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Konflikte mit Feiernden:Kommunikation statt Krawall

Münchner Polizei gelingt es bisher, drohenden Ärger "wegzusprechen".

Von Julian Hans

Krawalle wie in Stuttgart oder Frankfurt hat es in München bisher nicht gegeben. Aber die Zwischenfälle mehren sich auch hier - und die Polizei sorgt mit hohem Einsatz dafür, dass diese nicht aus dem Ruder laufen. Am Samstagabend kam es an der Großhesseloher Brücke zu einer Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen. Ersten Ermittlungen zufolge begann eine Gruppe von fünf Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 16 Jahren eine Vierergruppe im selben Alter zu provozieren. Als diese sich entfernte, setzen die Angreifer ihr nach. Sie forderten Alkohol, demolierten einen Fahrradanhänger, teilten Schläge aus und drohten mit einem Messer. Schließlich spritzte einer der Tatverdächtigen flüssigen Grillanzünder auf die andere Gruppe. Als Zeugen die Polizei verständigten, flüchteten die Angreifer, konnten aber nach kurzer Fahndung festgenommen werden. Sie wurden ihren Eltern übergeben. Weil sie neben diversen Beleidigungen auch antisemitische Äußerungen gemacht hatten, wurde der Staatsschutz eingeschaltet.

Eine laute Feier von etwa 1000 Jugendlichen am rechten Isarufer hinter der Wittelsbacherbrücke konnte die Polizei am Freitagabend allein durch gutes, aber eindringliches Zureden auflösen. Bislang reagiere das Publikum noch gut auf Ansprache, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins am Montag. In 95 Prozent der Konflikte mit Feiernden in der Öffentlichkeit ließe sich die Situation durch Kommunikation regeln.

Abhängig vom Wetter sei die Polizei an den Wochenenden mit zahlreichen zusätzlichen Kräften unterwegs, erklärte der Sprecher. Unter anderem zeigen die Beamten an den Zugängen zum Englischen Garten mit Mannschaftswägen Präsenz. Es sei in den vergangenen Wochen immer wieder gelungen, Gruppen von 1000 Feiernden und mehr "wegzusprechen", so formulierte es da Gloria Martins. Nach den Ereignissen von Stuttgart und erneut nach den Frankfurter Krawallen an diesem Wochenende hat die Münchner Polizei die Lage für die Landeshauptstadt analysiert. Anders als am Frankfurter Opernplatz dränge sich die Szene in München nicht an einem Ort, sondern sei besser verteilt; auf die Isar-Ufer, auf den Englischen Garten, aber auch auf die Seen im östlichen Umland, so der Sprecher. Sollte Reden einmal nicht mehr ausreichen, sei die Münchner Polizei zusammen mit der Bereitschaftspolizei des Freistaats aber auch darauf vorbereitet, konsequent zu räumen.

© SZ vom 21.07.2020
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