Süddeutsche Zeitung

Maßnahmenpaket:Wie München den Pflegenotstand bekämpfen will

Die Stadt schnürt ein umfangreiches Maßnahmenpaket, um dem Mangel an Fachkräften in der Pflege entgegenzuwirken. Die Kosten in den kommenden Jahren gehen in die Millionen - was genau geplant ist.

Von Nicole Graner

27 pflegebedürftige Personen pro 1000 Einwohner gab es in München 2017. Laut einer Auswertung der Vereinigung der Pflegenden in Bayern werden es 2027 schon 31 Pflegebedürftige sein. Und es fehlen, wie überall, Fachkräfte. Allein in München, so das Gesundheitsreferat, mehr als 2000. Deshalb hat die Stadt das Maßnahmenpaket "Pflege in München I" geschnürt, um die Situation in der Stadt zu verbessern. 7,5 Millionen Euro wird das die Stadt in den Jahren 2024 bis 2027 kosten. Am Freitag sind die Neuerungen öffentlich vorgestellt worden.

Im Januar 2022 hat der Stadtrat auf Wunsch der SPD, der Linken und der Grünen einen Lenkungskreis Pflege und eine Taskforce Pflege beschlossen. Das Paket ist das Resultat vieler Gespräche in den Fraktionen, aber vor allem mit Beteiligten im Pflegebereich wie Pflegefachkräften, Kliniken, Einrichtungen und Pflegeschulen. Und eine gemeinsame Zusammenarbeit von Gesundheits- und Sozialreferat sowie dem Referat für Bildung und Sport und dem Referat für Arbeit und Wirtschaft. Stefan Jagel, Linken-Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Lenkungskreises, sieht darin einen "ersten Meilenstein".

Wie können mehr Auszubildende für den Pflegeberuf begeistert werden? Wie können die Arbeitsbedingungen aussehen, damit der Beruf attraktiver wird? Wie können bürokratische Hürden abgebaut werden? Entscheidend sei es in den Gesprächen gewesen, so betont die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), die Faktoren zu sammeln, warum so viele den Pflegeberuf nicht mehr ergreifen oder ihre Ausbildung abbrechen. Fast 30 Prozent würden das im Moment tun, sagt Dietl. Man habe gezielt gefragt, was die Pflegefachkräfte wirklich brauchen würden, was unbedingt notwendig sei, um Lösungen für die Stadt zu finden.

So wird es ein trägerübergreifendes und kommunales Zentrum für Anpassungsmaßnahmen geben, das es von Juni 2024 an auf dem Gelände der München Klinik Schwabing geben wird. Hier sollen etwa die Berufserlaubnisse von Pflegekräften aus dem Ausland schneller überprüft und den Antragstellern schneller geholfen werden, alle Unterlagen zusammenzutragen. Zweieinhalb Jahre dauere es momentan im Schnitt, so informiert das Gesundheitsreferat, bis eine Berufserlaubnis erteilt werden könne. Das sei viel zu lang, sagt die stellvertretende Gesundheitsreferentin, Susanne Herrmann. Das Zentrum wird als Pilotprojekt für drei Jahre gefördert.

An den Pflegeschulen sollen außerdem verstärkt Schulsozialarbeiter eingesetzt werden, um die Wünsche der Auszubildenden besser umzusetzen, aber auch den beruflichen Werdegang individuell zu unterstützen. Das sei, sagt Sozialreferentin Dorothee Schiwy, eine "ganz wichtige Komponente", um den Nachwuchs zu fördern.

Eine kommunale Homepage bündelt Informationen

Auf einer kommunalen Homepage werden Träger und Unternehmen ebenfalls von Juni 2024 an Informationen und Ansprechpartner zu den Themen Wohnen, Mobilität, Kindergärten oder Sprachförderung für Pflegefachkräfte finden. Der Hintergedanke: eine schnellere Vernetzung. Helfen soll den Pflegefachkräften auch eine "Lotsen-App". Hier kann abgefragt werden, welche Voraussetzungen man für bestimmte Pflegebereiche braucht, was man tun muss, um sich zu bewerben und wo es gerade Arbeitsangebote gibt.

Das Paket sieht auch die Stärkung der psychosozialen Unterstützung für Pflegefachkräfte vor. Der Beruf sei mit so vielen Herausforderungen verbunden, sagt Dietl. Seelische Unterstützung sei dringend notwendig.

Den Pflegefachkräften gehe es, sagt Dietl, in erster Linie nicht um mehr Geld, sondern um Anerkennung, um Unterstützung und um das Arbeiten auf Augenhöhe. Ärzte und Pflegefachkräfte sollten in Zukunft gemeinsam das eine Ziel haben: sich um die Pflege des Menschen zu kümmern. Um diese Gemeinsamkeit zu fördern, sei das Maßnahmenpaket ein erster, wichtiger Schritt, sagt Verena Dietl.

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