ParkplatzmangelWarum die Autos nicht einfach in die Tiefe verbannen?

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Oben ist oft alles dicht wie hier in der Röntgenstraße in Bogenhausen, doch unterirdisch sind noch Parkplätze frei.
Oben ist oft alles dicht wie hier in der Röntgenstraße in Bogenhausen, doch unterirdisch sind noch Parkplätze frei. (Foto: Florian Peljak)
  • In München sind fast 740 000 Autos zugelassen, aber in vielen Parklizenzgebieten gibt es mehr Parkausweise als verfügbare Parkplätze.
  • Die Initiative „Parkraumwende“ hat eine kostenlose Online-Plattform gestartet, die freie Stellplätze in Tiefgaragen und Parkhäusern sichtbar macht.
  • Ziel ist es, Autos aus dem öffentlichen Raum in unterirdische Parkflächen zu verlagern und dadurch Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen.
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Fast eine Dreiviertelmillion Pkw sind in München zugelassen – das kann die Parkplatzsuche zur täglichen Tortur machen. Wie eines der drängendsten Verkehrsprobleme der Stadt gelöst werden soll.

Von Martin Mühlfenzl

Die Lösung könnte unter der Erde liegen. Denn oberirdisch gleicht vielen Münchnerinnen und Münchnern die Suche nach einem Parkplatz einer sich tagtäglich wiederholenden Tortur. Stellplätze sind in der Landeshauptstadt, die im vergangenen Jahr eine Autodichte von 506 Fahrzeugen je 1000 Einwohner aufwies, absolute Mangelware. Warum also nicht einfach die Autos in die Tiefe verbannen?

Diesem Ziel hat sich die ehrenamtliche Initiative „Parkraumwende“ verschrieben, die seit zwei Wochen mit einem für München bisher einzigartigen und kostenfreien Angebot online ist: Auf der gleichnamigen Homepage können Besucherinnen und Besucher auf einer digitalen Karte einsehen, welche privaten Parkmöglichkeiten vorhanden sind, wie viele Plätze es in kommerziellen Parkhäusern und auf Park-and-Ride-Anlagen gibt und in welchem Viertel Tiefgaragenstellplätze angeboten werden.

Und genau dorthin wollen Sigrid Eck, Wiebke Hederich und Heiko Bielinski die Autos bringen: in die Parkhäuser und insbesondere in die Tiefgaragen. „Wir sind keine Autohasser“, sagt Eck gleich zu Beginn des Gesprächs. Die Kommunikationsberaterin sitzt für die Grünen im Bezirksausschuss Maxvorstadt – diese Feststellung ist ihr daher auch so wichtig. Hederich arbeitet als Rechtsanwältin, Bielinski ist Autor und betreibt zudem eine eigene Website, auf der er Statistiken zur Mobilität in der Landeshauptstadt zusammenfasst.

Und anhand dieser Daten lässt sich hervorragend erahnen, was die drei Initiatoren der Parkraumwende antreibt. Etwa an jenen zum Fahrzeugbestand in München, der seit 2022 bei etwas mehr als 740 000 Autos verharrt, gleichwohl immer weniger Menschen in München mit dem Auto unterwegs sind: 2024 wurde nur noch jeder vierte Weg damit zurückgelegt. Oder das Wachstum: Seit 2010 hat die Bevölkerung um 15 Prozent zugelegt, die Zahl der Autos aber um 26 Prozent. Und auch ein Blick in die Parkhäuser lohnt sich auf Bielinskis Website: Am vergangenen Mittwochabend waren diese im Zentrum nur zu etwa 50 Prozent belegt – die Hälfte aller Stellplätze in den Parkhäusern waren also frei geblieben.

Innovatives Parkraummanagement : Wiebke Hederich, Heiko Bielinski und Sigrid Eck (v. l.) in einer fast leeren Tiefgarage.
Innovatives Parkraummanagement : Wiebke Hederich, Heiko Bielinski und Sigrid Eck (v. l.) in einer fast leeren Tiefgarage. (Foto: Stephan Rumpf)

Bielinski zeigt aber vor allem ein Problem auf, das ihn mit Eck und Hederich vorrangig zu Vorreitern bei der Parkraumwende werden ließ: Es gibt in den Stadtbereichen, die als Parklizenzgebiete ausgewiesen sind, also vornehmlich im Zentrum, zu wenig Parkplätze verglichen mit der Zahl ausgegebener Lizenzen. Im Dreimühlenviertel etwa gibt es etwas mehr als 1100 Parkplätze, aber mehr als 1700 Parkausweise. Im Gebiet Regerplatz sind es mehr als 1300 Parkausweise bei lediglich 887 Parkplätzen. Im Lehel etwa 780 Parkplätze bei mehr als 1200 Parkausweisen.

