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Hochhäuser an der Paketposthalle:Zwischen banal und "unglaublich schön"

Planung Paketposthalle München  - Stand Juni 2021

Neu sind die zwei sich kreuzenden "Schrägaufzüge" zu den Turmspitzen, die aussehen sollen wie ein M wie München. Simulation: Herzog de Meuron

Zwei schräge Aufzüge bestimmen die Debatte um die geplanten Türme neben der Paketposthalle. Manchen ist das zu plump, doch Experten sind sich einig: Der Entwurf verdient viel Lob.

Von Bernd Kastner

Irgendwann, da war das Wort von der "Banalität" schon ausgesprochen, meldet sich Ralf Büschl zu Wort. Gerade berät virtuell die Stadtgestaltungskommission über den neuen Entwurf für das Areal um die Paketposthalle samt zweier 155 Meter hoher Türme; Büschl ist der Mann, der das bauen will und das Architektenbüro Herzog/de Meuron beauftragt hat. "Ich bin ja nur der Investor", sagt Büschl, damit kokettierend, dass die Architekten in der Runde ja die Experten seien. Aber seine persönliche Meinung zu den schrägen Liften, mit denen Besucher auf die Dachterrassen fahren sollen, will er doch nicht verschweigen: "Ich finde die Aufzüge unglaublich schön." Er sei überzeugt, dass die Menschen sich freuen werden über diesen Weg nach oben.

Am Entwurf des Basler Büros reizen vor allem die beiden schräg laufenden Aufzüge zur Debatte, auch weil sie sich, je nach Perspektive, zu einem X oder M verschieben. Das ist manchem zu plump. Pierre de Meuron ist, wenig überraschend, anderer Meinung: Die Lifte betonten die Zugänglichkeit der Dächer, erklärt er am Mittwoch. "Eine solche Erschließung außerhalb eines Turms ist neu und unerwartet. Wir verstehen, dass einige das nun besonders hinterfragen.

Es macht aber viel Sinn; funktionell, statisch und plastisch." Die Frage nach der Banalität geht tags darauf zurück an die Kritikerin, die Architektin Birgit Rapp aus Amsterdam. Auch wenn sie verstehe, sagt sie, dass der Planer die Zugänglichkeit der Dachterrassen sichtbar machen möchte: Dass die Lifte zum M werden, sei ihr zu viel an Symbolik, zu viel "Spektakel". Das hätten die Türme doch gar nicht nötig. Ihre Hamburger Kollegin Karin Loosen zeigt Verständnis dafür, den Weg in ein Gebäude inszenieren zu wollen, allein, auch ihr ist das M "zu plakativ": "Ich frage mich, ob die Stadt München so ein M braucht?" Feinsinniger und dezenter, das wäre ihr lieber. Das gesamte Vorhaben wiederum nennt sie ein "tolles, ambitioniertes Projekt", stadtplanerisch findet sie vor allem den Kontrast reizvoll: eng und luftig, dichte Bebauung am Boden, daneben die Türme. Und dann noch diese riesige Halle, die der Investor öffentlich nutzen will - darauf seien viele Städte neidisch.

Ralf Büschl, der Investor, sagt am Tag nach der Debatte am Telefon: "Kritik regt zum Denken an." So weit gehe bei ihm das Denken aber nicht, dass ihm der Entwurf madig gemacht worden wäre, im Gegenteil: "Absolut überzeugt" sei er davon. Ja, es gebe nun mal unterschiedliche Geschmäcker, aber dass die schrägen Aufzüge nicht allen gefallen, "kann ich nicht wirklich verstehen". Wenn die beiden Liftröhren ein M entstehen lassen, sei das für ihn "eine positive Begleiterscheinung". M wie München.

Neben Büros und Hotelzimmern seien Wohnungen geplant, versprochen

Dann kommt er zum großen Ganzen. das Areal solle nicht monolithisch werden, sondern gemischt. Das gelte für das Bespielen der denkmalgeschützten Halle, die er zu einem "Kultur-Hotspot" machen wolle, wie er es in der Expertenrunde am Dienstag formulierte. Unter dem Gewölbe soll, ebenerdig und im Untergrund, Platz sein für Konzerte, Kongresse, Start-ups, und viel freier Raum soll bleiben für alle möglichen Nutzungen. Und die Hochhäuser, verspricht Büschl, das sollen Wohntürme werden. Neben Büros und Hotelzimmern seien Wohnungen geplant, versprochen. Er strebe eine gemischte Bewohnerstruktur an. Bestverdiener sollen mit Geringverdienern in einem Haus leben.

Er wolle in den Türmen sogar mehr preisgünstige Wohnungen anbieten als er laut Stadt müsse. Nicht nur zwei oder drei zusätzlich, Büschl spricht von zig Wohnungen als soziales Extra. Diese Wohnungen wolle er Angehörigen zweier Berufsgruppen anbieten, die sich den Münchner Normal-Preis, um die 20 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, nicht leisten könnten: Krankenpfleger sowie Polizeibeamte. Auch eine Pflegeeinrichtung wolle er auf dem Areal ansiedeln. Aufzug hin oder her, am begeistertsten klingt Ralf Büschl, wenn er seine sozialen Ideen vorstellt, er redet er sich fast in Euphorie: "Wir sind beseelt von diesem Gedanken."

© SZ vom 10.06.2021/van
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