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EM 2020:Fußball-Diplomat im Auftrag der Stadt

Lahm wird Botschafter für UEFA Euro 2020

Gut gelaunt: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und Philipp Lahm (rechts) vor der Unterschrift des Botschaftervertrages.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Philipp Lahm ist Münchens Botschafter für die Europameisterschaft 2020. Eine naheliegende Kombination, denn am Erfolg der Veranstaltung hat er nun doppeltes Interesse.

Ex-Basketballer Dirk Nowitzki war es schon, Rosi Mittermaier und Christian Neureuther auch, ebenso wie Paralympics-Siegerin Verena Bentele, um nur einige zu nennen. Am Mittwoch hat sich Philipp Lahm dieser Liste prominenter Namen angeschlossen, die - für einen begrenzten Zeitraum - den Posten als Botschafter für München in Sachen Sport übernommen haben. Beurkundet per Vertragsunterzeichnung im Rathaus.

Lahm - Ex-Nationalspieler, Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, Weltmeister und, und, und - soll die Werbetrommel rühren für München als Gastgeber bei der Fußball-Europameisterschaft 2020. Das Turnier wird in insgesamt zwölf Ländern ausgetragen. Drei Spiele der Gruppenphase werden im Juni im Stadion in Fröttmaning stattfinden, es sind die einzigen der EM in Deutschland.

Über Lahm, der bei der FT Gern mit dem Fußballspielen angefangen hat, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter, er sei für viele ein "großes Vorbild" und könne "für München repräsentieren wie kein Zweiter". Eine Fähigkeit, die man auch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu schätzen weiß, der Lahm zum Geschäftsführer der neu gegründeten Euro GmbH gemacht hat. Die Firma soll für den DFB die Spiele bei der Euro 2020 sowie die in Deutschland stattfindende Europameisterschaft im Jahr 2024 organisieren. Auch dann wird München wieder zum Zug kommen, als eine von zehn Städten.

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Am Erfolg Münchens bei den Turnieren hat Lahm nun doppeltes Interesse: Als Verbandsfunktionär und als Repräsentant Münchens. Der 35-Jährige ist seit diesem Jahr der jüngste von 60 Ehrenbürgern der Stadt und in dieser Riege aus Geheimräten, Komponisten, Schriftstellern, Schauspielern und früheren Bürgermeistern der einzige Sportler. Der neue Posten dürfte für ihn also nicht weniger Ehre als Amt sein. Ganz PR-Profi und Diplomat sagte Lahm, er wolle zeigen, dass "München eine Weltstadt ist mit Herz, die offen ist und über den Fußball Menschen seit Jahrzehnten integriert hat". Sein Honorar möchte er spenden: "Es werden damit 20 Nachwuchstrainer ausgebildet." Um wie viel Geld genau es sich handelt, wollten weder Reiter noch Lahm offenlegen.

Sich für Sport-Großveranstaltungen prominente Unterstützung zu sichern, ist heutzutage eine (stadt-)marketingtechnische Selbstverständlichkeit: In den meisten Fällen handelt es sich um ehemalige Spitzensportler. Häufig geht es darum, bei Sportverbänden und Fans Eindruck zu machen. Etwa wenn Vergabeentscheidungen anstehen oder um den Ticketverkauf anzukurbeln. Eine Rechnung, die nicht immer aufgeht, denn natürlich sind auch andere Kriterien ausschlaggebend.

Bei Münchens Versuch, den Zuschlag für die olympischen Winterspiele 2018 zu bekommen, bemühte sich die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt redlich, gereicht hat es am Ende nicht. Wenn es aber gut läuft, übertreffen Kampagnen auch mal die Erwartungen. Anfang des Jahres fanden Vorrundenspiele der Handball-WM in der Olympiahalle statt. Fast alle Partien waren ausverkauft. Der Handballer Dominik Klein und ein Ex-Kollege Lahms vom FC Bayern, Javi Martínez, halfen als Event-Botschafter mit.

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