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Neuperlach/Ottobrunn:Seilbahn ist keine Option

Kreisräte debattieren über Verlängerung der U5 im Südosten

Von Martin Mühlfenzl, Neuperlach/Ottobrunn

In der Diskussion um die Verlängerung der U5 von Neuperlach-Süd aus über Neubiberg und Ottobrunn bis in den Ludwig-Bölkow-Campus hat sich Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) klar für eine Variante ausgesprochen, die unter seiner Gemeinde, etwa entlang der Rosenheimer Landstraße, führen könnte. Im Ausschuss für Mobilität des Kreistags sagte Loderer nach der Vorstellung von drei optimierten Trassen, eine Streckenführung entlang der Ottobrunner Gemeindegrenze am Haidgraben scheide aus seiner Sicht aus. Diese lasse den notwendigen "verkehrlichen Nutzen" vermissen.

In der Ausschusssitzung stellten die Experten des Büros Intraplan die drei Strecken vor, die alle eines gemeinsam haben: Sie sehen auf der U-Bahn-Verlängerung nur noch drei Haltestellen in Neubibberg, Ottobrunn und am Ludwig-Bölkow-Campus vor statt wie bisher angedacht vier, zwei davon in Ottobrunn. Mit dem Verzicht auf eine Haltestelle sollte untersucht werden, inwieweit die Investitionskosten gesenkt werden können. Der Effekt halte sich in Grenzen, sagte CSU-Fraktionssprecher Stefan Schelle mit Blick auf die Zahlen für die von Loderer favorisierte Variante. Würde eine unterirdische Haltestelle in Ottobrunn gestrichen, verringerten sich die Kosten bei zwei Stationen lediglich von etwa 480 Millionen Euro auf etwa 445 Millionen Euro. "Das ist nicht optimiert", sagte Schelle. "Da können wir gleich eine Haltestelle mehr machen."

Die auf den ersten Blick spektakulärste der drei optimierten Trassen schloss das Gremium von vornherein aus: Dabei wurde eine Strecke untersucht, bei der die U-Bahn von Neuperlach aus bis Neubiberg und von dort aus als Seilbahn weitergeführt werden sollte. Diese Variante einer Mischform aber hätte keine verkehrliche Verlagerung zur Folge und wäre deutlich langsamer als eine der reinen U-Bahn-Varianten. Stefan Schelle plädierte ganz im Sinne von Loderer dafür, sich "schnell und ohne viel Aufwand" auf eine Trasse zu fokussieren und nicht weiter über zu viele Varianten zu diskutieren. Zudem brachte er die Überlegung ein, eine spätere Verlängerung weiter etwa bis nach Hofolding im Hinterkopf zu behalten, auch dieser Bereich müsse irgendwann schienengebunden angeschlossen werden, sagte der Oberhachinger Bürgermeister.

Der Neubiberger Freie-Wähler-Kreisrat Günter Heyland brachte als Alternative zur U-Bahn erneut die Magnetschwebetechnik ins Spiel. Das sogenannte System Bögel, ein Fahrzeug des gleichnamigen Unternehmens für den öffentlichen Personennahverkehr, sei deutlich billiger als der Bau einer U-Bahn. Landrat Christoph Göbel (CSU) bekundete seine Sympathie für die Technologie, sagte aber auch, bei der Verlängerung von Neuperlach-Süd aus müsste der Fokus auf der U-Bahn liegen. Jetzt die Pläne noch einmal komplett neu aufzumachen, sei "strategisch nicht klug".

Der Ausschuss schloss sich dem Vorschlag von Bürgermeister Loderer an, die weiteren Planungen auf die von ihm favorisierte Variante Ost direkt unter Ottobrunn zu fokussieren, jene Trasse, der bei vier Haltestellen bis zu 23 000 Pendler pro Tag vorhergesagt werden, die aber auch die teuerste ist.

© SZ vom 29.06.2020

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