Gesundheitspolitik der SPD:Wie München die Pflege stärken will

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Gesundheitspolitik der SPD: Pflege-Auszubildende übernehmen zeitweise eine ganze Station: Unter anderem dieses Projekt will die Stadt unterstützen.

Pflege-Auszubildende übernehmen zeitweise eine ganze Station: Unter anderem dieses Projekt will die Stadt unterstützen.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die Ausbildung soll attraktiver, Schülerinnen und Schüler sollen besser betreut werden. Ein Gesundheitspaket der grün-roten Rathauskoalition sieht zudem mehr Vorsorge in den Stadtvierteln und für Kinder und Jugendliche vor.

Von Nicole Graner

Die Pflege stärken und die Ausbildung attraktiver gestalten, die Gesundheitsvorsorge in den Stadtvierteln fördern und Hilfsangebote wie eine zentrale Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche schaffen - auf diesen drei Säulen fußt das Maßnahmenpaket, das SPD und Grüne im Stadtrat geschnürt haben, um das kommunale Gesundheitswesen zu stärken. 1,5 Millionen Euro sollen dafür bereitgestellt werden.

An allen Ecken und Enden fehlen in München wie überall in Deutschland Pflegefachkräfte. Dringend müsse noch mehr dafür getan werden, um die "Pflege zu stärken", sagt die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD). Aber die Stadt, und daraus macht sie keinen Hehl, komme da "an ihre Grenzen". Denn Wohnraum für Pflegefachkräfte zu finden und zu schaffen - an der München Klinik in Schwabing entstehen gerade neue Wohnungen - sei nur ein Baustein wie genügend arbeitsnahe Kindergartenplätze auch.

Schwerpunktthema aber ist eine attraktive Ausbildung für Pflegeberufe, das hat auch der Lenkungskreis Pflege klar formuliert, den es seit Mai unter der Leitung von Verena Dietl gibt. So soll das Modellprojekt am Klinikum Harlaching, Auszubildende mit Hilfe eines "Context-Trainings" früh an die Realität heranzuführen, von 2023 an weiter unterstützt werden. In einem Simulationszentrum werden Situationen nachgestellt, damit die Auszubildenden ihre Fähigkeiten trainieren können. Kameras zeichnen alles auf, Fehler werden analysiert. Ebenso soll auch die "interdisziplinäre Schulstation" unterstützt werden, erklärt Dietl. Bei diesem 2018 im Klinikum Bogenhausen eingeführten Projekt übernehmen die Auszubildenden regelmäßig an verschiedenen Standorten und in verschiedenen Fachbereichen zum Beispiel eine Station.

Auch die Pflegeakquise an den Schulen sowie die Unterstützung ausländischer Pflegeschülerinnen und -schüler mithilfe eines Mentoring-Projekts sind auch im Maßnahmenpaket vorgesehen. "Wir müssen wirklich schauen", sagt Stadträtin Kathrin Abele (SPD), "dass die jungen Auszubildenden dabeibleiben und wertgeschätzt werden." Die Abbrecherquote an allen Münchner Pflegeschulen liege bei 16,3 Prozent. Das sei zu viel, so Abele.

Vier neue Gesundheitstreffs sind geplant

Bereits seit 40 Jahren gibt es den Gesundheitstreff im Hasenbergl. Ein Erfolgsprojekt. Denn das niederschwellige Angebot, das vor allem psychosozial und gesundheitlich belastete Kinder, Jugendliche, Familien und Alleinerziehende medizinisch mit ärztlichen Sprechstunden und Beratungen unterstützt, wird sehr gut angenommen. Diese Gesundheitstreffs werden nun ausgeweitet. 2023 soll es Angebote in Riem und Freiham geben. Moosach und Neuperlach kommen hinzu.

Die vor Kurzem vom Bundesgesundheitsministerium angedachten "Gesundheitskioske" werden in den neuen Standorten aufgehen, glaubt Dietl. 1000 Kioske sollen bundesweit entstehen. Wichtig ist Dietl, mit niederschwelligen Angeboten das Gesundheitssystem in München ein Stück weit zu entlasten, also dazu beizutragen, dass die Wartezimmer der Ärztinnen und Ärzte leerer werden. Gerade in den Stadtvierteln, in denen der Bedarf besonders hoch ist und Ärzte fehlen, wie zum Beispiel im Münchner Norden. Auch wird das Gesundheitsreferat ein Konzept für den Einsatz von "Community Health Nurses" erarbeiten. Hochspezialisiertes Pflegefachpersonal soll in den Gesundheitstreffs verstärkt Ansprechpartner sein.

Gerade wurde die Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Klinikum Schwabing mit mehr Betten und mehr Angeboten ausgebaut. Der Bedarf aber steigt laut Klinikleitung weiter. Deshalb müsse man auch weiter "dranbleiben", sagt Dietl. Die Folgen der Pandemie wie Depressionen, Essstörungen oder Traumata seien besonders bei Kindern und Jugendlichen "deutlich sichtbar" geworden. In einer zentralen Anlaufstelle mit niedrigschwelligen Hilfsangeboten für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern sehen SPD und Grüne eine weitere Möglichkeit, den dringenden Bedarf abzufedern. Ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie soll außerdem im Gesundheitsreferat beratend und koordinierend tätig sein.

Die Stadt will auch andere Projekte wie das Hospizhaus des Vereins Da Sein unterstützen. Mit 150 000 Euro solle sich die Stadt daran beteiligen, so der Antrag von SPD und Grünen. Auch werde laut Dietl das Projekt "Münchner Sternenkinder Netzwerk", das Eltern nach dem Tod ihres Kindes während der Schwangerschaft oder der Geburt betreut, in die Regelförderung übernommen. Noch in der letzten Stadtratssitzung des Jahres im Dezember soll das gesamte Maßnahmenpaket verabschiedet werden.

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