Manchmal erlebt man im Urlaub Dinge, die man zu Hause gleich erzählen muss. So erging es auch Alfonso Maximiliano Victorio Eugenio Alejandro María Pablo de la Santísima Trinidad y todos los Santos Prinz zu Hohenlohe-Langenburg. In den 70ern war das spanische Mitglied des internationalen Jetsets und der Gründer des berühmten „Marbella Club“ zu Besuch bei seinem mexikanischen Freund Don Enrique Corcuera. Der hatte sich in seinem Garten in Acapulco an der Stirnseite eines kleinen Tennisplatzes eine drei Meter hohe Wand und an den Seiten Maschendrahtzaun bauen lassen – und das Ganze Padel genannt.
Corcuera hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass das, was der Kollege zu Hohenlohe mit nach Spanien brachte, einmal die weltweit am schnellsten wachsende Sportart mit etwa 18 Millionen aktiven Spielern und womöglich bald olympische Disziplin werden würde. 2016 gab es weltweit insgesamt etwa 10 000 Padel-Courts, heute sind es mehr als 60 000 – zugegeben ein eher grober Schätzwert, da gefühlt minütlich neue Plätze dazu kommen. Auch in München.
Die Padel-Courts verbreiten sich rasant in und um die Sportstadt: im Tucherpark, im Pineapple Park, in Vaterstetten, am Frankfurter Ring, in der Lerchenau, in Taufkirchen. Auch in Unterföhring, dort baute Oliver Scheck-Poturicek vor 13 Jahren auf seiner Allwetter-Anlage den ersten Padelplatz, seitdem hat er das Angebot konsequent erweitert. Zwölf Plätze stehen jetzt zur Verfügung, sechs davon in der Halle, wo früher geritten und Tennis gespielt wurde.
Zuletzt waren dort Fußballer zu Hause, doch die mussten nun aus der gedämmten und geheizten Halle weichen – für Padel. Die Nachfrage sei zu groß geworden, sagt Scheck-Poturicek, fast alle Plätze seien ausgebucht, bei Öffnungszeiten von 7 bis 23 Uhr: „Höchstens mittags ist mal ein Platz frei.“ Derzeit werde sogar draußen gespielt, erzählt der Geschäftsführer, der nicht ohne Stolz vom gewachsenen Liga-Betrieb berichtet: Ein Damen- und drei Herren-Teams seien im Punktspielbetrieb, eines davon in der Bundesliga.
Auch Pickleball, der andere große Ballsport-Trend aus den USA, kann man auf vier Plätzen spielen. „Das ist noch in den Kinderschuhen“, sagt Scheck-Poturicek, „aber das kommt, hat viel Potenzial, ist aber eine etwas andere Community.“ Was die Communitys gemein haben: einen niederschwelligen Zugang. Padel und Pickleball kann fast jeder spielen. Das Glücksgefühl, einen Ball übers Netz geschlagen zu haben, stellt sich schneller ein als beim anspruchsvolleren Tennis.
Außerdem spielt man meist zu viert und zu Musik aus Lautsprechern, sodass statt „Quiet, please!“ eher Party-Stimmung angesagt ist. Sollte ein Mitspieler fehlen oder ausfallen, lässt sich über die von fast allen Betreibern genutzte Buchungsplattform in der Regel flugs ein Ersatz organisieren.
Das Potenzial von Padel hat man auch in Allach erkannt. Dort ist seit Mai 2024 aus einem mehr als 50 Jahre alten Tenniscenter ein Mischbetrieb entstanden: vier Indoor- und vier Outdoor-Padel-Courts plus drei Outdoor-Tennisplätze samt Clubhouse, Terrasse, Equipment-Verleih, Bar mit Pinsa und Flammkuchen. Das „Padel Seasons“ wird betrieben von Nicole Jüttner und Tomas Nydahl, gebürtiger Schwede, Ex-Tennis-Profi, einst Nummer 72 der Weltrangliste und Sieger gegen Größen wie Tommy Haas, Thomas Muster, Tim Henman und Henri Leconte.
2021 wurde Nydahl deutscher Meister bei den Herren 40, im Padel. „In Schweden und vielen anderen europäischen Ländern fing der Boom vor sechs, sieben Jahren an“, erzählt er, „viele Tennis- und Lagerhallen wurden schnell zu Padelhallen umgebaut. In Schweden gab’s innerhalb von drei, vier Jahren etwa 4000 Plätze. In Deutschland sind wir gerade mal bei ein paar Hundert Courts, allerdings mit steigender Tendenz. Hier ist die Bürokratie deutlich schwieriger.“

Auch in Allach sei vom ersten Tag an so viel los, dass „wir von 15 Uhr an fast immer ausgebucht sind“, sagt Nicole Jüttner, „dabei kann man bei uns von Montag bis Sonntag von sechs Uhr morgens bis zwei Uhr nachts spielen.“ Manche kämen vor der Arbeit, und nachts spielten viele Jüngere, zu sechst oder zu acht. „Der Bedarf ist da“, sagt Jüttner, die einen Vollzeit-Trainer angestellt hat. Auch Kinder-Training sei sehr gefragt.
Am beliebtesten seien jedoch die Americanos, eine Art Schleiferlturnier, bei dem man für zwei, drei Stunden in den Kategorien Beginner und Medium/Advanced sechs Spiele à 20 Minuten jeweils mit neuem Partner austrägt. „Wir können gar nicht so viele Americanos organisieren, wie es Nachfrage gibt“, sagt Jüttner, „die Leute lieben dieses Format. Das schafft Verbundenheit untereinander.“ Von Januar an will man auch am Liga-Spielbetrieb teilnehmen. Was der Spaß kostet? Bis 15 Uhr sind etwa in Allach pro Court 40 Euro zu zahlen, danach 46 Euro – jeder Spieler zahlt also ein Viertel.
Das sind ganz ähnliche Preise wie beim Pickleball in der Schwabinger Reitschule, das im Einzel oder auch im Doppel zwei gegen zwei gespielt wird. Da die Betreiber Pascal und Tobias heißen, haben sie im Mai ihr Projekt, die erste reine Pickleballhalle der Stadt, PATO genannt.


Wo bis 2023 noch Pferde und Reiter zugange waren, fliegt nun der Pickleball über vier Courts der nicht beheizten Halle, beäugt von den Gästen des Cafés Reitschule. Es sei „schwierig, einen Sport in der Gesellschaft zu etablieren“, sagt Tobias Schmidt, einer der beiden Geschäftsführer. Mit seinem Kumpel hat er Pickleball im Auslandssemester in San Francisco lieben gelernt: „Dort verdienen Profis mehr als die Basketballerinnen der Frauen-NBA. Auch in Asien ist Pickleball groß – bei uns ist es noch der unbekannte Sport.“
Ausgebucht sei die schön luftige Halle nicht, gerade am Wochenende sei es leichter, noch einen Platz zu buchen, mitbringen muss man nur Turnschuhe mit heller Sohle. Events oder sogenannte Open-Plays kommen auch hier gut an. Die bis April vereinbarte Zwischennutzung werde jedenfalls eine Fortsetzung finden, versichert Schmidt.


