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Abfallentsorgung in München:So will die Stadt das Müll-Chaos an Wertstoffinseln lösen

Maria-Eich-Straße / Wendehammer verdreckte Wertstoffinsel

Häufiges Bild an den Container-Inseln: Unrat sammelt sich wie hier am Ortsausgang von Pasing an der Maria-Eich-Straße.

(Foto: Sabine Rohs/oh)

Ab nächstem Jahr soll eine neue Vereinbarung Abhilfe schaffen: Die Container an den 920 Standplätzen in der Stadt werden dann öfter geleert, die meisten mindestens zweimal die Woche.

Von Jutta Czeguhn

Müll, Ungeziefer, Lärm: Wie bei beinahe jedem Münchner Stadtteilgremium vergeht für den Bezirksausschuss (BA) Pasing-Obermenzing kaum eine Sitzung, in der die Bürgerinnen und Bürger nicht in schriftlicher Form oder durch eindrucksvolle persönliche Präsenz im Saal ihre Beschwerden über die Situation an den Wertstoffcontainern loswerden wollen. Zwar sind sie damit nicht wirklich an der richtigen Adresse, aber der BA ist nun mal die erste und geduldigste Anlaufstelle in der städtischen Beschwerde-Hierarchie.

In der Juli-Sitzung hatte es in Pasing einmal wieder besonders viel Zoff gegeben, Anwohner protestieren gegen einen geplanten neuen Container-Standort. Das Gremium hörte sich das wie immer an und bündelte die ganze Malaise in einem interfraktionellen Dringlichkeitsantrag, in dem vor allem eines gefordert wurde: Transparenz, was die Verhandlungen der Stadt mit dem Dualen System Deutschland (DSD) angeht. Derzeit laufen Gespräche über die Fortführung der Wertstoffentsorgung von 2021 an, in denen die Pflöcke für die nächsten Jahre eingeschlagen werden sollen.

Die Stadtteilpolitiker haben mittlerweile Antwort von Werkleiterin Kristina Frank. Darin finden sich einige interessante Details. Die gegenwärtige Abstimmungsvereinbarung der Stadt mit dem Großentsorger (Grüner Punkt/Gelber Sack) endet zum 31. Dezember 2020, über eine neue wird seit Juli 2019 verhandelt. Laut Frank will München beim derzeitigen Depotcontainer-System bleiben, was die Erfassung von Glas und Leichtverpackungen wie Kunststoff und Metall angeht. Allerdings wünsche man sich einige Optimierungen und die Erfassung von Papier, Pappe, Kartonagen (PPK) in der Blauen Tonne.

Frank erwartet darüber hinaus konkrete positive Entwicklungen: "Gerade im Hinblick auf den Leerungsrhythmus der Wertstoffcontainer ist es dem AWM gelungen, eine häufigere Leerungsfrequenz einzufordern." Zwei Drittel sämtlicher Depotcontainer-Standplätze sollten künftig nach Bedarf, jedenfalls aber zwei- bis dreimal wöchentlich entleert werden, ein Drittel mindestens einmal wöchentlich. Diese Vorgabe soll von 2021 an in der Ausschreibung der Entsorgungsleistung durch die Dualen Systeme fest verankert werden. Entsorgungsunternehmen, die sich an der Ausschreibung beteiligen, müssten also einkalkulieren, dass in München kürzere Leerungsintervalle notwendig seien. Die derzeit 920 Standplätze in der Stadt, so räumt die Werksleiterin ein, würden nicht ausreichen, um den gesamten Anfall an Verpackungen aufzunehmen, wenn lediglich einmal wöchentlich geleert werde.

Gelbe Tonne

Eine Initiative für eine Wertstofftonne zusätzlich zu Hausmüll-, Papier- und Biotonne startet die Münchner FDP und bringt in neun Bezirksausschüssen (BA) einen entsprechenden Antrag ein. "München sammelt gerade mal fünf Kilo Kunststoffabfälle pro Einwohner und Jahr. In Bayern liegt der Schnitt über 20 Kilo, in Deutschland über 30 Kilo", erklärt Felix Meyer, Stadtvorsitzender der Jungen Liberalen und Mitglied im Neuhauser BA. Zur schlechten Bilanz dazu komme die ständige Verschmutzung bei den Wertstoffinseln.

