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Verkehr in München:Umsteigen aufs ehemalige Schrottrad

OB Dieter Reiter, Mobilitätsreferent Georg Dunkel (re.) und Geschäftsführer Wolfgang Großmann stellen das Projekt "Park & Bike" vor.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

An fünf Park & Ride-Anlagen können sich Pendler kostenlos ein aufbereitetes Fahrrad leihen und das dauerhaft für die letzte Strecke zum Arbeitsplatz nutzen.

Von Andreas Schubert

Ein Anreiz für Pendler, doch wieder außerhalb des Zentrums das Auto stehen zu lassen, könnte ein erweitertes Angebot von Park & Bike sein. Nutzer können sich bei der Münchner Park & Ride-GmbH gegen eine Kaution von 75 Euro kostenlos ein Fahrrad leihen und dieses dann dauerhaft für die letzte Strecke zum Arbeitsplatz nutzen. Das Angebot gibt es an den Anlagen Michaelibad, Studentenstadt, Westfriedhof, Lochhausen Nord und Sauerlach. Es gilt zunächst bis zum 30. November. Dann kann das Rad wieder zurückgegeben und die Kaution zurückerstattet werden.

Wer sich dafür interessiert, kann sich auf der Website parkundride.de ein Kontaktformular herunterladen und eine Anfrage stellen. Am Mittwoch haben Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Mobilitätsreferent Georg Dunkel und P & R-Geschäftsführer Wolfgang Großmann das neue Angebot am Michaelibad vorgestellt, wo außer einem U-Bahnanschluss auch eine Station mit MVG-Leihrädern zur Verfügung steht. Auch hier ist an gewöhnlichen Werktagen zu sehen, dass die Parkplatzkapazität bei Weitem nicht ausgelastet ist. Das soll sich wieder ändern.

"Manche Pendlerinnen und Pendler würden gerne mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, doch der Weg ist zu weit", erklärt Reiter. Park & Bike biete dafür eine gute Lösung. "So kann man die letzten Kilometer mit dem Rad zurücklegen und muss dabei nicht mal das eigene Rad in den Kofferraum packen." Mobilitätsreferent Dunkel sieht in dem neuen Angebot ein weiteres Puzzleteilchen auf dem Weg zur Verkehrswende. "Ein Drittel der Nutzerinnen und Nutzer sieht das Rad als Alternative zum öffentlichen Verkehr", sagt er. "Das müssen wir nutzen, um noch mehr Menschen zum Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu bewegen."

Die Räder sind frühere Schrotträder, die die Park & Ride-GmbH an öffentlichen Abstellflächen oder am Straßenrand aufgesammelt hat. "Wir wollen einfach mal testen, ob das Angebot angenommen wird", sagt Wolfgang Großmann. Deshalb habe man zunächst einmal 20 Fahrräder wieder aufbereiten lassen. Da man laufend aufgegebene Räder entferne, können man bei Bedarf weitere Räder, deren Lagerfrist abgelaufen ist, wieder herrichten lassen.

Die Aufbereitung übernehmen Jugendliche, die von Pikassio betreut werden. Diese gemeinnützige Gesellschaft für sozialpädagogisch betreute Schul- und Arbeitsprojekte betreut Jugendliche und junge Erwachsene, deren schulische oder berufliche Integration durch Abbruch, Verweigerung oder Ausschluss bedroht ist.

Geschäftsführerin Friederike Schulz erklärt, es gehe bei dem Projekt auch darum, Perspektiven für die jungen Menschen zu schaffen. Auch OB Reiter ist über diese Kooperation erfreut, bei der Schrotträder von der Straße verschwinden, Jugendliche eine Beschäftigung, Pendler Bewegung an der frischen Luft bekommen und die Umwelt geschont wird. "Das ist Nachhaltigkeit im besten Sinne des Wortes", so Reiter.

An der Park & Ride-GmbH geht die Corona-Krise nicht spurlos vorüber. Weil vergangenes Jahr nur etwa halb so viele Pendler die Anlagen der städtischen Gesellschaft genutzt haben, fehlen ihr auch etwa die Hälfte an Einnahmen, die zum Beispiel für das Personal und die Wartung der Parkplätze und Parkgaragen benötigt werden. Erzielte das Unternehmen 2019 noch rund 2,9 Millionen Euro an Parkgebühren allein an den P & R-Anlagen, so waren es im Corona-Jahr 2020 nur noch rund 1,4 Millionen. Der Rückgang ist einerseits mit der zunehmenden Nutzung des Home-Office zu begründen, andererseits, weil viele Menschen nach wie vor ungern in öffentliche Verkehrsmittel steigen.

© SZ vom 22.04.2021/van/baso
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