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Rettungskräfte in München:Verkehrsbehinderungen wegen Katastrophenübung

Katastrophenschutzübung zur Fußball-EM 2020 in München

Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, trainieren die Feuerwehrleute immer wieder in aufwendigen Manövern.

(Foto: dpa)
  • In einer groß angelegten Übung trainieren Polizei und Rettungskräfte am Sonntag den Ernstfall für eine Katastrophenlage. Hintergrund ist die Fußball-Europameisterschaft 2020.
  • An dem Manöver beteiligen sich rund 2000 Einsatzkräfte, Beobachter und Komparsen.
  • Wegen der Übung kommt es bis in den Nachmittag hinein zu Sperrungen und Verkehrsbehinderungen.

Von Jakob Wetzel

Ein mutmaßlicher Anschlag in einer U-Bahn-Station, ein Unglück im Fußballstadion, ein Verkehrsunfall mit vielen Verletzten - und das alles zur gleichen Zeit. "Für uns ist das ein Stresstest", sagt Klaus Heimlich von der Münchner Berufsfeuerwehr: Für die Einsatzkräfte kommt einiges zusammen an diesem Sonntagmorgen, auch wenn alles nur eine große Übung ist. Seit 8 Uhr morgens trainieren Polizei, Feuerwehr, Kliniken und auch der Deutsche-Fußball-Bund gemeinsam, wie sie reagieren, wenn nicht nur eine, sondern gleich drei Katastrophen über die Stadt hereinbrechen.

Ziel sei es, die Zusammenarbeit einzuüben und zu verbessern, sagt Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle. Geübt wird dazu parallel an drei Orten: Das Drehbuch für die Übung sieht einen ersten Alarm gegen acht Uhr morgens an der U-Bahn-Haltestelle Arabellapark vor. Weil der Verdacht auf einen Terror-Anschlag im Raum steht, sind hier auch Spezialeinheiten der Polizei im Einsatz. Ungefähr eine Viertelstunde später wird der nächste Alarm ausgelöst, diesmal im Fußballstadion in Fröttmaning. Gefragt sind hier vor allem die Rettungskräfte: An einem Kiosk hat es eine Verpuffung gegeben, nun müssen zahlreiche Verletzte versorgt werden. Wenige Minuten später wird schließlich in der Kfz-Verwahrstelle des Polizeipräsidiums im Gleisdreieck im Osten von Berg am Laim ein großer Verkehrsunfall simuliert, ebenfalls mit vielen Verletzten. Heimlich sagt, hier gehe es aber vor allem um einen Stresstest für die Leitstelle. Soweit der Plan.

An der Übung beteiligen sich insgesamt etwa 2000 Einsatzkräfte inklusive Beobachter und Komparsen, die Verletzte spielen. Über die Einzelheiten der Übung wussten sie vorab nichts. Allein etwa 1000 Polizistinnen und Polizisten seien eingeplant, sagt Polizeisprecher Damian Kania. Hinzu kommt weiteres Personal in den Kliniken. Erfahrungsgemäß würden dort zwischen 300 und 600 Ärzte und Pfleger an der Übung teilnehmen, sagt Kreisverwaltungsreferent Böhle. Es seien aber weiterhin genug Feuerwehrleute und Polizisten im Dienst, um sich um mögliche reale Gefahren zu kümmern, sagt Heimlich: "Die Bürger müssen sich um ihre Sicherheit keine Sorgen machen."

Von außen zu sehen ist von der Übung selbst wohl nichts, abgesehen von Fahrzeugen mit Blaulicht und geschminkten Komparsen, die Verletzte mimen. Die U-Bahn-Haltestelle Arabellapark und der nahegelegene Busbahnhof sind von 6.50 Uhr bis etwa 13 Uhr gesperrt, statt der Züge fahren ab der Haltestelle Richard-Strauss-Straße Ersatzbusse. Bus-Haltestellen wurden wegen der Übung verlegt, auch Autos, Radfahrer und Fußgänger hat die Polizei gebeten, den Arabellapark weiträumig zu umfahren. Die Klinik Bogenhausen ist während der Übung aber weiterhin zugänglich, auch wenn mehr tatsächliche und vermeintliche Patienten durch die Notaufnahme geschleust werden als sonst. Und auch das Fußballstadion sei für Besucher und auch für Busse erreichbar, versichern die Behörden. Geübt wird lediglich im Westen der Arena.

Hintergrund der Übung ist die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft 2020, die auch in München ausgetragen wird. Im Juni und Juli werden vier Spiele im Stadion in Fröttmaning stattfinden, drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste haben dazu ihre Einsatzpläne überarbeitet - und sie üben ohnehin regelmäßig, wie sie auf denkbare Katastrophen reagieren. Zuletzt übten sie im April 2018, einen Terroranschlag auf den Münchner Hauptbahnhof abzuwehren. Im Juni übten dann Polizistinnen und Polizisten gemeinsam mit der Bundeswehr einen Anti-Terror-Einsatz auf dem Fliegerhorst Penzing bei Landsberg am Lech. Seitdem gab es mehrere kleinere Übungen. Diejenige an diesem Sonntag, die offiziell den Titel "EMÜ 19" trägt, ist seither aber die größte. Der Veranstalter wünsche sich, dass vor dem Turnier noch einmal ein Einsatz simuliert werde, sagt Polizeisprecher Kania. Die Behörden seien zu regelmäßigen Übungen aber ohnehin verpflichtet. "Und wir freuen uns auch, wenn wir in dieser Größenordnung üben können."

© SZ.de/lfr
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