In Frankfurt am Main geboren, tourte Patrick Isermeyer bereits als Kind mit seinem Vater, dem Komponisten und Musiker Fitzroy Burrhoughs, durch Deutschland. Insofern erscheint es schlüssig, dass er nach der Beendigung seiner Schauspielausbildung bei seinem Erstengagement am Theater Heilbronn auch Musik für diverse Stücke schrieb und produzierte. Inzwischen lebt er in München, wo er seit 2024 festes Ensemblemitglied am Residenztheater ist. Auf dessen Experimentierbühne, dem Marstall, wird er diese Woche wieder in dem ungewöhnlichen Abend über Demenz „Was ich vergessen habe“ zu sehen sein. Nur einige Tage später, am 13. Februar, hat er ebendort Premiere mit dem Stück „Automatenbüfett“.
Montag: Joggingrunde im Olympiapark

Aktuell befinde ich mich in den Endproben am Residenztheater für das Stück „Automatenbüfett“ von Anna Gemeyner in der Regie von Elsa-Sophie Jach. Eine besonders zeitintensive und körperlich anspruchsvolle, aber auch sehr spannende Phase am Theater! Trotzdem – oder gerade deswegen – beginne ich die Woche am liebsten sportlich mit einer Joggingrunde im Olympiapark. Dieser schenkt mir unmittelbar ein Gefühl von Freizeit und Ruhe, egal wie eng getaktet der Alltag gerade ist. Außerdem baue ich nach Lust und Laune ein kleines Work-out im Calisthenics-Park ein und treffe dort auf spannende Menschen, die für einen bereichernden Plausch zu haben sind. Nach der Morgenprobe muss die Speisekammer aufgefüllt werden, um ein wenig für die Woche vorzukochen. Zuerst fahre ich zum Bollywood Store in der Maxvorstadt, um meinen Vorrat an Habaneros aufzustocken. Diese sind essenziell für die karibische Küche – genauso wie das „Europakraut“, das ich um die Ecke bei Van Hoi am Hohenzollernplatz kaufe.
Dienstag: Begegnung mit Tiefgang

Genau wie Sport und eine gesunde Ernährung gehören für mich Stimmtraining und Stimmpflege zum Alltag. Dabei arbeite ich sehr gerne mit Birgit Düthorn zusammen – einer wunderbar feinfühligen Sprech- und Gesangsdozentin, die im Westend ihre Logopädie-Praxis führt. Am Dienstag habe ich bei ihr eine weitere Stunde zur Stimmpflege gebucht. Seit Kurzem lässt mich vor Birgits Praxis ein Haus innehalten, in dem ich vor einem Jahr eine schöne, humorvolle Szene für den Film Damen unter der Regie von Katharina Bischof gedreht habe. Darin spiele ich ausgerechnet einen Schauspieler, der auf eine sehr charmante Maskenbildnerin trifft. Eine Begegnung, die zunächst unscheinbar wirkt, dann aber unerwartet Tiefe und Intensität gewinnt. Für mich war das ein wunderbarer Drehtag, an dem ich mit den Kollegen viel lachen und gleichzeitig kreativ improvisieren durfte. Der Film wird ab dem 11. Februar in der ARD-Mediathek verfügbar sein und am 18. Februar im Ersten ausgestrahlt.
Mittwoch: Basketball im Maßmannpark

Basketball ist neben dem Theaterspielen meine zweite große Leidenschaft. Kein anderer Sport versetzt mich so sehr in einen Flow. Ich kann mich vollkommen dem Moment hingeben und zusammen mit meinen Mitstreitern auf dem Feld eine Einheit bilden und – Achtung, Pathos – musizieren. Am liebsten fahre ich in den Maßmannpark, genieße dabei frischere Luft und urbane Musik. Sobald sich die Sonne am Himmel blicken lässt, trifft man dort auf Donald, ein Basketball-Urgestein und herzenswarmer Mensch, der immer eine riesige fahrbare Musikbox mitbringt und damit den ganzen Park beschallt – manche behaupten, es sei zu laut. Da es aber aktuell zu kalt und ungemütlich ist, werde ich sehr wahrscheinlich im Pineapple Park zu finden sein, wo es sich auf zwei großen, überdachten Basketballplätzen sehr gut aushalten lässt. Auch hier kann ich der Theaterwelt sehr gut entfliehen und meinen kreativen Speicher etwas aufladen. Gleichzeitig nutze ich die dort entstehenden Begegnungen, um Theater über seine üblichen Räume hinaus ins „Spiel“ zu bringen. Ich habe mir sagen lassen, die Kombination aus Theaterschauspieler und Basketball passe so gar nicht zusammen und sei deshalb sehenswert.
Donnerstag: Lieblingsort Favorit-Bar