In der vierten Tonne sollen sowohl Verpackungsmaterialien - wie beim Gelben Sack - als auch stoffgleiche Nicht-Verpackungen gesammelt werden können; daher biete sich der Name "Gelbe Tonne plus" an. Getestet werden soll die Wertstofftonne, die es in vielen anderen Städten bereits gibt, in Neuhausen-Nymphenburg, schlägt Meyer vor. son

Auch das Thema Füllstandskontrollen an Glascontainern ist Thema der Vertragsverhandlungen. Wie Frank mitteilt, würden die beiden aktuell beauftragten Entsorgungsfirmen die technologische Entwicklung in diesem Bereich aufmerksam beobachten und Füllstandskontrollen nicht generell ausschließen, auch wenn sie an sich die Meinung vertreten würden, dass die Glascontainer in der Regel voll seien und somit Füllstandskontrollen wenig Sinn machten. Stichwort: zusätzliche Kosten. Immerhin lässt Frank die Bezirksausschussmitglieder wissen, teste der AWM derzeit gemeinsam mit den Stadtwerken an 30 Altkleiderbehältern den Einsatz eines Füllstandsmesssystems. "Sollte der Versuch positive Ergebnisse hervorbringen, ist beabsichtigt, 750 kommunale Altkleiderbehälter mit entsprechenden Sensoren auszustatten", erklärt Frank.

Auch beschädigte Container sind ein Thema, das im BA immer wieder aufschlägt. Hier kann Frank nur die Behauptung der Entsorgungsfirmen wiedergeben: Sobald Meldungen über beschädigte Container vorlägen, würden diese "umgehend ausgetauscht". Die Einführung von "wertigeren Containern" könne weder von den Dualen Systemen noch von den Entsorgern verlangt werden. Problem: Von der Stadtgestaltungskommission ist der Systemtyp, der sogenannte C.F. Maier-Recyclingcontainer, vorgegeben. Angeblich, weil der sich am besten ins Stadtbild integriert. Der BA hatte die Einführung eines Sieben-Tage-Service-Telefons angeregt. Frank verweist darauf, dass es heute bereits für Bürgerbeschwerden eine 24-Stunden-Hotline der Entsorgungsfirmen gebe. Sobald Hinweise eingingen, würden Fachfirmen "umgehend" mit der Reinigung beauftragt. Häufigeres Reinigen als turnusmäßig einmal im Jahr kann laut Frank seitens des AWM nicht vorgeschrieben werden; sie sei aber in Ausnahmefällen "kulanterweise" bei besonders stark verschmutzten Behältern möglich.

Wichtig ist den BA-Mitgliedern zudem, dass an den Containern ein zentraler Ansprechpartner für alle Fragen zum Zustand an den Wertstoffinseln angezeigt wird. Laut Frank ist das schon jetzt der Fall. Verbesserungen der Situation erwartet sich das Gremium von der Etablierung ehrenamtlicher Wertstoffinsel-Patinnen und -Paten. Kristina Frank teilt auch hier die Skepsis der Entsorger mit: "Erfahrungen aus anderen Städten haben gezeigt, dass es generell schwierig ist, interessierte Bürgerinnen und Bürger zu finden, die sich dauerhaft bereit erklären, eine Wertstoffinsel zu betreuen." Eine andere BA-Idee, nämlich die Nutzung von Parkplätzen größerer Einkaufsmärkte als Standorte für Wertstoffcontainer, will der AWM künftig zwar unterstützen; allerdings, so Frank, komme von den Entsorgungsfirmen die Rückmeldung, dass die Bereitschaft der Einkaufsmärkte nicht besonders groß sei. "Auch Nachfragen des AWM bei den Einkaufsmärkten waren in der Vergangenheit erfolglos", berichtet sie.

Ein Angebot der Werksleiterin werden die Stadtteilgremien wohl gerne in Anspruch nehmen: Frank will Vertreter des AWM in Bezirksausschusssitzungen entsenden. In Pasing-Obermenzing jedenfalls können diese sich schon mal auf einen lebhaften Abend einstellen.

© SZ vom 09.09.2020/lot

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