Pasing:"Viele haben sich mit Abfindungen aus dem Vertrag auslösen lassen"

Die Wohnblocks  an der Pasinger Nimmerfallstraße

Bald nicht mehr da: Die alten Gebäude werden abgerissen, und eine moderne Wohnanlage soll an der Nimmerfallstraße entstehen. 2022 könnte Baubeginn sein.

(Foto: Privat)

Nach den politischen Verwerfungen im Stadtrat, als die Dawonia die Wohnanlage an der Nimmerfallstraße teuer an die Kommune verkaufen wollte, beginnt nun bald der Neubau von 76 Wohnungen.

Von Jutta Czeguhn

Im Innenhof der Nimmerfallstraße 60-64 parken noch etliche Fahrräder an der Hauswand. Doch sucht man in den Fenstern des Wohnblocks aus den Fünfzigerjahren nach Hinweisen auf seine Bewohner, haben viele der Glasscheiben schon dieses seltsame undurchdringliche Dunkel, das einem sagen will: Hier wohnt niemand mehr. Die Gardinen sind weg, nur bei manchen hat offenbar jemand beim Auszug die windschiefen Jalousien herunter gelassen. Allerdings hängen noch auffällig viele Satelliten-Schüsseln an der Fassade der vierstöckigen Häuser zwischen Nimmerfall- und Mendelssohnstraße.

Was also ist dort geschehen, seit vor etwa sieben Jahren die Abriss- und Neubaupläne des Immobilienkonzerns GBW bekannt wurden? Etwas muss in Bewegung gekommen sein, denn Wohneigentümer in der Nachbarschaft haben inzwischen sehr konkrete Pläne für ein Projekt ausgehändigt bekommen von der "Dawonia", wie die GBW-Gruppe seit 2019 nun heißt.

Und auch im Internet ist es schon zu finden: Entstehen soll an der Nimmerfallstraße eine Wohnanlage mit 76 Ein- bis Vier-Zimmer-Apartments auf einer Gesamtwohnfläche von 5950 Quadratmetern, zudem eine Tiefgarage mit 78 Kfz-Stellplätzen. Als Baubeginn, heißt es zum Projektablauf, werde das erste Quartal 2022 angepeilt, die Fertigstellung ist für 2024 geplant.

Für die Dawonia/GBW war das Projekt kein glatter Durchmarsch. 2017 etwa kam es in Bezug auf den alten Wohnblock sogar zu politischen Verwerfungen im Stadtrat: 2017 wollte das Unternehmen die Anlage verkaufen, bot die 75 Bestandswohnungen der Stadt an - für 25 Millionen Euro. Zu teuer für die Kommune, die nur 18 Millionen zahlen wollte. Die GBW ging noch mal runter mit dem Preis, 22 Millionen, dann aber noch in diesem Jahr zu zahlen. Der Konzern lockte mit der Verpflichtung, man werde die Bestandsmieter innerhalb von zwei Jahren zum Auszug bewegen und dabei sozial verträglich vorgehen. Dafür hätte die Stadt dann noch einmal drei Millionen bezahlen sollen.

Der Deal kam nicht zustande, allerdings war die Entrüstung bis hinauf zu OB Dieter Reiter (SPD) groß, dass ein solch "dreistes" Angebot überhaupt auf einem kommunalen Tisch gelandet war. Der Pasinger Wohnblock blieb also im Eigentum der GBW, und es blieb auch bei den Plänen, die stark sanierungsbedürftigen Wohnungen abreißen und durch neue zu ersetzen. Für die Bewohner keine guten Aussichten, die fürchteten um ihre in der Regel im München-Vergleich noch günstigen Mieten.

Die politischen Wellen, die das Projekt Nimmerfallstraße geschlagen hatte, führten 2018 dazu, dass sich der Bezirksausschuss in die Sache unterstützend einbrachte und der Mietergemeinschaft im Wohnblock seine Hilfe zusagte. Es kam zu einer Mieterversammlung im Rathaus, Vertreter der Münchner Mietervereine und Willy Schneider, Mitglied des Bezirksausschusses und im Münchner Mieterbeirat, begleiteten die Bewohner nun bei den anstehenden Verhandlungen mit der Dawonia, vormals GBW.

Befragt man Willy Schneider, den scheidenden Mieterbeirat, heute zur Situation an der Nimmerfallstraße, ergibt sich folgendes Bild: "Es sind nur noch wenige Mieter in den Altbauten, viele haben sich mit Abfindungen aus dem Vertrag auslösen lassen." Je länger, das wisse er aus sicherer Quelle, einzelne gepokert hätten, desto höher sei die Abfindung ausgefallen. Die angebotene Miete der Ersatzwohnungen, sei ihm gesagt worden, sei doppelt so teuer wie die Altmiete. Abfindungssummen seien ihm nicht genannt worden, dazu hätten sich die Ex-Mieter vertraglich verpflichtet. Die Mietergemeinschaft im Nimmerfall-Wohnblock habe sich inzwischen aufgelöst. Der damalige Vorsitzende habe Schneider versichert, dass man rückblickend dankbar sei für die Unterstützung der Mietergemeinschaft durch die Politik und die Mietervereine. Die Solidarität unter den Mietern habe Verhandlungen mit der Dawonia erst möglich gemacht.

Seitens der Dawonia betont man ein korrektes Vorgehen über die Jahre. "Uns ist der Dialog mit den betroffenen Mietern besonders wichtig. Um Bedürfnisse unserer Mieter berücksichtigen zu können, führen wir seit längerer Zeit Einzelgespräche", sagt Sprecherin Maren Holtermann. Man gehe auf die wirtschaftliche und persönliche Situation der Mieter ein und könne in der Regel eine Verbesserung der Wohnsituation herbeiführen.

So sei man bei der Wohnungssuche behilflich, biete Alternativen aus dem Dawonia-Bestand an, beispielsweise Neubauwohnungen in der Nähe zur Nimmerfallstraße, die einkommensabhängig gefördert seien. "Außerdem sind wir, falls erforderlich und gewünscht, Mietern behilflich, ihre behördlichen Fragen zu regeln. Dies ist nicht selten bei Mieterinnen und Mietern mit Migrationshintergrund hilfreich", sagt Holtermann. Durch Abriss und Neubau entstünden rund 2700 Quadratmeter mehr Wohnfläche und damit dringend benötigter Wohnraum.

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