Nach meiner Abendprobe werde ich zusammen mit ein paar Kollegen in die Favorit-Bar gehen. Einer meiner absoluten Lieblingsorte in München, der mich in vielerlei Hinsicht an meine Zeit am Schauspiel Leipzig erinnert. Abgesehen davon, dass die Bar jeden Tag geöffnet ist, habe ich mich vollkommen in ihr Interieur verliebt. Rohe Industrieästhetik mit urbaner Kunstfertigkeit: graue Betonwände, offen geführte Metallrohre und ein bewusst abgedunkelter Raum, der nicht zur Vereinzelung verführt, sondern überraschend offen und freundlich wirkt. Markante, orangefarbene Sitzelemente, die recht hart wirken, in denen man jedoch überraschend entspannt chillen kann, sind überall im Raum verteilt. Musikalisch bekommt man von verschiedenen DJs – meistens auch absolute Hingucker – ausgewählte, teils sehr spezielle Musik serviert, die sich nahtlos in die Atmosphäre der Bar einfügt. Die Favorit-Bar will und verlangt nichts von einem – man darf kommen, wie man ist.
Freitag: Süße Ausnahme

Wenn ich mir eine kleine, süße Ausnahme gönnen möchte, setze ich mich gerne ins Café Ignaz in der Maxvorstadt. Dort gibt es neben leckeren vegetarischen Gerichten auch veganen, glutenfreien – und, Achtung, jetzt wird’s wild – zuckerfreien Apfel- und Mohnkuchen. Klingt zunächst spaßbefreit, schmeckt aber hervorragend und lässt sich guten Gewissens genießen. Mein Vater Fitzroy Burroughs, der vor einigen Jahren verstorben ist, hatte einen sehr guten Freund und Wegbegleiter, mit dem ich mich hier treffen werde. Gemeinsam nehmen wir Korrekturen an der Webseite vor, die die Karriere meines Vaters als Komponist und Music Director der Jackson Singers dokumentiert. Ein Treffen, das mich in meine Zeit als Fünfjähriger zurückversetzt, als ich zwischen Profi-Musikern im Tourbus saß.
Samstag: Von Demenz erzählen

Meistens habe ich meinen Vorrat an karibischem Eintopf (Rezepte aus Trinidad und Tobago, um genau zu sein, der Heimat meines Vaters) bereits aufgebraucht. Um meinen Ernährungsplan nicht völlig über den Haufen zu werfen, habe ich mir ein kleines Netzwerk an Restaurants in München zusammengestellt, die zu mir passen und bei denen ich nachvollziehen kann, was auf den Teller kommt. Heute werde ich mich in die Münchner Suppenküche beim Viktualienmarkt setzen. Schnell, lecker, erschwinglich und um die Ecke vom Residenztheater. Dort werde ich später im Marstall in „Was ich vergessen habe“ spielen. Ein Stück, das sich mit Demenz beschäftigt. Losgelöst von einer klassisch-kognitiven-dramaturgischen Erzählweise versuchen wir, uns diesem sehr sensiblen und immer aktuelleren Thema auf einer emotionalen Ebene zu nähern. Ein ungewöhnlicher Abend, der dazu einlädt, Theater anders zu erleben, als man es erwartet.
Sonntag: Inspiriert von Juli Zeh

Aktuell lese ich von Juli Zeh „Über Menschen“. In dem Roman gibt es einen Moment, in dem die Protagonistin Dora auf dem Rad vom Bahnhof zu ihrem baufälligen Gehöft fährt, den Fahrtwind genießt, „dem Leben beim Stattfinden zuschaut“ und in der Stille der Landschaft zu Klarheit findet. Das hat mich inspiriert, meinen bereits verworfen geglaubten Plan, mit meinem klapprigen Leipziger Rennrad eine Fahrradtour zu unternehmen, in die Tat umzusetzen. Dazu werde ich mich mit meinem Fahrrad in die Regionalbahn 57 setzen und zum Tegernsee fahren. Dort angekommen, möchte ich – sofern das Wetter es zulässt – den Tegernsee umrunden. Auch wenn das Fahrradfahren im Winter vielleicht nicht die sicherste Idee ist und die Handlung im Buch im Frühling stattfindet, empfinde ich es – gut eingepackt und ausgestattet – dennoch als eine schöne Gelegenheit, die gelebte Woche Revue passieren zu lassen; und meine Sorgen über eine zunehmend düstere, matschig-braun werdende Zukunft durch ein paar Panorama-Augenblicke zu vertreiben. Laut Google-KI handelt es sich um eine einfache Tour von 20 bis 25 Kilometern. Und vielleicht bleibt auch noch Zeit, spontan in eines der Gasthäuser einzukehren.
In Frankfurt am Main geboren, schloss Patrick Isermeyer zunächst eine Ausbildung zum Hotelfachmann ab, bevor er von 2014 bis 2017 seine Schauspielausbildung in Mainz absolvierte. Währenddessen wirkte er in Fernsehfilmen wie „Kaltfront“ und in „Tatort“-Episoden mit. Es folgten Theaterengagements, unter anderem am Schauspiel Leipzig, in denen er sich sowohl im klassischen Repertoire als auch in zeitgenössischen Arbeiten profilierte und mit Regisseurinnen wie Claudia Bauer und Elsa-Sophie Jach zusammenarbeitete. Seit 2024 ist er Ensemblemitglied am Residenztheater und spielt dort unter anderem Mercutio in „Romeo und Julia“. Er wirkt regelmäßig in TV- und Rundfunkproduktionen mit und ist 2026 in neuen Film- und Serienprojekten zu sehen, beginnend mit der Komödie „Damen“ am 18. Februar im Ersten.

