten Brennpunkten ugandischer Großstädte. So war es manchmal einfach, ihnen auszuweichen. Aber nicht in München.

Besonders jetzt nicht, wo die Temperaturen steigen und die Parks und Isarauen voller Menschen sind. Mit oder ohne Grill oder anderen Substanzen, die Rauch absondern. Während dieser Jahreszeit kann man die Uhr danach stellen. Die Polizei hinterlegt ihre Anwesenheit im Vorbeigehen. Und manchmal kann es sein, dass die Beamten es übertreiben.

Es war am Lerchenauer See, Mitte April. Da gehörte ich selbst zu den aufgewühlten und verärgerten Personen. Ich war Teil einer Gesellschaft, die eine Grill-Geburtstagsparty feierte. Da tauchte plötzlich die Polizei auf. Alle auf der Party waren schockiert über die Anzahl der Polizisten. Sie kamen mit drei vollen Kleinbussen und zwei Hunden. Was sie fanden: Erwachsene, die wahlweise grillten, Grillgut verzehrten oder Bier tranken. Und Kinder, die auf einer aufblasbaren Miniburg hüpften.

Sie kamen sofort auf uns zu und fragten uns, wer für die Party verantwortlich sei. Sie sagten uns, jemand hätte sie angerufen: dass eine große Menschenmenge von Afrikanern im Park sei und "eine sehr wilde Party" feiern würde. Das hat bei vielen von uns die Gemüter erregt.

In solchen Momenten kann es problematisch werden. Manche von uns waren im Begriff, unfreundlich zu den Polizisten zu werden. Ein regelrechtes Großaufgebot für eine stinknormale Familienfeier an einem Samstagnachmittag? Dabei war hier niemand sonderlich laut. Was auch recht egal gewesen wäre, mitten in der Natur, fernab von Anwohnern, die sich von etwaigen Geräuschen hätten gestört fühlen können. In einer Sache waren wir uns alle einig: Was soll das?

Was soll man in solchen Momenten denken? Natürlich fragen sich die Menschen, ob die Aufgabenverteilung der Münchner Polizeibeamten restlos durchdacht ist. An diesem Samstag ging es so aus: Die Polizisten entschuldigten sich schnell bei uns. Wir sollten die Party weiter genießen. Solche Höflichkeiten von der Polizei? Gegenüber Schwarzen? Nun wiederum waren viele von uns positiv überrascht.

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