Nachtleben und Corona:Dieser Vorstoß muss nun klappen

Die Türkenstraße hat sich während der letzten Monate zu einem Party-Hotspot entwickelt.

Die Türkenstraße hat sich während der letzten Monate zu einem Party-Hotspot entwickelt.

(Foto: Catherina Hess)

Lange hat es gedauert, bis die Stadt einen Vorschlag zum Feiern während der Pandemie erarbeitet hat. Ein zweiter Fehlschlag nach der gescheiterten Sperrung der Ludwigstraße wäre peinlich.

Kommentar von Anna Hoben

Es ist fast Mitte August, und die Stadt wagt sich mit einem Vorschlag zum Feiern in der Pandemie vor. Dabei bestehen die Probleme mit Partys im öffentlichen Raum, etwa in der Türkenstraße, seit Monaten. Jetzt neigt der Sommer sich schon fast dem Ende zu. Man kann also festhalten: Es ist ganz schön spät. Dass es auch schneller und unkomplizierter gehen kann, hat die Stadt mit Projekten wie den Stadtterrassen und den Schanigärten bewiesen.

Dieser Versuch sollte nun wirklich klappen. Alles andere wäre peinlich für die Stadt, nach dem aus rechtlichen Gründen gescheiterten Versuch, die Ludwigstraße an Wochenenden für Autos zu sperren, zur Feiermeile zu machen und damit das Party-Geschehen auf öffentlichen Plätzen zu entzerren. Die neue Idee ist gut: Um den Maximiliansplatz herum gibt es einige Clubs, die in einem vierwöchigen Pilotprojekt den Platz mit Musik und Gastronomie bespielen und die Veranstaltungen kontrollieren könnten.

Wenn es klappt, könnte ein interessantes Angebot entstehen. Ihr früheres Stammpublikum könnten die Clubs damit sicherlich anziehen. Die Stadt sollte die Betreiber bestmöglich dabei unterstützen, dass sie im Rahmen der geltenden Infektionsschutzregeln etwas Spannendes auf die Beine stellen können. Sie tragen schließlich die Verantwortung, und für sie muss es sich am Ende rechnen.

Man muss sich aber nichts vormachen: Das Pilotprojekt Maximiliansplatz kann und wird nicht die eine Lösung für die Party-Szene sein. Wenn es klappt, werden dort an einem Abend ein paar Hundert Menschen Einlass finden. Es braucht mehr. Nicht nur für junge Menschen, deren Bedürfnisse in der Pandemie lange wenig beachtet worden sind, sondern auch für die Clubs, die seit anderthalb Jahren geschlossen sind.

Der Bundesverband der Musikspielstätten in Deutschland, der Hunderte Musikclubs und Festivals repräsentiert, hat gerade Vorschläge für eine sukzessive Öffnung der Clubs vorgelegt. In Wien und Berlin gibt es bereits entsprechende Pilotprojekte. So etwas liegt jedoch nicht in den Händen der Stadt, da muss der Freistaat ran. Was aus Ministerpräsident Söders Ankündigung wird, dass Clubs von Herbst an womöglich für vollständig Geimpfte öffnen könnten, wird sich zeigen.

© SZ vom 11.08.2021
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