„Playlist“: Wie junge Menschen die Zukunft der Oper sehenEs muss nicht immer Mozart sein

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Anna Luster und Luca Lauris Leverenz in „Regenschirme“ von Yurii Riepin.
Anna Luster und Luca Lauris Leverenz in „Regenschirme“ von Yurii Riepin. Cordula Treml

Gegen jede Konvention: Die Librettowerkstatt „Playlist“ macht Lust auf das Musiktheater von morgen und übermorgen.

Kritik von Egbert Tholl

Während der normale Opernbetrieb zu weiten Teilen damit beschäftigt ist, das immer Gleiche in wiederkehrender Variation zu präsentieren – nach der jüngsten Statistik des Deutschen Bühnenvereins ist Mozart immer noch der meistgespielte Komponist –, hat eine kommende Generation offenbar anderes im Sinn. Die acht jungen Menschen jedenfalls, die bei Moritz Eggert und Jan Müller-Wieland an der Musikhochschule Komposition studieren und hier auf der Studiobühne der LMU erste Skizzen möglicher Meisterwerke präsentieren, scheren sich wenig um Konventionen. Sie komponieren hervorragenden Jazz, entwickeln Sounddesigns, können auch Oper, machen aus einem Text eine durchgeformte Sprechpartitur, erfinden die Idee eines Rap-Tableaus, kammermusikalische Petitessen und dann singt eine Geige.

Möglich macht das „Playlist“, eine multikooperative Initiative diverser Institutionen. Mit einem Schreibseminar der Theaterwissenschaft der LMU fängt es an, dann kommen die Kompositionsstudenten dazu, gemeinsam überlegt man, wer zu wem und welche musikalische Form zu welchem Text passt. Die szenische Umsetzung übernehmen dann Studierende der Theaterakademie (Regie), der Falckenbergschule (Schauspiel) und der Musikhochschule (Gesang), im Hintergrund ist auch noch die Staatsoper dabei. Jemand vergessen? Mit Sicherheit.

Die fünfte Ausgabe von „Playlist“ zeigt in etwa 100 pausenlosen Minuten acht völlig unterschiedliche Ideen einer Zukunft des Musik- und auch Sprechtheaters. Nicht jede dieser Ideen will man in abendfüllender Länge erleben, aber darum geht es auch gar nicht. Sondern um Vielfalt und Ideenreichtum. Wie etwa in der Musik von Miha Nahtigal, eine bislang ungehörte Mischung aus Actionkino, Weihnachtsbaum, Jazz und alter Oper. Und es geht um die Begegnungen mit jungen Menschen, die eine Verheißung sind, wie etwa Anna Luster, die im zweiten Jahr Schauspiel studiert und jetzt schon genau weiß, was Komik mit Präzision zu tun hat. Stella Curcic kam ihr Komponist abhanden, also moderiert sie nun, und „Üääähh“ gibt es ohne Musik – eine wenig zimperliche Totalentrüstung. Die kann auch Meret Mareike Behschnitt, doch leider richtet sie als ihre eigene Regisseurin ihren tollen Text über Datingabenteuer hyperaktiv zugrunde. Sei’s drum, hoffentlich machen die meisten weiter.

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