Es geht also eng zu in der Stadt. Und diesen Druck spüren nicht nur die Stadtgebiete mit Parkraummanagement im Zentrum. Auch in den Stadtrandbezirken wird die Situation für Autobesitzer immer problematischer. Sigrid Eck sagt daher: „Parken ist eines der emotionalsten Themen in der Stadt überhaupt. Also das Parken im öffentlichen Raum.“ Ein Lösungsansatz sei aus ihrer Sicht daher, das Parken in München deutlich teurer zu machen: für die Anwohner. „Die Parklizenzen in München sind zu günstig“, sagt Eck angesichts der 30 Euro, die Münchnerinnen und Münchner für die Lizenz im Jahr bezahlen müssen. Sie weiß, dass sie sich mit dieser Haltung nicht nur Freunde macht; betont aber, dass eine Verteuerung der Lizenz „Millionen“ in die Kassen der Stadt spülen könnte.

Der Ansatz, den sie mit ihren Mitstreitern Hederich und Bielinski verfolgt, soll indes nicht nur die Stadtkassen füllen, sondern insbesondere die Lebensqualität in der Stadt steigern. Denn gefüttert wird die Karte auf der Internetseite Parkraumwende.de mit öffentlichen Daten etwa von Immobilienplattformen wie Immocscout24 oder Kleinanzeigen.de. Aber auch Privatpersonen können dort ihre Angebote eintragen – und das über das gesamte Stadtgebiet verteilt. „Das ist rein ‚Open source‘“, sagt Eck. „Wir wollen deutlich machen, wie viel Leerstand es in Tiefgaragen, Parkhäusern oder auch auf Privatgrundstücken noch gibt.“ Und das für alle Nutzer kostenfrei.

Das Ziel, das hinter dem Angebot steckt, ist klar definiert: Stell-  und Parkplätze sollen aus dem öffentlichen Raum verschwinden. „Und davon würden alle profitieren“, sagt Eck. So könnte der öffentliche Raum für Fußgänger und Radfahrer geöffnet werden, Bäume könnte gepflanzt werden und dadurch einen nachhaltigen Beitrag zur Klimaresilienz leisten. „Aber auch die Wirtschaft würde davon enorm profitieren – und ohne die geht eine Parkraumwende auch nicht“, sagt Eck. Der Lieferverkehr und Handwerker würden durch mehr Raum enorm profitieren, Ladezonen könnten geschaffen werden. Auch für Pflegedienste. Aber auch die Betreiber von Parkhäusern und Tiefgaragen würden durch eine höhere Auslastung profitieren, so Eck.

In den Parkhäusern in der Innenstadt ist oft noch ein Parkplazt zu finden.
In den Parkhäusern in der Innenstadt ist oft noch ein Parkplazt zu finden. (Foto: Stephan Rumpf)
Die initiative „Parkraumwende“ will vor allem, dass der Platz in Münchens Tiefgaragen effektiver genutzt wird.
Die initiative „Parkraumwende“ will vor allem, dass der Platz in Münchens Tiefgaragen effektiver genutzt wird. (Foto: Catherina Hess)

Auch in München gibt es kommerzielle Anbieter, die Systeme für die Vermietung von Stellflächen und die Parkraumbewirtschaftung oder Online-Bezahlung in Parkhäusern anbieten. „Wemolo“ oder „Garages near me“ zählen etwa zu diesen neuen Diensten neben den klassischen Kleinanzeigen-Vermarktern im Netz. Als Konkurrenz aber wollen sich die Initiatoren der Parkraumwende nicht verstanden wissen, sie suchen vielmehr den Kontakt und die Zusammenarbeit. Wie auch mit der Stadtpolitik oder dem Mobilitätsreferat. „Bei diesem Thema ist auch viel Austausch und Überzeugungsarbeit notwendig“, sagt Eck.

Und die neue Plattform soll eine Funktion erfüllen, die es so bisher nicht gibt. „Es gibt keine Daten darüber, wie viele Plätze es in den Münchner Tiefgaragen wirklich gibt, wie viel leer steht“, sagt Eck. Das soll sich durch die Parkraumwende ändern.

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