Großkonzerte auf dem Königsplatz:Alles zum Open-Air-Wochenende mit Peter Maffay und Roland Kaiser

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20 Jahre lang schon entzückt Schlager-König Roland Kaiser bei der "Kaisermania" auf dem Dresdner Elbufer die Massen. (Foto: Matthias Rietschel/dpa)

Süffige Schlager gegen poetischen Rock: Was verbindet die beiden Dauerläufer der deutschen Musik? Gibt es noch Karten? Und wann wird der Königsplatz für den Verkehr gesperrt? Die Antworten im Überblick.

Von Michael Zirnstein

Beide über 70, beide waren Helden der ZDF-Hitparade, beide waren mit ihren jüngsten Alben auf Platz eins der Charts, beide tragen das Bundesverdienstkreuz und zählen zu den erfolgreichsten Dauerläufern und Dienstleister im deutschen Musikgeschäft – sicher gibt es Parallelen in den Karrieren von Peter Maffay und Roland Kaiser. Und doch sind ihre Open-Airs in München am 28. und 29. Juni, die einzigen Solo-Konzerte auf dem Königsplatz in diesem Jahr übrigens, natürlich kaum miteinander zu vergleichen. Jedes eine Klasse für sich.

Was feiern Peter Maffay und Roland Kaiser?

Für den gebürtigen Berliner steht schon fest: „2024 wird das Roland-Kaiser-Jahr“. 1974 brachte der einstige Telegramm-Bote seine erste Single „Was wohl aus ihr geworden ist?“ heraus. Somit kann er – der eine schwere Lungenerkrankung niedergekämpft hat – heuer „RK 50“ feiern: 50 Jahre, 50 Hits bringt er am Samstag, 29. Juni, auf die Bühne in München. Tatsächlich hat Kaiser, 72, zahllose Schlager auf Lager, von „Santa Maria“ über „Schach Matt“ und „Joana“ bis zum Duett mit Maite Kelly „Warum hast Du nicht Nein gesagt“. Darauf „Sieben Fässer Wein!“

Zusammen mit seiner Duettpartnerin Anastacia gab Peter Maffay im September das Startsignal für seine letzte große Tournee. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Peter Maffay, 75, hingegen feiert seinen Rückzug: Er will es noch ein letztes Mal auf der großen „Farewell Tour“ durch zehn deutsche Städte krachen lassen, bevor er sich mehr seiner jungen Familie widmet. Der Tutzinger hat am Freitag, 28. Juni, alte Weggefährten auf den Königsplatz eingeladen, wie den „Gitarren-Gott“ Frank Diez, den Keyboarder Jean-Jacques Kravetz (Autor von „Eiszeit“) und den Bassisten Steffi Stephan; seine neue Kumpeline, die US-Sängerin Anastacia, mit der er „Just You/So bist du“ im Duett eingesungen hat; und sein Sohn Yaris samt Band darf sich auch in einem Block mitten im Konzert beweisen. Der übrigens weiß, dass Maffay danach zwar nicht mehr touren, aber bestimmt weiter Musik machen will: „Beim Rasenmähen kann ich mir meinen Vater nicht vorstellen.“

Was unterscheidet die beiden?

Süffiger, sexy Schlager gegen poetischen, kraftstrotzenden Deutschrock. Kaisers Erfolgsrezept war jahrzehntelang, wie sein Texter Norbert Hammerschmidt einmal der SZ sagte: „Schlüpfrig sein, schmunzelnd, ironisch, erotisch.“ Im Prinzip ist es dabei geblieben, auch beim neuen Album „Perspektiven“, der ersten Nummer eins seit „Dich zu lieben“ vor 42 Jahren, geht es oft um „Kuscheln plus“, wie Kaiser es nennt. Der Gentleman im Anzug will „Raffinesse in den Kompositionen“ und „vernünftige Ausdrucksweise“ in den Texten. Etwa so: „Du, deine Freundin und ich können uns doch mal küssen, muss ja keiner wissen.“

Konzert auf dem Münchner Königsplatz
:Peter Maffays letzte Runde

Der Tutzinger Rockstar geht auf Abschiedstournee, hat aber auch nach dem 75. Geburtstag im kommenden Jahr noch gut zu tun.

Von Michael Zirnstein

Maffay hat seine Schlageranfänger („Du“) hinter sich gelassen. Immerhin blickt er in Konzerten bisweilen augenzwinkernd auf „Jugendsünden“ wie „Es war Sommer“ zurück und spielt sie zur Freude der Fans beizeiten. Aber längst hat er das Publikum umerzogen zum Deutschrock für Erwachsene. Zu den ausgereiften Nummer von seinem 20. Nummer-Eins-Album „So Weit“ wie „Jedes Ende wird ein Anfang sei“ oder „Wir“ kann er durchaus authentisch seine Biker-Lederjacke tragen, durchaus mit Gefühl.

Was verbindet Maffay und Kaiser?

Maffay und Kaiser teilen sich – nacheinander – eine Bühne. Tatsächlich haben sie schon einmal ein Album zusammen gemacht. 1989 schrieb Kaiser fünf Stücke wie das Titellied für Maffays Album „Kein Weg zu weit“ (auf dem auch „Tiefer“ war), allerdings unter dem Pseudonym Wolf Wedding. Maffay wollte das so, weil er Angst hatte, die Kritiker würden das Album sonst verreißen, berichtet Kaiser. Es wurde Maffay siebte Nummer Eins in Folge.

Was die beiden noch verbindet – außer dass sie jeweils auf exzellente, treue musikalische Mitstreiter wert legen –, ist ihr gesellschaftliches Engagement. Maffay setzt sich mit seiner Stiftung seit Jahren für Kinder in Not ein; auf seinem Gut Dietelkofen betreibt er nachhaltige Landwirtschaft, wie er in seinem Buch „Hier und jetzt: Mein Bild von einer besseren Zukunft“ schreibt. Und Kaiser bringt in seinen Schlagerpartys wie 2023 in der Olympiahalle immer auch Haltung unter, wenn er zum Umweltschutz aufruft („Wie wir morgen leben, hängt davon ab, wie wir heute handeln.“) oder singt: „Es brennt noch Licht am Horizont. Das Böse hat noch nicht gewonnen.“ Legendär und verdienstvoll war sein Schlagabtausch 2015 mit der Pegida, als er sich als einer der ersten deutschen Schlagerstars unter seinen zahlreichen Fans im Osten gegen Rechts positionierte.

Gibt es noch Karten?

Roland Kaiser machte in München schon den Circus Krone und die Olympiahalle voll, aber ein so großes Konzert wie auf dem bestuhlt etwa 15 000 Menschen fassenden Königsplatz hat er noch nie gegeben. Damit übertrifft er sogar die Kapazität von 12 000 Gästen seiner „Kaisermania“-Open-Airs, die seit 21 Jahren am Dresdner Elbufer steigen – dort allerdings inzwischen vier Abende lang (2024 am 26. und 27. Juli und am 2. und 3. August).

Im Vorverkauf gibt es keine Karten mehr für Roland Kaiser am Königsplatz, über das offizielle Zweitmarkt-Portal Eventim Fansale werden vereinzelt Plätze ab 80 Euro angeboten. Bei Peter Maffay ist selbst der Zweit- und Graumarkt wie leergefegt.

Wie lange ist der Königsplatz gesperrt?

Kein Durchkommen mehr: Während der Konzerte ist der Königsplatz für Verkehr und Fußgänger gesperrt, nur Ticketbesitzer dürfen aufs Gelände (wie hier beim "Oben ohne Open Air"). (Foto: Stephan Rumpf)

Wird der Königsplatz zum Veranstaltungsgelände, muss der Verkehr weichen. Das Kommunalreferat teilt mit, dass die Fahrbahn inzwischen gesperrt ist und erst am 2. Juli, 17 Uhr, wieder freigegeben wird. Ab Mittwoch, 26. Juni, bis 30. Juni, 5 Uhr, werden um den Königsplatz herum noch Abschnitte von Brienner Straße, Arcisstraße und Katharina-von-Bora-Straße gesperrt. Sowie an den Konzerttagen Teile der Luisenstraße und die Brienner Straße östlich der Richard-Wagner-Straße.

Fußgänger können den Platz auch während des Aufbaus queren. Der Zugang zu Antikensammlungen und Glyptothek ist während des Auf- und Abbaus jederzeit möglich, an den Veranstaltungstagen sind beide Museen geschlossen.

Peter Maffay, Fr., 28. Juni, 20 Uhr; Roland Kaiser, Sa., 29. Juni, 20 Uhr; jeweils München, Königsplatz

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