Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl:Die Linken überraschen mit ihrer Liste

Spitzenkandidat Thomas Lechner lässt bei der Stadtratswahl anderen den Vortritt. Er steht nur auf Platz vier der Liste - offenbar bewusst.

Thomas Lechner will für die Linke Münchner Oberbürgermeister werden - bei der Stadtratswahl aber lässt der parteilose Kandidat anderen den Vortritt. Der Kreisverband München der Linkspartei hat am Samstag seine Liste für die Kommunalwahl am 15. März 2020 aufgestellt. Und OB-Kandidat Lechner steht lediglich auf Platz vier. Um in den Stadtrat einzuziehen, müsste er also entweder nach vorne gehäufelt werden, oder die Linke müsste ihr Ergebnis von 2014 stark verbessern. Die 2,4 Prozent von damals hatten lediglich für zwei Sitze im Stadtrat gereicht.

Lechner trete bewusst erst auf Platz vier an, erläutert Ates Gürpinar, Sprecher des Münchner Kreisverbands der Linken. Man gehe davon aus, dass dieser Platz reiche. "Wir wollen sechs Kandidaten in den Stadtrat bekommen." Bei der Aufstellung der Liste habe der Kreisvorstand angeregt, ein Team zu bilden, um die zentralen Themen zu besetzen. Die Parteimitglieder seien dem gefolgt. Als Spitzenkandidat tritt nun Stefan Jagel an. Der Gewerkschafter und ausgebildete Kranken- und Kinderpfleger war Initiator des Volksbegehrens "Pflegenotstand". Er setzte sich mit 63 Prozent der Stimmen gegen den bisherigen Stadtrat Cetin Oraner durch.

Auf Platz zwei der Liste steht die erfahrene Brigitte Wolf, die bereits seit 2002 Stadträtin ist. Auf dem dritten Platz folgt die stellvertretende Kreisvorsitzende Marina Dietweger, die sich in der Stadtpolitik unter anderem für bezahlbaren Wohnraum einsetzen will. Auf Listenplatz vier steht OB-Kandidat Lechner, der für den Kulturbetrieb "Feierwerk" tätig ist und in München unter anderem deshalb bekannt ist, weil er 2018 maßgeblich den "Ausgehetzt"-Protest mitorganisiert hat. Auf dem fünften Listenplatz tritt Rita Braaz an, die parteilos ist und früher Spitzenkandidatin der schwul-lesbischen Rosa Liste war. Es folgen der Miet- und Klimaaktivist Christian Schwarzenberger, Marina Mayer, die gegen Rassismus eintritt, sowie der Informatik-Student Rafael Pietsch als Vertreter des Jugendverbands. Der bisherige Stadtrat Cetin Oraner tritt nach seiner gescheiterten Kandidatur für den ersten Listenplatz nicht mehr an.

Die Stadtratsliste sei eine Mischung von Aktivisten aus Partei und Zivilgesellschaft, sagt die Linken-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke. Sie bilde zudem einen Generationswechsel ab, sagt Gürpinar. Der Kreisverband München sei klein, verzeichne aber zuletzt viel Zulauf. In den vergangenen beiden Jahren sei er von etwa 450 auf rund 660 Mitglieder angewachsen. Spitzenkandidat Jagel ist 35, Schwarzenberger 31, Mayer 38 und Pietsch gar erst 19 Jahre alt.

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SZ vom 23.09.2019/baso
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