Politik:Was die neue Münchner Grünen-Chefin bewegen will

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Politik: Mit 192 von 274 Stimmen als neue Führungskraft gewählt: Svenja Jarchow-Pongratz, 41.

Mit 192 von 274 Stimmen als neue Führungskraft gewählt: Svenja Jarchow-Pongratz, 41.

(Foto: Andreas Gregor/oh)

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima trat Svenja Jarchow-Pongratz den Grünen bei, nun rückt sie an die Spitze des größten Kreisverbands der Grünen in Deutschland.

Von Anna Hoben

Als Kind demonstrierte sie in ihrer Heimatstadt Hamburg mit einem Plakat gegen Atomkraft, damals war sie Mitglied eines Greenteams, einer Kindergruppe von Greenpeace. Mittlerweile lebt Svenja Jarchow-Pongratz länger in ihrer Wahlheimat München als sie in Hamburg gelebt hatte. In ihrer zweiten Wahlheimat, der Grünen-Partei, hat die 41-Jährige gerade den Vorsitz des größten Kreisverbands in Deutschland übernommen.

Mit 192 von 274 Stimmen setzte sie sich bei einem digitalen Stadtparteitag der Münchner Grünen am Mittwochabend deutlich gegen ihre einzige Konkurrentin Maria Wißmiller durch. Die bisherige Stadtvorsitzende Ursula Harper war aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder angetreten. Joel Keilhauer, 29, wurde als Co-Vorsitzender der Doppelspitze bestätigt. Er gewann mit 156 von 261 Stimmen gegen Martin Züchner. Weitere Kandidaten traten nicht an.

Mehr Grün und mehr günstige Wohnungen soll es geben

"Ich freue mich riesig", sagt Svenja Jarchow-Pongratz am Tag darauf. Sie wolle ihr Amt mit "viel Vernetzungsarbeit und Kommunikation" beginnen. Jarchow-Pongratz hat Biotechnologie studiert und in Betriebswirtschaftslehre promoviert. An der Technischen Universität München arbeitet sie als Wissenschaftlerin und Dozentin im Bereich Gründungsfinanzierung.

In ihrer Bewerbungsrede hob sie auf das starke Mitgliederwachstum bei den Münchner Grünen ab. Dieses sei eine "große Chance, unsere Themen noch weiter voranzubringen", sagte sie. 3800 Mitglieder zählt der Kreisverband mittlerweile, nach der Kommunalwahl im März 2020 waren es noch 3000 gewesen, vor fünf Jahren 1200. Als inhaltliche Schwerpunkte nennt Jarchow-Pongratz mehr Grün in der Stadt, die Umverteilung des öffentlichen Raums und den Kampf für bezahlbares Wohnen.

2011 ist sie bei den Grünen eingetreten, Auslöser war die Atomkatastrophe von Fukushima. Sie hatte schon länger politisch aktiv werden wollen. Als Jugendliche war sie Klassensprecherin, während des Studiums brachte sie sich in der studentischen Vertretung ein. Mit der Promotion und der Geburt des ersten ihrer drei Kinder habe das Engagement aufgehört, sagt sie. Aber es fehlte ihr. Sie begann im Arbeitskreis Ernährung, ging zu Sitzungen ihres Ortsverbands.

Wiederwahl mit nur 60 Prozent: Das wirft Fragen auf

2014 wurde sie in den Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt gewählt. 2020 wäre den Grünen dort fast eine Sensation gelungen: Mit 48,2 Prozent der Stimmen schrammten sie knapp an der absoluten Mehrheit vorbei. Svenja Jarchow-Pongratz kandidierte als BA-Vorsitzende und leitet das Gremium seitdem. Ein "riesiger Sprung" sei das für sie gewesen.

Jetzt also der nächste Sprung, an die Spitze der Münchner Grünen, zusammen mit Joel Keilhauer, der mit knapp 60 Prozent der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt wurde. Ob er sich ein eindeutigeres Ergebnis gewünscht hätte? "Wir sind eine Partei, in der alle mitmachen dürfen", sagt Keilhauer. Es habe eben einen starken Gegenkandidaten gegeben, "bei dem ich mich bedanke".

Er freue sich weiterzumachen, es gehe nun darum, die soeben abgeschlossene Strukturreform "mit Leben und Ideen" zu füllen. "Ausruhen ist nicht", hatte er beim digitalen Stadtparteitag gesagt. 2022 stehe zwar keine Wahl an, aber das Ziel für die Landtagswahl 2023 sei klar: erneut stärkste Kraft werden. Dafür gelte es, die "letzten Hochburgen der CSU" in den Außenbezirken zu erobern und als Partei vielfältiger zu werden.

Bereits am Samstag hatten die Grünen über ihren zweijährigen Strukturprozess abgestimmt, um ihre Organisation an die stetig wachsende Zahl der Mitglieder anzupassen. Am Mittwoch wurde auch der restliche Vorstand gewählt, eine Schatzmeisterin und drei stellvertretende Vorsitzende.

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