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Pasing:Drei Etagen nur für Freestyle-Sportler

Das neue Actionsportzentrum in Pasing.

Der Entwurf für das neue Actionsportzentrum in Pasing - hier die Ansicht von Osten aus - kommt ziemlich futuristisch daher. (Simulation: Behnisch Architekten)

  • Freestyle-Sportler wie Skateboarder, BMX-Fahrer oder Parkour-Läufer erhalten eine eigene Sporthalle in München.
  • Am Mittwoch verabschiedete der Stadtrat den Bau des Zentrums mit großer Mehrheit. Dafür wird in Pasing die alte Eggenhalle umgebaut und im Anschluss daran ein modernes Gebäude errichtet.
  • Der Bau soll 50 Millionen Euro kosten und im Jahr 2024 eröffnet werden. Die Räume sollen zudem auch für Ausstellungen oder Filmvorführungen genutzt werden.

Freestyle-Sportler wie Skateboarder, BMX-Fahrer oder Parkour-Läufer erhalten eine eigene Sporthalle in München. Seit etwa zehn Jahren hat die Politik ihnen das versprochen, dafür fällt die Anlage nun sehr großzügig aus. Der Stadtrat verabschiedete den Bau des Zentrums am Mittwoch mit großer Mehrheit. Sportreferentin Beatrix Zurek präzisierte in der Sitzung nochmals die Kosten, sie werden nun mit 42 Millionen Euro angesetzt. Dafür wird in Pasing die alte Eggenhalle umgebaut und im Anschluss daran ein modernes Gebäude errichtet, in dem sich Trendsportler auf drei Etagen austoben können. Allerdings werden sie bis dahin noch einmal Geduld benötigen: Die Eröffnung ist erst im Jahr 2024 geplant.

"Wir können den Sportlern endlich eine Heimat geben", sagte SPD-Fraktionschefin Verena Dietl. Insbesondere im Winter konnten Skateboarder oder BMX-Fahrer ihren Hobbys oft nur bei Dunkelheit, Kälte und Nässe nachgehen. Oder eben gar nicht. "Ein sehr erfreulicher Tag" sei es deshalb für die Stadt und die Szene, sagte Dietl. Nach ihr freuten sich auch gleich noch die Grünen, die FDP und die CSU. Nur die Bayernpartei beschwerte sich: So viele Millionen für solche Sportarten seien der "Wahnsinn", sagte Stadtrat Mario Schmidbauer. Am Anfang sei es "um ein Dach über dem Kopf" gegangen, das habe man noch verstanden. Jetzt entstehe aber ein "Superbau" für 50 Millionen Euro. Eine so hohe Investition sei "gefährlich", weil man ja nie wisse, ob Trends auch anhielten.

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Der Komplex an der Erna-Eckstein-Straße wird Sportflächen auf mehr als 3000 Quadratmetern bieten. Von der denkmalgeschützten Industriehalle soll über einen Verbindungsbau bis ins neue Gebäude hinein ein Street Parkour entstehen, dazu kommen Rampen, Sprunghindernissen und viele Anreize mehr für die Freestyler. Parkour-Sportler können auf zwei Ebenen ihre Tricks zeigen. Im ersten Stock soll eine Gastronomie mit einer Dachterrasse auf dem Flachdach des Verbindungsbaus die Attraktivität des Zentrums erhöhen. Der nach ersten Skizzen sehr ambitionierte Neubau soll klimaneutral betrieben werden können.

Die Actionsport-Halle soll eine Attraktion für Trendsportler werden wie es kaum eine gibt in Deutschland. Das Konzept wurde komplett neu erstellt, zusammen mit einer Agentur und Freestylern. SPD-Stadträtin Dietl würdigte ausdrücklich, dass die Sportler gut einbezogen wurden. "Sie bekommen, was sie wollten." Die Stadt schreibt in einer offiziellen Mitteilung von einem "Pionierprojekt", das große Beachtung finden werde.

Potenzial für die Nutzung sieht Sportreferentin Zurek genügend. Etwa 6000 aktive Skateboarder gebe es nach Informationen ihres Hauses in München, dazu seien etwa 2000 aktive BMX-Fahrer bekannt. Die Sportart Parkour verzeichne 600 Vereinsmitglieder und nochmals eine freie Szene von etwa 1500 Sportlern. Beim Dirt-Mountainbike rechnet die Stadt mit etwa 500 Aktiven. Diese Zahlen würden immer weiter steigen, sagte Zurek. Das rechtfertige eine solche Investition, die zu vergleichen sei mit etwa zweieinhalb Dreifachturnhallen für den klassischen Schul- oder Vereinssport. Die Anlage soll zum einen für eine actionreiche Freizeit genutzt werden, doch geht die Stadt davon aus, dass dort auch Wettbewerbe in den einzelnen Sportarten stattfinden werden.

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Das Zentrum soll aber nicht nur stadtweit Freestyler ansprechen, sondern auch für das Viertel eine Attraktion werden. In dem Gebiet in Pasing werde in den kommenden Jahren die Wohnbebauung extrem nachverdichtet, sagte CSU-Stadträtin Ulrike Grimm. "Wir schaffen damit auch ein Sportangebot für die Anwohner." Daneben soll noch eine weitere Gruppe profitieren: die Schüler. Ihr Sportunterricht soll zum Beispiel mit Workshops und Angeboten im Actionsportzentrum erweitert werden. Auch für Ferienprogramme und Kurse für Kinder bis zum Alter von zehn Jahren soll die Halle zur Verfügung stehen. Sie bleibt deshalb im Besitz der Stadt, die aber einen gemeinnützigen Betreiber suchen wird. Um die Preise sozial zu gestalten, wird die Stadt die ersten fünf Jahre insgesamt 4,5 Millionen Euro für den Betrieb der Halle zuschießen.

Der muss sich darauf einstellen, dass er neben Sport und Küche noch ein drittes Standbein beackern muss. Die Action soll sich nicht nur auf den Sport beschränken, sondern auch die Kultur mit abdecken. Die Stadt kann sich vorstellen, dass Konzerte abgehalten werden, aber auch für Fotografie oder Filmvorführungen sollen die Räume genutzt werden. Direkt neben der Halle wird zudem eine Freizeitstätte für Kinder und Jugendliche entstehen.

Bis alle Bauten abgeschlossen sind, wird es aber noch einige Jahre dauern. "Wir bemängeln das", sagte SPD-Fraktionschefin Dietl. Sie schlug deshalb vor, eine Interimsunterkunft für die Freestyler suchen. Dafür zeigten auch die FDP und die Grünen Sympathien, doch viel Optimismus kam dabei im Stadtrat nicht auf. Wie schwierig es ist, für eine solche Anlage ein passendes Grundstück zu finden, zeigte sich in der langen Historie des nun beschlossenen Actionsportzentrums. "Wir hoffen aber, dass sich noch etwas tut", sagte Dietl.