TrendsportSelbst der Fußball muss Padel weichen

Lesezeit: 4 Min.

Vier Spieler verausgaben sich auf einem der Padelplätze auf der Allwetter-Anlage in Unterföhring.
Vier Spieler verausgaben sich auf einem der Padelplätze auf der Allwetter-Anlage in Unterföhring.
Florian Peljak
  • Padel erlebt in München einen enormen Boom mit rasant wachsender Anzahl an Plätzen in Unterföhring, Allach und anderen Stadtteilen.
  • Die Nachfrage ist so groß, dass Plätze fast durchgehend ausgebucht sind und sogar Fußballer aus Hallen weichen mussten.
  • Auch Pickleball etabliert sich als Trendsport in München, etwa in der Schwabinger Reitschule, wo eine ehemalige Reithalle umgebaut wurde.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die noch relativ junge Sportart wird in und um München immer beliebter. Ständig entstehen neue Plätze, die so überrannt sind, dass sogar draußen gespielt wird. Und nun kommt auch noch Pickleball.

Von Thomas Becker

SZ bei Google bevorzugen

Manchmal erlebt man im Urlaub Dinge, die man zu Hause gleich erzählen muss. So erging es auch Alfonso Maximiliano Victorio Eugenio Alejandro María Pablo de la Santísima Trinidad y todos los Santos Prinz zu Hohenlohe-Langenburg. In den 70ern war das spanische Mitglied des internationalen Jetsets und der Gründer des berühmten „Marbella Club“ zu Besuch bei seinem mexikanischen Freund Don Enrique Corcuera. Der hatte sich in seinem Garten in Acapulco an der Stirnseite eines kleinen Tennisplatzes eine drei Meter hohe Wand und an den Seiten Maschendrahtzaun bauen lassen – und das Ganze Padel genannt.

Corcuera hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass das, was der Kollege zu Hohenlohe mit nach Spanien brachte, einmal die weltweit am schnellsten wachsende Sportart mit etwa 18 Millionen aktiven Spielern und womöglich bald olympische Disziplin werden würde. 2016 gab es weltweit insgesamt etwa 10 000 Padel-Courts, heute sind es mehr als 60 000 – zugegeben ein eher grober Schätzwert, da gefühlt minütlich neue Plätze dazu kommen. Auch in München.

Die Padel-Courts verbreiten sich rasant in und um die Sportstadt: im Tucherpark, im Pineapple Park, in Vaterstetten, am Frankfurter Ring, in der Lerchenau, in Taufkirchen. Auch in Unterföhring, dort baute Oliver Scheck-Poturicek vor 13 Jahren auf seiner Allwetter-Anlage den ersten Padelplatz, seitdem hat er das Angebot konsequent erweitert. Zwölf Plätze stehen jetzt zur Verfügung, sechs davon in der Halle, wo früher geritten und Tennis gespielt wurde.

Zuletzt waren dort Fußballer zu Hause, doch die mussten nun aus der gedämmten und geheizten Halle weichen – für Padel. Die Nachfrage sei zu groß geworden, sagt Scheck-Poturicek, fast alle Plätze seien ausgebucht, bei Öffnungszeiten von 7 bis 23 Uhr: „Höchstens mittags ist mal ein Platz frei.“ Derzeit werde sogar draußen gespielt, erzählt der Geschäftsführer, der nicht ohne Stolz vom gewachsenen Liga-Betrieb berichtet: Ein Damen- und drei Herren-Teams seien im Punktspielbetrieb, eines davon in der Bundesliga.

Surfen in München
:Plötzlich soll es ganz schnell gehen mit der Eisbachwelle

Die Surfer dürfen ihren Versuch zur Wiederbelebung des berühmten Spots starten und bald auch aufs Wasser zurück. Wie es nun weitergeht und welche juristischen Fallstricke es dabei zu beachten gilt.

SZ PlusVon René Hofmann und Linus Freymark

Auch Pickleball, der andere große Ballsport-Trend aus den USA, kann man auf vier Plätzen spielen. „Das ist noch in den Kinderschuhen“, sagt Scheck-Poturicek, „aber das kommt, hat viel Potenzial, ist aber eine etwas andere Community.“ Was die Communitys gemein haben: einen niederschwelligen Zugang. Padel und Pickleball kann fast jeder spielen. Das Glücksgefühl, einen Ball übers Netz geschlagen zu haben, stellt sich schneller ein als beim anspruchsvolleren Tennis.

Außerdem spielt man meist zu viert und zu Musik aus Lautsprechern, sodass statt „Quiet, please!“ eher Party-Stimmung angesagt ist. Sollte ein Mitspieler fehlen oder ausfallen, lässt sich über die von fast allen Betreibern genutzte Buchungsplattform in der Regel flugs ein Ersatz organisieren.

