Hunsinger in der Goldenen Gans:Schwelgen mit Fisch und Fleisch

Lesezeit: 3 min

Restaurant Goldene Gans, Pasing, 2021

Auch optisch überzeugend: Tagliatelle nero mit Vongole und Gambas in weißer Trüffelsauce.

(Foto: Robert Haas)

Eine Achtzigerjahre-Legende aus der Innenstadt lebt in Pasing wieder auf - "Hunsinger in der Goldenen Gans" zeigt, wo Geschmack zu Hause ist.

Von Gertrude Fein

Laut Wörterbuch ist eine Legende entweder die Lebensgeschichte von Heiligen - passt hier gar nicht. Oder eine Geschichte, die erzählt wird und an der nur wenig stimmt - kommt auch nicht so recht infrage. Oder aber, und da kommen wir der Sache schon näher, eine Person, die Außergewöhnliches erreicht oder geleistet hat und dafür sehr bekannt ist. Auch wenn es übertrieben erscheint, einen lebenden Koch eine Legende zu nennen: Bei Werner Hunsinger kann diese Bezeichnung durchgehen. In den Achtzigerjahren galt sein Lokal im Glockenbachviertel, schlicht und selbstbewusst Hunsinger genannt, als bestes Fischrestaurant Münchens. Danach zog er weiter in die ehemalige Aubergine, die zu Hunsinger's Pacific wurde. Das nächste Restaurant, diesmal in der Neuen Pinakothek, hieß wieder Hunsinger.

Seit 2020 ist er, zusammen mit Sohn Marc, Wirt der Goldenen Gans in Pasing. Der Zeitpunkt des Starts in der Planegger Straße hätte gar nicht unglücklicher gewählt sein können. Ausgerechnet zu Beginn des Lockdowns war er geplant. Aber die Hunsingers ließen sich nicht unterkriegen. Schon bald verbreitete sich im Münchner Westen die Nachricht, dass man bei der Goldenen Gans zwar hochpreisige, aber den Preis werte Gerichte ordern konnte, zum Abholen oder pünktlich und zuverlässig ins Haus geliefert.

Seit die Gastronomie - zumindest bis jetzt - von einigen der Fesseln befreit wurde, kam Leben in die Goldene Gans. Es war ja nicht nur wegen Corona ein heikles Unternehmen, in diesem alten Gasthof ein in jeder Hinsicht gehobenes Restaurant zu etablieren. Lange war der ehemalige, etwa 300 Jahre alte Bauernhof Süßergut ein ganz normales bayerisches Wirtshaus. So etwa in den Siebzigerjahren wechselte das Anwesen den Inhaber, und der hatte damit Höheres im Sinn. Der schlichte Name Lochhamer Hof tat es nicht mehr; Goldene Gans klang doch entschieden bedeutsamer. Das Haus wurde außen und innen aufs Trefflichste renoviert. In den Stuben wurde an nichts gespart. Leider gab es dann viel Wechsel bei den Pächtern aus den unterschiedlichsten Gründen. Vor der Wiedereröffnung wurde alles wieder auf Hochglanz gebracht. Die wunderschöne Täfelung mit Gans-Intarsien, die die Räume so gemütlich macht, ist zum Glück geblieben.

Restaurant Goldene Gans, Pasing, 2021

Hochglanz und Gemütlichkeit: Bei der Inneneinrichtung wurde an nichts gespart.

(Foto: Robert Haas)

Die Hunsingers haben den Anspruch, nur beste Qualität auf den Tisch zu bringen, und die hat natürlich ihren Preis. Aber genau diese Qualität ist es, die die Gäste anzieht. Nur mittags ist es noch möglich, ohne Reservierung einen Platz zu bekommen. Am Abend kommen Gäste, die sich die Zeit nehmen für ein ausgedehntes Mahl, umsorgt vom perfekten Service.

Gepriesen von den Stammgästen ist Hunsingers Fischsuppe mit Croutôn d'Aioli, und das zu Recht (9,00 Euro). Aber auch die Hokaido-Kürbiscremesuppe oder die fein scharfe vietnamesische Geflügelbrühe bildeten einen guten Auftakt (je 8,50). Dass Hunsinger Fisch nach wie vor besonders sorgfältig behandelt, zeigte das dicke, feste Filet vom Kabeljau auf roter Feigensauce mit köstlichem Gemüse und Petersilienkartoffeln (29,00). Auch die große Portion offensichtlich hausgemachter Tagliatelle nero mit Vongole und knackigen Gambas in weißer Trüffelsauce mit grünen Algen waren ausgezeichnet (24,50).

Restaurant Goldene Gans, Pasing, 2021

Die Chefs der Goldenen Gans: Werner Hunsinger und sein Sohn Marc.

(Foto: Robert Haas)

Fleisch hat in der Goldenen Gans aber den Fisch eingeholt. Wie es sich bei diesem Wappentier gehört, gibt es hin und wieder große Gansessen, die allerdings rasch ausgebucht sind. Die kleine Cousine, die täglich angebotene Viertel-Ente vom Lugeder Hof, begleitet von Kartoffelknödeln und Blaukraut, ist ebenfalls sehr beliebt und war ohne jeden Tadel (22,50). Sie wurde aber übertroffen vom Dry Aged Entrecôte vom irischen Angus-Rind, ein Festschmaus für jeden Fleischliebhaber. Die große Fleischscheibe, wunschgemäß perfekt medium gebraten, war bedeckt von einer Schalottenkruste, umlegt mit Pilzen und umschmeichelt von Barolo-Jus, von dem noch ein Extrakännchen serviert wurde. Dieser Jus wurde bis zum letzten Tropfen ausgelöffelt. Dazu gab es - fast schon zu viel des Guten - auf einem separaten Teller Kartoffelrösti (39,00).

Da konnte der Hirsch-Sauerbraten, obwohl von besten Wildeltern, einfach nicht mithalten (25,50). Zu den drei dicken Stücken mit ausgezeichneter Sauce und wohlschmeckendem Wirsing wurden auch etliche Schnitten vom Serviettenknödel serviert. Und hier bekam die Legende Hunsinger einen ordentlichen Kratzer ab. Diese Dinger waren dermaßen trocken und zäh, dass sie nur kurz angebissen an den Tellerrand geschoben wurden. Aber so ein Kratzer macht eine Legende erst menschlich. Sollte jemand Lust auf das Carpaccio vom Serviettenknödel (12,50) haben, kann man ihm nur wünschen, dass er einen besseren Tag erwischt.

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik "Kostprobe" der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online und mit einer Bewertungsskala. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts - von München, Wissen bis zur Politik - schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fastfood-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: Nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen - um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können. SZ

Die Weinkarte bietet Kreszenzen aus allen nennenswerten Anbaugebieten Europas. Die Preise fangen bei 27 Euro für die Flasche an und enden noch nicht bei 100 Euro. Der offene Sauvignon blanc (0,2 Liter 8,00 Euro) und der Zweigelt aus dem Kremstal (7,50) waren aber durchaus angenehme Begleiter des Mahles.

Zum Abschied winkt Hunsinger sen. seinen Gästen aus der Küche entspannt nach, offensichtlich mit sich und der Goldenen Gans im Reinen.

Hunsinger in der Goldenen Gans, Adresse: Planegger Straße 31, 81241 München, Telefon: 089-837033, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 12 bis 15 Uhr und 18 bis 23 Uhr

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