Werksviertel:Zwei neue Hochhäuser am Ostbahnhof geplant

Lesezeit: 2 min

So sah der Ursprungsentwurf für die Sanierung des bestehenden Gebäudes und den Neubau von zwei weiteren Hochhäusern an der Rosenheimer Straße 139 aus. (Foto: OSA/NightNurse Images AG)

Ein Investor will ein bestehendes Gebäude an der Rosenheimer Straße umbauen - und das Areal um zwei Hochhäuser erweitern. Die könnten bis zu 20 Stockwerke hoch werden.

Von Lea Kramer

Das Scheppern der Güterzüge über die Brücken ist so ein typisches Geräusch, das alle kennen, die rund um den Ostbahnhof unterwegs sind. Posaune und Bongos gibt's dort ebenfalls zu hören - charakteristisch an einer ganz bestimmten Stelle: an der Rosenheimer Straße 139. Seit mehr als 20 Jahren wird dort Salsa in den früheren Büroräumen einer Wohnbaugesellschaft unterrichtet. Vor drei Jahren ist das Gebäude verkauft worden. Nun sind die Entwürfe für einen Umbau und die Sanierung der Immobilie der Kommission für Stadtgestaltung vorgelegt worden. Darin enthalten: zwei neue Hochhäuser mit bis zu 20 Stockwerken.

2019 hat der Projektentwickler und Investor Art-Invest Real Estate Management GmbH & Co. KG die sogenannten "Gleko-Häuser" - ein Paket aus der Immobilie an der Rosenheimer Straße sowie einer weiteren unweit des Vogelweideplatzes - gekauft. Für das Unternehmen ist es nicht das erste Großprojekt im Münchner Osten. Neben dem Atlas-Gebäude im Werksviertel hat die Gesellschaft die Macherei an der Weihenstephaner Straße entwickelt, auch das Hochhaus des Süddeutschen Verlages gehört mittlerweile dem Unternehmen.

An der Rosenheimer Straße 139 wird nicht alles abgerissen. Ein Bürogebäude soll erhalten und arrondiert werden. (Foto: Robert Haas)

Café in der Lobby und Restaurant auf der Terrasse im 13. Stock

Das Bürogebäude an der Rosenheimer Straße läuft aktuell unter dem Namen "R 139". Es besteht aus mehreren Flachbauten, einem Parkplatz sowie einem 13-stöckigen Hochhaus aus den Siebzigerjahren. Geht es nach dem Bauherrn, könnten die ein- und zweigeschossigen Gebäude auf dem Gelände abgerissen und künftig durch zwei neue Hochhäuser ersetzt werden. Diese sollen dann 17 und 19 Stockwerke bekommen und mit einer gemeinsamen Fassade verbunden werden. "Diese Fassaden springen in den einzelnen Höhen unterschiedlich weit vor. Dadurch gibt es Terrassen, die begrünt werden, auch die Dächer sind begrünt", sagt Architekt Fabian Ochs, dessen Büro Ochs Schmidhuber Architekten (OSA) die Pläne entworfen hat.

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Da es für das Gelände am Rande der Bahnlinie keinen Bebauungsplan gibt, steht noch nicht fest, wie hoch sie gebaut werden könnten. Die Höhe müsse an dieser Stelle im konkreten Einzelfall geprüft werden, heißt es aus dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Das Projekt befindet sich noch im Vorbescheidsverfahren, wurde der Kommission für Stadtgestaltung - einem ehrenamtlichen Gremium, das den Stadtrat in Gestaltungsfragen berät - aber schon vorgelegt. Die Entwürfe für den Neubau kommen dort vor allem wegen des Erhalts des Bestandsgebäudes gut an. "Dieses Projekt leistet einen erheblichen Beitrag für das Werksviertel an dieser Ecke. Es würde der Friedenstraße eine ganz andere Eingangssituation geben", sagt Heimatpfleger Bernhard Landbrecht.

Auf eine Höhe der Häuser will sich Architekt Ochs auch während des Vortrags vor den Kommissionsmitgliedern nicht festlegen. Als Bezugspunkte nennt er die Neubauten im nahen Werksviertel, die bis auf das Adina-Hotel mit seinen 86 Metern Höhe alle um die 65 Meter in den Himmel ragen. Höher zu bauen als das Adina-Hotel, sei nicht geplant, sagt Tobias Wilhelm, Projektentwickler bei Art-Invest. "Wir sind in einem sehr frühen Stadium. Wir arbeiten und denken mit dem Bestand und sehen die Möglichkeit für einen Hochpunkt", sagt er. Für Planer Ochs ist das Grundstück an der Rosenheimer Straße eine "ganz besondere Schnittstelle" zwischen alter und neuer Stadt. Über die Neubau-Entwürfe sagt er: "Ich will nicht von einem Tor sprechen, aber doch von einem Merkzeichen."

Das Verhältnis der einzelnen Bauten zueinander empfinden die Mitglieder der Kommission für Stadtgestaltung aber als noch im Ungleichgewicht. Auch die Fassade, die ikonische Ansichten aus der ganzen Stadt wie Residenz oder Fußballarena in Freimann aufgreifen soll, fällt bei den Stadtgestaltern durch. Sie wünschen sich mehr Klarheit und Ruhe. Grundsätzlich spricht sich das Gremium für das Projekt aus, will sich die überarbeiteten Pläne aber noch einmal vorlegen lassen.

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