Das Potenzial von Padel hat man auch in Allach erkannt. Dort ist seit Mai 2024 aus einem mehr als 50 Jahre alten Tenniscenter ein Mischbetrieb entstanden: vier Indoor- und vier Outdoor-Padel-Courts plus drei Outdoor-Tennisplätze samt Clubhouse, Terrasse, Equipment-Verleih, Bar mit Pinsa und Flammkuchen. Das „Padel Seasons“ wird betrieben von Nicole Jüttner und Tomas Nydahl, gebürtiger Schwede, Ex-Tennis-Profi, einst Nummer 72 der Weltrangliste und Sieger gegen Größen wie Tommy Haas, Thomas Muster, Tim Henman und Henri Leconte.

2021 wurde Nydahl deutscher Meister bei den Herren 40, im Padel. „In Schweden und vielen anderen europäischen Ländern fing der Boom vor sechs, sieben Jahren an“, erzählt er, „viele Tennis- und Lagerhallen wurden schnell zu Padelhallen umgebaut. In Schweden gab’s innerhalb von drei, vier Jahren etwa 4000 Plätze. In Deutschland sind wir gerade mal bei ein paar Hundert Courts, allerdings mit steigender Tendenz. Hier ist die Bürokratie deutlich schwieriger.“

Tomas Nydahl war früher Tennis- und ist jetzt Padelprofi.
Tomas Nydahl war früher Tennis- und ist jetzt Padelprofi.
Padel Seasons

Auch in Allach sei vom ersten Tag an so viel los, dass „wir von 15 Uhr an fast immer ausgebucht sind“, sagt Nicole Jüttner, „dabei kann man bei uns von Montag bis Sonntag von sechs Uhr morgens bis zwei Uhr nachts spielen.“ Manche kämen vor der Arbeit, und nachts spielten viele Jüngere, zu sechst oder zu acht. „Der Bedarf ist da“, sagt Jüttner, die einen Vollzeit-Trainer angestellt hat. Auch Kinder-Training sei sehr gefragt.

Am beliebtesten seien jedoch die Americanos, eine Art Schleiferlturnier, bei dem man für zwei, drei Stunden in den Kategorien Beginner und Medium/Advanced sechs Spiele à 20 Minuten jeweils mit neuem Partner austrägt. „Wir können gar nicht so viele Americanos organisieren, wie es Nachfrage gibt“, sagt Jüttner, „die Leute lieben dieses Format. Das schafft Verbundenheit untereinander.“ Von Januar an will man auch am Liga-Spielbetrieb teilnehmen. Was der Spaß kostet? Bis 15 Uhr sind etwa in Allach pro Court 40 Euro zu zahlen, danach 46 Euro – jeder Spieler zahlt also ein Viertel.

Das sind ganz ähnliche Preise wie beim Pickleball in der Schwabinger Reitschule, das im Einzel oder auch im Doppel zwei gegen zwei gespielt wird. Da die Betreiber Pascal und Tobias heißen, haben sie im Mai ihr Projekt, die erste reine Pickleballhalle der Stadt, PATO genannt.

In der Schwabinger Reitschule kann man Pickleball spielen, bei dem das Spielfeld im Gegensatz zu Padel nicht durch Wände begrenzt wird.
In der Schwabinger Reitschule kann man Pickleball spielen, bei dem das Spielfeld im Gegensatz zu Padel nicht durch Wände begrenzt wird.
Florian Peljak
Die Bälle beim Pickleball werden nicht so schnell wie beim Tennis, dadurch ist die Sportart leichter zu lernen.
Die Bälle beim Pickleball werden nicht so schnell wie beim Tennis, dadurch ist die Sportart leichter zu lernen.
Florian Peljak

Wo bis 2023 noch Pferde und Reiter zugange waren, fliegt nun der Pickleball über vier Courts der nicht beheizten Halle, beäugt von den Gästen des Cafés Reitschule. Es sei „schwierig, einen Sport in der Gesellschaft zu etablieren“, sagt Tobias Schmidt, einer der beiden Geschäftsführer. Mit seinem Kumpel hat er Pickleball im Auslandssemester in San Francisco lieben gelernt: „Dort verdienen Profis mehr als die Basketballerinnen der Frauen-NBA. Auch in Asien ist Pickleball groß – bei uns ist es noch der unbekannte Sport.“

Ausgebucht sei die schön luftige Halle nicht, gerade am Wochenende sei es leichter, noch einen Platz zu buchen, mitbringen muss man nur Turnschuhe mit heller Sohle. Events oder sogenannte Open-Plays kommen auch hier gut an. Die bis April vereinbarte Zwischennutzung werde jedenfalls eine Fortsetzung finden, versichert Schmidt.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Pickleball in München
:Die Sportart, die süchtig macht

In den USA wächst Pickleball so rasant wie keine andere Sportart. Auch in München würden viele die Mischung aus Tennis, Badminton und Tischtennis gerne ausprobieren. Doch es fehlt Platz.

SZ PlusVon Lisa Sonnabend (Text) und Robert Haas (Foto & Video)

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: