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Vielfältige Einrichtungen:Begleitung bis zum Tod

Vor dem Zimmer eines Verstorbenen im Münchner Christophorus Hospiz brennt ein Licht.

(Foto: Catherina Hess)

Netzwerk stellt Angebote für die Palliativversorgung vor

Von Ekaterina Kel

Nicht immer geht es in der Medizin ums Heilen. Manchmal ist der Zustand des Patienten so schlecht, dass es wichtiger ist, sich auf den Tod vorzubereiten und die letzte Lebensphase zu begleiten. Oder, wie Sepp Raischl vom Christophorus Hospiz Verein sagt, diesen Menschen "ein gutes Sterben zu ermöglichen". Im Moment sehe er das in München nicht immer gewährleistet - und möchte das ändern.

Raischl setzt sich für eine gute Palliativversorgung in der Stadt ein und ist einer von zwei Sprechern des Hospiz- und Palliativnetzwerks (HPN) der Stadt. "Unser wesentliches Ziel ist die Verbesserung der Versorgung von sterbenden Menschen", fasst er zusammen. Am Dienstag stellte das Netzwerk seine neue Homepage vor, hpn-muenchen.de, auf der es alle Informationen bündelt.

Denn eine der größten Herausforderungen ist es, die Menschen über die zahlreichen Angebote der Hospiz- und Palliativversorgung zu informieren. Ein Grund könnte die Vielfalt der Einrichtungen sein: Allein in München haben sich 42 Organisationen, Dienste und Teams in dem Netzwerk zusammengetan. Von kleinen Vereinen über gemeinnützige Hospizdienste bis hin zur LMU-Klinik finden sich dort alle zusammen, die den Münchnern am Ende ihres Lebens zur Seite stehen wollen. Für den Betroffenen, der die Diagnose einer schweren Krankheit bekommen hat und sich plötzlich mit dem nahenden Tod auseinandersetzen muss, oder auch für Angehörige, zum Beispiel die Eltern eines Kindes, das seit der Geburt an einem schweren Herzfehler leidet, kann das Angebot überfordernd wirken.

Es gibt aber noch ein anderes Problem: Der Begriff "palliativ" werde oft mit dem Sterben gleichgesetzt, sagt Monika Führer, Leiterin des Kinderpalliativzentrums der LMU-Kinderklinik. Generell in unserer Kultur und gerade bei Kindern sei es für die Betroffenen schwierig, sich mit dem Lebensende auseinanderzusetzen. Aber man dürfe nicht vergessen, dass Palliativmedizin weit mehr sei als nur die "Lebensendversorgung", so Führer. Ärzte, Pfleger, Sozialarbeiter und auch Seelsorger arbeiteten oft in Teams, um individuelle Betreuungskonzepte für die einzel- nen Patienten und ihre Angehörigen zu entwerfen.

Berührungsängste mit dem Tod abzubauen, ist eine Aufgabe des Netzwerks. Außerdem wollen sie sich besser austauschen - zum Beispiel darüber, was die Einrichtungen überhaupt leisten können. Wie viel palliative Zuwendung kann etwa eine Pflegekraft in einem Altenheim zusätzlich stemmen? Seit Jahren weisen verschiedene Organisationen zudem darauf hin, dass es in München nur 28 stationäre Palliativplätze gibt. Dabei werden die Menschen immer älter - dadurch steigt auch der Bedarf. Dies sei "keine befriedigende Situation", sagt Raischl. Trotzdem seien mehr Betten allein nicht die Lösung. Manchmal sei es das Beste, den gewohnten Ort am Ende des Lebens nicht mehr zu verlassen, wenn dies möglich ist. Die Hoffnung liege deshalb verstärkt auf einem besseren Austausch unter den Diensten, um für den Patienten vor Ort begleitend da zu sein - und somit auf einem starken Netzwerk.

© SZ vom 28.10.2020

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