Es gibt einen neuen „Star Wars“-Film. Echt wahr. Nur warum hat der Planet Erde dann noch kaum etwas davon mitbekommen? Nun, weil das „Star Wars“-Universum unfassbar groß ist und viele unbeleuchtete Ecken hat. Also nicht nur die hell angestrahlten Parade-Planeten von George Lucas, dem Schöpfer dieses ganzen Kosmos, oder von Disney, seinem gegenwärtigen Herrscher. Es gibt auch Fans, die mit großer Liebe und auf eigene Faust an dieser unendlichen Space-Opera mitschreiben. 30 „Star Wars“-Anhänger haben in Müchnen erstmals ihren Film „The Darkest Hour“ vorgestellt.
Hier in der gerade gestarteten Ausstellung „The Fans Strike Back“ läuft der Kurzfilm nun eine Weile weltexklusiv in einem kleinen Kinosaal. Fünf Jahre und einen guten fünfstelligen Betrag hat es gebraucht, ehe Regisseur Sebastian Butterweck und sein Team das Do-it-yourself-Werk im Kasten hatten. Alles selbstgemacht: Soundtrack, Kulissen, Drehbuch und Kostüme. Die Gasmaske ihrer neuen Alien-Figur Chuto war mal eine Bonbon-Dose, sagt Butterweck. Angesiedelt zwischen den offiziellen Episoden 3 und 4 geht der Film der Frage nach, warum alle 40 Attentatsversuche auf den ikonischsten aller „Star Wars“-Antihelden, den Massenmörder und Diktator Darth Vader, gescheitert sind.

Reizt man mit so einem inoffiziellen Enthüllungsfilm nicht die dunkle Seite der Macht (den Lizenzgeber)? Butterweck wähnt sich auf der guten Seite. „Bis George Lucas seine Rechte verkauft hat, hat er solche Fan-Filme gefördert.“ Er hofft, auf eine gnädige Duldung durch Disney: „Wir müssen ein bisschen unterm Radar fliegen …“

So ist das mit der ganzen Ausstellung im nun erstmals bespielten Hochhaus „Pineapple Tower“ auf dem Münchner Paketpost-Areal. Die verwendet lieber keine offiziellen Logos, Film-Ausschnitte und den Titel „Star Wars“, aber unerkannt dürfte die Schau nicht geblieben sein: „The Fans Strike Back“, die weltgrößte von Fans zusammengestellte „Star Wars“-Ausstellung, hat in New York, Las Vegas, London, Paris, Berlin und so weiter schon mehr als eine Million Besucher angelockt. Jetzt in München ist sie noch einmal ein Drittel größer. Die Ausstellungsmacher Philip Zoch und Anton Iliev haben fast 1000 Sammlerstücke in einem Labyrinth auf mehr als 1000 Quadratmetern aufgebaut.

Es ist kein einziges Original zu sehen (einige Helme, Uniformen, Waffen waren immerhin in Fan-Filmen zu sehen). Und dennoch ist das alles faszinierend. In Hunderten Dioramen kann man wie in einer Art galaktischer Krippenausstellung in Erinnerung an 50 Jahre Filmgeschichte durch alle neun kanonischen Filme, die Spin-offs und Serien wie „The Mandalorian“ abtauchen: Luke Skywalker und Yoda auf Dagobah, der Rasende Falke auf Mos Eisley, Jar Jar Bings auf Kaadu. Manches ist mini und kunstvoll aus Altmetall gefrickelt; Figuren von Han Solo und Leia in der Schnee-Uniform von Hoth wiederum stehen lebensgroß da. Am Bunkereingang in Endor kann man sich mit Sturmtrupplern fotografieren und auf ein Speedbike setzen. Von der Kommandobrücke eines Sternzerstörers aus blickt man auf eine Schlacht von zehn Raumschiffmodellen.
Alles ist Heimarbeit, kostenlos von Hobby-Requisiteuren und Cosplayern in aller Welt zur Verfügung gestellt. Etwa Anakin Skywalkers Podracer-Schiff in Elf-Meter-Originalgröße. Ein Kfz-Mechaniker aus London hat hier Festplatten, Staubsaugerschläuche und alte Auto-Teile verbaut. Die besessenen Fans sind mächtig stolz, das alles zu zeigen – und manch einer wird sicher auch zu Hause aufgefordert worden sein, Stücke der ausufernden Sammlung endlich aus der Wohnung zu schaffen.
Neues kann der Besucher hier (außer Poster, T-Shirts und einem C3-PO-Kissen) nicht mitnehmen. Statt wie bei offiziellen Franchise-Ausstellungen durch den Geschenke-Shop hinauszugehen, kommt man hier an Vitrinen mit der größten r2d2-Merchandise-Sammlung vorbei: der kleine Roboter als Wecker, Kopfhörer und Hausschuh. „Star Wars“ ist überall.

