Pasing bekommt ein neues Kulturbürgerhaus. In den kommenden zweieinhalb Jahren entsteht an städtebaulich prominenter Stelle direkt an der Offenbachstraße in Sichtachse der Pasinger Promenade und des Bahnhofsplatzes das „Kulturhaus 21“. Markant soll der Bau werden, ein Hingucker. Offiziell los geht es am Mittwoch, 15. Juli, um 17 Uhr an der Josef-Felder-Straße 51 – als öffentliche Veranstaltung.
Spatenstiche für Neubauten sind üblicherweise eine elitäre Veranstaltung. Kommen darf nur, wer explizit zu dem Event eingeladen ist. Die Tatsache, dass diese Regel in Pasing aufgehoben wird – „deutschlandweit erstmals“, wie Pasings Viertelchef Frieder Vogelsgesang (CSU), selbst Architekt und damit Kenner der Branche, versichert – zeigt die Bedeutung des geplanten Bauwerks für die Bevölkerung. Zugleich wollen die Lokalpolitiker mit diesem Schachzug „den Druck aufrechterhalten, damit das jetzt auch wirklich vorwärts geht“.
Das Projekt ist wichtig für das urbane Pasing. Seit 2016 der historische Baukörper, der zuvor als Herberge für die Kultureinrichtung diskutiert worden war, aus Kostengründen abgerissen wurde, klafft an dieser exponierten Ecke im Stadtbild eine unschöne Lücke. Der Neubau soll dieses Loch schließen.
Dringend gebraucht wird die neue Anlaufstelle aber vor allem, weil sich der Bedarf an Räumlichkeiten mit der Kulturinstitution „Pasinger Fabrik“ allein nicht mehr decken lässt.
Nach dem Wegfall des Hotels zur Post und dem Abriss des ehemaligen Kopfbaus der historischen Bahnanlagen haben etwa Vereine kaum noch Möglichkeiten, sich zu treffen. Außerdem soll der Neubau irgendwann als Ausweichquartier für die Pasinger Fabrik dienen. Denn das Kulturzentrum an der Nordseite des Pasinger Bahnhofs muss, wenn wieder genügend Geld im städtischen Haushaltssäckel ist, generalsaniert werden.
Das Projekt wird deutlich teurer als zunächst geplant
Jetzt aber werden erst einmal 18 Millionen Euro für das neue Projekt fällig. Vor fünf Jahren hatte man noch mit rund 11,6 Millionen Euro gerechnet. Doch dann „kam es unter anderem aufgrund der allgemeinen Baupreisentwicklung und der Auswirkungen des Ukraine-Kriegs zu deutlichen Preissteigerungen im Bausektor“, erklärt die Sprecherin des Kommunalreferats, Susanne Flügel. Auch Weiterentwicklungen der Planung, etwa im Bereich klimarelevanter Anforderungen, hätten die Kosten nach oben getrieben.
Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne), die auch den Kommunalausschuss des Stadtrats leitet, äußert „Verständnis dafür, dass ein Projekt wie der Bau des neuen Pasinger Kulturbürgerhauses in diesen Zeiten hinterfragt wird“. Doch dieses Bürgerhaus sei „wichtig für die kulturelle Infrastruktur der Stadt“. Der besondere Fokus liege auf der vielfältigen Nutzbarkeit für kulturelle wie soziale Belange.
Das Haus, ergänzt die Sprecherin des Kulturreferats, Christina Maria Berr, öffne seine Türen „über alle Generationen, Geschlechter und Herkünfte hinweg“ und erfülle damit „eine multiple Funktion, die auch über die Kultur hinausgeht“.
Das neue Kulturhaus 21, entworfen vom Münchner Büro Meck Architekten, ist massiv und doch elegant konzipiert, mit einer nach Süden ansteigenden Dachform und einer Ziegelfassade, die an die Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts und damit an die Klinkeroptik des Pasinger Bahnhofs erinnert. Der skulpturale Baukörper bietet unter anderem Platz für einen Veranstaltungssaal, zwei Gruppenräume und zwei Musikübungsräume mit Nebenräumen. Der Saal im Erdgeschoss kann mit dem Foyer verbunden und nach außen zur Promenade erweitert werden. Die Ausstattung des Hauses sei räumlich wie technisch „hervorragend“, lobt Berr.
Um dem Thema Nachhaltigkeit gerecht zu werden, sollen für die Fassade recycelte Ziegel aus Produktionsüberschüssen und Ausschussmaterial zum Einsatz kommen. Auch die Stahlbeton-Konstruktion besteht aus wiederverwerteten Materialien, haptisch erfahrbar an der rauen Oberfläche im Foyerbereich. Dachtragwerk, Wandverkleidungen und Bodenbeläge sind aus Holz geplant, ein Vorteil auch für die Akustik. Außerdem soll das Dach begrünt und nach dem Schwammstadt-Prinzip als temporärer Wasserspeicher zur Verbesserung des Mikroklimas realisiert werden.
Bespielen wird das voraussichtlich Ende 2028 fertiggestellte Kulturhaus 21 das Team der Pasinger Fabrik, laut Kulturreferat mit Hilfe von lokalen Akteuren – von Kulturschaffenden, Vereinen und Engagierten mit einem diversen, inklusiven und kultursensiblen Programm. Die Pläne des Projekts sind nach dem Spatenstich in den Pasing Arcaden ausgestellt.

