Grundschule am Schererplatz:Ein Campus mit Wow-Effekt

Schulcampus Schererplatz Pasing Vision des Elterbeirat der Grundschule am Schererplatz

Groß denken, damit am Ende etwas übrig bleibt: Die Mensa mit ihrem begehbaren, begrünten Dach, kommt wie eine Startrampe aus dem Boden.

(Foto: becc/oh)

Ein begehbares, begrüntes Mensadach, ein Sportzentrum mit Schwimmbad: Der Elternbeirat der Grundschule am Schererplatz hat seine Vision für einen neuen Quartierscampus vorgestellt. Die Erwartungen sind hoch. Zu hoch?

Von Jutta Czeguhn, Pasing

"Wow!" Ein Ausruf echter Bewunderung, Verena Dietl ist ohne Frage beeindruckt. Doch glaubt man in diesem Wow auch unterschwellig eine Art Stoßseufzer mitzuhören. Denn gleich wird Münchens Dritte Bürgermeisterin aus der SPD/Volt-Fraktion hier im Vortragssaal der Schererschule Erwartungen dämpfen müssen. Sehr hohe Erwartungen. Leif Geuder, Vorsitzender des Elternbeirats von Pasings traditionsreicher Grundschule, hat soeben - unter Applaus - seine Präsentation beendet. Fast eine Stunde hat er mit großer Leidenschaft Dietl und hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus dem Münchner Planungsreferat und aus dem Hause von Unterrichtsminister Michael Piazolo die Vision eines neuen Schulcampus präsentiert. Ein so kompaktes, beinahe schlüsselfertiges Konzept in Architektur und Raumplanung, dass sich da für die Anwesenden ein gehöriger Zugzwang aufgebaut hat: So, liebe Stadtverwaltung, liebes Ministerium, wir haben Euch den Job langwierigen Planens einfach schon mal abgenommen. Jetzt legt bitte los, denn die Zeit, sie arbeitet gegen uns!

Geuder und Schulleiterin Anita Bock - sie sitzt ja direkt an der Datenquelle - hatten Prognosen präsentiert, alarmierend und schwer verdaulich: Der Stadtbezirk Pasing-Obermenzing wächst enorm dynamisch. Im Schuljahr 2025/2026, also in nicht mehr allzu ferner Zukunft, würden die Schererschule und das unmittelbar benachbarte Elsa-Brändström-Gymnasium insgesamt 18 Klassen mehr unterzubringen haben als aktuell. Ein Plus von acht an der Grundschule, zehn am "Elsa". Die räumlichen Kapazitäten beider Schulen würden das, so Geuder, keinesfalls hergeben. Also hat man diese Vision entwickelt, für die das spröde Verwaltungswort "Schulerweiterung" deutlich zu mickrig ist. Die Elternbeiräte und die Schulleitung haben sich erlaubt, groß zu denken, allerdings ohne dabei abzuheben. Ihr Campus soll mehr sein als ein Schulzentrum, er soll ins gesamte Pasinger Quartier ausstrahlen. Also ein Projekt sein auch für all jene, die mit dem Thema Schule eigentlich längst durch sind.

Die ehrenamtlichen Planer setzen bei ihrer Überzeugungsarbeit auf die Macht des Visuellen und geben das auch unumwunden zu. "Man kann die Menschen nur durch Bilder in den Köpfen motivieren", sagt Geuder, der auf das Know-how seiner Designerfirma zurückgreifen konnte. Dann aktiviert er auf seinem Laptop einen Film, auf dem alles schon existiert: die Mensa, die dort, wo heute die Schulcontainer des Gymnasiums stehen, wie eine Startrampe aus dem Boden wächst; das neue Sportzentrum mit Olympiabecken, wo jetzt die marode Turnhalle vergammelt. Blauer Himmel, weiße Wolken, sattgrüne Bäume, die Kamera fliegt aus einer Drohnenperspektive über das begrünte, begehbare Mensadach. Man sieht die alte Stadtkirche Maria Schutz zwischen der frappanten Architektur der Schulneubauten. Dann ein rasanter Sinkflug bis auf Skateboard-Höhe zum Platz vor dem neuen Sportzentrum, und gleich wieder hoch. Es gibt jede Menge Solarzellen auf dem Dach. Schließlich noch ein paar Runden über das Schwimmbecken, über die Basketball-Plätze Richtung Boulderwand.

"Wir sind uns im Klaren, dass das nicht so kommen wird", sagt der Elternbeirats-Chef

Die Videosimulation erzählt viel über die Campus-Struktur und über die Architektur-Sprache, die sich die Schulfamilie als Naturzitat dynamisch, verschränkt, lichtdurchflutet wünscht. Das aufsteigende Mensa-Dach wirkt wie eine Verlängerung des nahen Parks und soll allen Pasingern zugänglich sein. Drinnen eine große Treppe, nutzbar wie ein Amphitheater, außerhalb der Schulzeit auch wieder von der gesamten Bürgerschaft. Essen sollen Grundschüler und Gymnasiasten gemeinsam, es gibt 100 Plätze, im Obergeschoss Klassenräume, Module, ausgestattet für die digitale Zukunft, die ja schon Gegenwart ist. Unten die Tiefgarage, auf zwei Decks 150 Plätze, ausreichend behindertengerechtes Parken, Ladestationen für E-Fahrzeuge. Quasi der Zwillingsbau des Ganzen soll das Sportzentrum sein, alle Flächen den Wettkampfstandards entsprechend. Die zwei Multifunktionssporthallen, die Sitztribünen in der Mitte, das Schwimmbecken - alles auch für den Vereinssport offen. Im Obergeschoss wieder Klassenräume, ob für Erstklässler oder Gymnasiasten lassen die Planer offen.

Und offen ist viel, wenn nicht alles. "Wir sind uns im Klaren, dass das nicht so kommen wird", sagt Leif Geuder. Aber wenn man zu klein denke, bleibe am Ende nichts übrig. Doch was wird übrig bleiben von ihrem so mutigen Konzept? Denn erwartbar kommt nun, was kommen muss im Saal der Schererschule: Nach ehrlichem Lob Dietls für den professionellen Vorstoß des Elternbeirats ist da schon der Hinweis auf die bundesweit einmalige Schulbauoffensive der Stadt, auf fehlende Milliarden im Haushalt, die Personalknappheit, auf den Sanierungsstau im Schulbereich. Da sinkt die Stimmung kurz in den Keller. "Wir brauchen jetzt eine Rückkopplung", Leif Geuder fordert zusammen mit Anita Bock einen konkreten Zeitplan ein. Doch die Bürgermeisterin kann nicht mehr, als eine Machbarkeitsstudie für 2022 anzukündigen. Der Wow-Effekt stürzt wie ein Soufflé zusammen, als sie sagt: "Ich würde vorschlagen, dass wir miteinander ins Gespräch kommen und in der Verwaltung schauen, wie wir weiter damit umgehen."

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