Die Polizei ermittelt in einem Fall, bei dem ein Münchner um etwa 1,4 Millionen Euro geschädigt worden ist. Jetzt hat die Kripo Fotos veröffentlicht, die den mutmaßlichen Betrüger zeigen.
Laut Polizeibericht lernte der 59-jährige Münchner im September 2023 in einem Fitnessstudio in Laim einen Mann kennen, der sich als „Mike“ vorstellte. Die beiden kamen ins Gespräch und Mike erzählte seinem neuen Freund von Anlage-Chancen bei NFTs. NFTs sind digitale Besitzurkunden zum Beispiel für digitale Kunstwerke oder Videos. Sie eignen sich auch zur Spekulation.
Der Münchner war wohl auf diesem Gebiet bereits aktiv und kaufte in der Folge von Mike mehrere NFTs – allerdings zunächst nur für etwa 900 Euro. „Es ist typisch für Fälle von Anlagebetrug“, sagt Christoph Meier, der den Fall im für Wirtschaftsdelikte zuständigen Kommissariat 72 bearbeitet, „dass zunächst nur geringe Beträge gefordert werden.“ Der Geschädigte wurde außerdem aufgefordert, sich bestimmte Programme herunterzuladen und bestimmte Links zu benutzen. Diese führten ihn zu einer Website, wo er angeblich seinen Account einsehen und auch selber handeln konnte. Auf diesem Account sammelten sich innerhalb weniger Wochen mehr als elf Millionen Euro – angeblich die Rendite aus den Spekulationen des Mannes. Allerdings ist nicht klar, ob die dort aufgeführten Gewinne real waren oder ihm nur vorgegaukelt wurden.
Nach einiger Zeit wollte der Mann etwas von seinem neu erworbenen Reichtum haben und ließ sich zunächst einmal 4000 Euro auszahlen. Das gelang problemlos. Als er jedoch wenig später eine größere Summe abheben wollte, begannen die Probleme: Er sollte einen aufwendigen Verifizierungsprozess durchlaufen, der aber nie zu einem Ende kam. Zudem stellte er fest, dass er für jede Transaktion Gebühren bezahlen musste – und zwar aus seinem Vermögen, nicht aus dem Anlege-Kapital, wie es etwa beim Aktienhandel üblich ist. Dabei kamen im Laufe der Zeit mehr als 1,4 Millionen Euro zusammen, die der Münchner bezahlte.

Mike war nicht mehr erreichbar
Auch die Freundschaft zu Mike, die sich über etwa drei Monate in praktisch täglicher Whatsapp-Kommunikation entwickelt hatte, kühlte ab: Mike war nicht mehr erreichbar, Nachrichten wurden nicht beantwortet, Video-Anrufe weggedrückt. Das war der Moment, wo dem Münchner langsam dämmerte, dass er betrogen worden war. Er ging zur Polizei. Glücklicherweise konnte er dabei Fotos präsentieren, die Mike selbst ihm geschickt hatte und die nun zur Fahndung benutzt werden.
Die fand heraus, dass die Spur der angeblichen Trading-Website nach Asien führt. Das schien zu passen: Mike hatte sich als Taiwaner vorgestellt. Seine Whatsapp-Nummer allerdings stammt aus Belgien.
Den Mitarbeitern des Laimer Fitness-Studios, in dem die beiden Männer sich kennengelernt hatten, war Mike nicht bekannt – scheint so, als hätte er sich eingeschmuggelt, ohne eine Mitgliedschaft zu erwerben. Auch alle weiteren Versuche scheiterten, Mikes Identität zu klären und ihn zu finden. Laut Ermittler Christoph Meier ist im Moment nicht einmal klar, ob er wirklich ein Betrüger ist oder nicht vielleicht sogar selbst zu den Geschädigten zählt. Gesucht wird er aber dennoch als Tatverdächtiger – mittlerweile über eine öffentliche Fahndung. Dort wird Mike als etwa 1,70 Meter groß beschrieben, etwa 30 Jahre alt und von athletischer Figur. Besonders auffällig: Er hat am linken Oberarm vernarbte Haut wie nach einer Verbrühung.
Polizist Meier sagt, diese Form des Anlagebetrugs sei bislang in München noch nie vorgekommen – und rät grundsätzlich zu Misstrauen bei Angeboten mit schnellen und hohen Renditen.

