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Pläne für Actionsportzentrum:Skaten in der alten Fabrik

Actionsporthalle

Mirko Holzmüller (von links) und Andreas Käftner freuen sich mit Verena Dietl darüber, dass die Actionsporthalle kommt.

(Foto: Gino Dambrowski)

Trotz der Corona-Finanzkrise will die Stadt auf dem Areal der ehemaligen Eggenfabrik in Pasing eine Actionsporthalle errichten. 2023 soll sie fertig sein.

Von Ralf Tögel

"Eigentlich fehlt nur der Regen", sagte Mirko Holzmüller, als er bei eisigen Temperaturen vor der denkmalgeschützten Eggenfabrik in Pasing stand. Verena Dietl, Sportbürgermeisterin der Stadt München, hatte zum Ortstermin geladen, um über den Stand der Planungen zum Actionsportzentrum zu informieren. Denn das, was dieser Sportlergemeinde in München seit vielen Jahren fehlt, ist ein Dach über dem Kopf. Holzmüller ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Actionsporthalle, die für die Münchner Freestyle-Vereine seit mehr als zehn Jahren für eine Halle kämpft.

Nach endlos erscheinenden Planungen wollte die Stadt 42 Millionen Euro in die Hand nehmen, um der Szene mit einem Leuchtturmprojekt eine Heimat zu schaffen. Dann kam die Corona-Pandemie und das Projekt stand auf der Kippe. Dietl hatte sich schon als SPD-Stadträtin für eine solche Halle stark gemacht, nun konnte sie verkünden, dass "wir trotz der aktuellen Haushaltslage dem Ziel, der Münchner Actionsportszene eine ganzjährig nutzbare Sportanlage anbieten zu können, einen entscheidenden Schritt näher gekommen sind". Um genau elf Millionen Euro nämlich, dieses Budget werde für die Realisierung in den Haushalt eingeplant, spätestens 2023 soll Richtfest gefeiert werden. Eine Zusage, die auch Holzmüller erfreut: "Wir hatten große Bedenken, dass das Projekt komplett abgesagt wird. Wichtig ist, dass möglichst schnell mit der Umsetzung begonnen wird."

Die Realisierung soll dabei in zwei Bauabschnitten erfolgen, wie Dietl erklärte, zunächst soll die Eggenfabrik saniert und für die olympische Sportart Skateboarding sowie BMX ertüchtigt werden. Dafür sind 800 der insgesamt 1000 Quadratmeter großen Halle vorgesehen. Auf dem restlichen Raum werden die vorgeschriebenen sanitären Anlagen und Umkleiden eingerichtet.

Im zweiten Abschnitt soll dann nach 2023 der ergänzende Neubau entstehen, in dem zum einen größere Hindernisse sowie weitere Freestyle-Sportarten wie Mountainbiker oder Parkour-Läufer eine Heimat finden. Zudem sollen dort die sanitären Anlagen ihren endgültigen Platz finden. Was aus Sicht Holzmüllers keinen Sinn ergibt, denn dann müsste die Eggenfabrik-Halle für einen längeren Zeitraum wieder geschlossen werden. Würden die sanitären Anlagen in Container ausgelagert, wäre das nicht nötig. Dietl signalisierte, man werde sich auch diesbezüglich noch austauschen, ihr sei es von Beginn an wichtig gewesen, die betroffenen Sportler und Vereine an den Planungen zu beteiligen: "Wir wollen hier nicht nur etwas hinbauen, es soll ja auch genutzt werden."

Elementar sei, dass bald die ersten Bagger anrollen, sagte Andreas Kräftner, der den Verein Tretlager und damit die BMX-ler vertrat. Denn allzu oft sei es bei Zugeständnissen geblieben: "Ich finde, so ist es die perfekte Lösung - und vor allem glaubhaft". Denn wie sensibel die Actionsportszene mittlerweile reagiert, zeigte sich gerade am ehemaligen S-Bahnhof am Olympiazentrum. Dort hatten Skateboarder in Eigeninitiative einige Skateranlagen gebaut, die nun von der Stadt abgerissen wurden. Was wiederum einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Medien verursachte.

Auch hier zeigte Dietl Verständnis für die Sportler. Zwar sei der Rückbau in der baufälligen Anlage allein aus Haftungsgründen alternativlos gewesen. Die SPD-Stadtratsfraktion hat am Freitag eine überdachte Übergangslösung gefordert; dafür ist kommende Woche ein neuer Ortstermin anberaumt.

© SZ vom 21.11.2020/kafe

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