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Protest:"Die Klima-Katastrophe macht keine Sommerpause"

Bei der Munich for Future Demonstration setzten sich auch die "Parents for Future" für eine Änderung in der Klimapolitik ein.

Bei der Munich for Future Demonstration setzten sich auch die "Parents for Future" für eine Änderung in der Klimapolitik ein.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zwar sind Ferien, aber der Protest gegen die Klimapolitik müsse "unbedingt aufrecht erhalten werden", sagt Meike Missler von den Münchner "Parents for Future". Deshalb verschickt die Ortsgruppe spezielle Postkarten.

In Bayern sind Schulferien, der Protest für mehr Klimaschutz aber soll weitergehen. Die Münchner Ortsgruppe der "Parents for Future", die sich mit den Schülerinnen und Schülern von "Fridays for Future" solidarisieren, hat deshalb eine Postkarten-Aktion angestoßen. Unter dem Motto "Write now for climate" rufen sie alle dazu auf, Karten an Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Kirchen zu schreiben, um für mehr Klimaschutz zu werben. Die Idee finde großen Anklang, erzählt Meike Missler. Auch nach dem Ende der Ferien soll es deshalb mit den Postkarten weitergehen.

SZ: Vor den Sommerferien ging die Angst um, der Protest für den Klimaschutz könnte in der Urlaubszeit einschlafen. Wie ist es denn nun, mitten in den Ferien? Ist die Luft schon raus?

Meike Missler: Nein, das Thema ist noch da. Aber genau diese Sorge hat uns dazu gebracht, die Aktion "Write now for climate" anzustoßen. Ich bin jetzt beruhigt und beunruhigt zugleich: beunruhigt, weil der Protest wegen der Klimakrise unbedingt aufrechterhalten werden muss - aber auch beruhigt, weil ich sehe, dass das Engagement tatsächlich weitergeht. Die Großdemonstration, die bereits für den 20. September angekündigt ist, ein weltweiter Klimastreik, zu dem die Schülerinnen und Schüler alle Menschen aller Generationen aufrufen, zeigt mir, dass es weiter geht.

Wie kamen Sie auf Postkarten ?

Wenn Sie darüber nachdenken, wie Sie den Funken in den Ferien, wenn viele im Urlaub sind, weitertragen können, dann ist es von diesem Gedanken nicht mehr weit zu Postkarten.

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Sie wollten Urlaubspostkarten an Angela Merkel schicken, an Markus Söder oder auch an Dieter Reiter?

Wir wollten eine Form finden, weiterhin Protest auszudrücken, auch wenn man außerhalb des Alltags steht - auch wenn es dann eine Urlaubsform ist. Deswegen steht auf den Karten auch: "Die Klima-Katastrophe macht keine Sommerpause".

Sie bieten auf writenowforclimate.de drei Postkartenmotive an, die sich jeder ausdrucken kann.

Die sind nur eine Anregung. Uns ist wichtig, dass der Protest überhaupt weiterhin vorgetragen wird, und dass deutlich wird, dass der Protest nicht nur von Schülerinnen und Schülern getragen wird, sondern viel breiter ist. Das kann über eine unserer Postkarten passieren, aber auch über eine eigene Karte, die man dann mit dem Hashtag "Write now for climate" versieht, oder über einen Brief.

Man kann auch einen langen Urlaubsbrief schreiben?

Ja, das kann man natürlich auch. Wichtig ist uns, Einfluss zu nehmen auf die Entscheidungsträger in der Politik, aber auch in der Wirtschaft oder zum Beispiel in den Kirchen, um zu zeigen, dass wir als Erwachsenengeneration endlich Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder übernehmen müssen.

Meike Missler ist Mutter von zwei Kindern, hat die Postkarten-Aktion für die Münchner Ortsgruppe der "Parents for Future" vorangetrieben - und sagt, sie wolle selbst ebenfalls eine Karte beisteuern, eine aus Lissabon.

(Foto: Privat)

Wie läuft denn die Postkarten-Aktion?

Gut! Ganz konkrete Zahlen haben wir zwar nicht. Aber wir haben zum Beispiel auf der "Munich for Future"-Demonstration im Juli 4000 Karten verteilt. Anfang August haben wir dann etwa 1000 Stück an den Oberbürgermeister und den Stadtrat eingeworfen, zusammen mit einem offenen Brief. Wir haben auch schon gehört, dass man uns bald antworten möchte.

Auf alle 1000 Karten?

Eher auf den einen offenen Brief. Aber die Aktion hat schon einen Effekt. Auch in den sozialen Medien wird der Spruch "Write now for climate" häufig als Hashtag gesetzt. Und wir haben auch schon Karten aus Schweden und aus Portugal gesehen.

Wie geht es jetzt weiter?

Ursprünglich war die Idee, mit den Postkarten nur die Sommerferien zu überbrücken. Aber wir erfahren sehr viel positive Resonanz, deswegen werden wir die Aktion ausweiten. Andere Ortsgruppen wollen die Idee ebenfalls aufgreifen. Auf die Sommerferien folgen ja auch andere Ferien. Und nach den Urlaubskarten kommen dann die Weihnachtskarten.

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