Über wen werden die Leute in 60 Jahren noch reden, wenn sie auf das München des Jahres 2025 zurückblicken? Die Gästeliste der Pinakothek der Moderne bei der PIN-Benefizauktion könnte dazu am Ende sachdienliche Hinweise geben. Interessant sind nicht nur die Künstler, deren Werke bei diesem alljährlichen Ritual für den höheren Zweck unter den Hammer kommen. Interessant ist auch, wer dabei im Saal sitzt und per freundlichem Handzeichen im Bieterwettstreit seine Portokasse leert.
Alle waren sie schon einmal da, manche kommen immer wieder: BMW-Erbin Susanne Klatten, Springer-Vorstand Mathias Döpfner, Maler Georg Baselitz, Sammler Udo Brandhorst, Immobilienunternehmer Günther Büschl, Corry Mueller-Vivil, liebenswerte Mutter des Süßigkeiten-Kringel-Imperiums sowie von Corinne Flick, Filmproduzentin Susanne Porsche, Geigerin Anne-Sophie Mutter, Schauspieler Udo Wachtveitl und FC-Bayern-Boandl-Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nebst Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann.
Manche von ihnen, und das macht den Blick in die Zukunft besonders interessant, waren sogar schon vor 60 Jahren mit dabei, wenn es galt, sich in München für die Kunstavantgarde einzusetzen. Allen voran Franz Herzog von Bayern. Unter dem Eindruck seiner Aufenthalte in New York hat er als junger Mann die Gründung eines Vereins vorangetrieben, der zunächst noch als „Galerie Verein“ firmierte. Später, als man begonnen hatte, in der Bevölkerung den Grundstock für den Bau einer dritten Pinakothek zu sammeln, wurde er in „PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e. V.“ umgetauft.

Zwölf Herren verzeichnet die Liste der Gründer, heute zählt der Verein mehr als 900 Mitglieder. Viele Millionen Euro, früher D-Mark, hat er gesammelt, zum Teil mithilfe spektakulärer Feste. Um die 1500 Kunstwerke konnten über all die Jahre angekauft werden dank dieses Einsatzes. Die Staatsgemäldesammlungen, die Graphische Sammlung, das Design-, das Architektur- und das Museum Brandhorst haben davon profitiert. Viele Kulturvermittlungsprogramme für Kinder etwa konnten überhaupt nur dank dieses Engagements stattfinden.
Auf welche Weise die Mäzene und Mäzeninnen animiert werden zu spenden, hat sich über die Jahrzehnte immer wieder gewandelt. In den Jahren vor der Pandemie war mehr Party: Es gab Austern und Champagner. Die Auktion selbst ging zeitweise fast unter im Gequassel jener, die ohnehin kein nennenswertes Budget mitgebracht hatten, und nur darauf warteten, danach mit 800 anderen Tänzern unter der Rotunde zu den Techno-Beats von Performern wie Slatec zu schwitzen.
Heute läuft die Sache wieder gesitteter ab. Darüber sind die PIN-Vorstandsvorsitzende Dorothee Wahl und ihre Stellvertreterin Katharina von Perfall (seit 1998 im Vorstand) nicht unglücklich. Lediglich 350 geladene Gäste nehmen nun an Dinner-Tischen Platz (so an diesem Samstag, 15. November). Wer sich seines Kontostands nicht sicher ist, der kommt erst gar nicht. Die Versteigerung leitet der Münchner Auktionator Robert Ketterer. Die einzelnen Lose haben Schätzpreise von 2100 bis 450 000 Euro.
Zum Höhepunkt der Jubiläumsauktion soll ein großformatiges Rasterbild von Sigmar Polke werden. Der Künstler ist in den Staatsgemäldesammlungen, dem Museum Brandhorst und in der Staatlichen Graphischen Sammlung seit Jahrzehnten mit Spitzenwerken vertreten. Auch andere Superstars der Szene und ihre Galeristen haben Werke eingeliefert, darunter Sean Scully, Markus Lüpertz, Gerhard Richter, Katharina Grosse und Isa Genzken. Von Andy Warhol ist ein Polaroid-Foto dabei, das er von seinem offenkundig verletzten Freund Robert Rauschenberg im Jahr 1981 aufgenommen hat.

Freilich fehlen auch Publikumslieblinge nicht, wie etwa Paola Pivi. Von ihr wird ein Federbär versteigert, wie sie in der erfolgreichen Ausstellung „Eccentric“ in der Pinakothek der Moderne zu sehen waren. Die entspannt liegende Skulptur mit dem Titel „I Am Jetlagged“ ist nur etwas kleiner als die Museumsexponate, aber ebenso pink. Der Schätzpreis fürs Schätzchen liegt bei 46 000 Euro.
Wenn alles gut geht, haben auch die Bieter am nächsten Tag einen kleinen Kater alias Jetlag. Und die PIN-Freunde verkünden wie in den vergangenen Jahren eine siebenstellige Gesamteinnahme. Nie öffentlich genannt werden diejenigen, die den Zuschlag erhalten haben. Außer sie wollen unbedingt selbst darüber Auskunft geben. In der Regel schweigen sie diskret. Genügt ja vollkommen, wenn man noch in 60 Jahren von ihnen spricht.
Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Textes stand, die Schätzpreise der Lose bewegten sich 2025 zwischen 3000 und 120000 Euro, und es gebe eine Möglichkeit Online bei einer „Silent Auction“ mitzubieten. Diese existierte in früheren Jahren, in diesem Jahr aber nicht.

