Kritik:Vergleichsweise lustig

Erwin Schrott plaudert sich als Entertainer durch einen Liederabend bei den Opernfestspielen.

Von Michael Stallknecht, München

Zum Einstieg gibt's erstmal ein Lob ans Publikum: dass es den Weg ins Prinzregententheater gefunden hat in diesen "difficult times" und unter den Mühen neuartiger Zugangsbeschränkungen wie Impfen oder Testen. Das ist nett, wie Erwin Schrott ja überhaupt ein netter Kerl ist. Der Bassbariton, bekennende Latin Lover und ewige Ex von Anna Netrebko plaudert sich durch seinen Liederabend bei den Opernfestspielen, schäkert auch mal mit dem Pianisten Giulio Zappa und ermuntert das Publikum, gern nach jedem Lied zu klatschen.

Mit einem klassischen Liederabend hat das alles nicht viel zu tun, weshalb auch das erst vor Ort angekündigte Programm ein bisschen egal ist: Sechs Lieder des argentinischen Komponisten Carlos Guastavino stehen am Anfang, in der Mitte die "Chansons de Don Quichotte" von Jacques Ibert, und Giulio Zappa steuert am Klavier ein paar Gustostückerl bei. Wollte man nach klassischen Maßstäben urteilen, dann müsste man sagen, dass das alles so nicht geht: dass Schrott oft auf den Konsonanten statt den Vokalen singt, dass er Töne zerdehnt oder verhaucht und sich keine Chance für sentimentale Drücker entgehen lässt. Und das sogar bei der eingestreuten Opernarie "Et toi, Palerme" aus Verdis "Les vêpres siciliennes". Dass er keine stilistischen Unterschiede macht und sein Französisch eher fragwürdig klingt.

Dabei kann Schrott ja einiges als Opernsänger, was er sich in dem anscheinend ungewohnten Format aber erst spät zu zeigen traut: bei den drei Canzoni von Francesco Paolo Tosti zum Schluss und den zwei Opernarien unter den vier Zugaben, Leporellos Registerarie und der des titelgebenden bösen Geists aus Boitos "Mefistofele". Da tut Schrott, womit er auf der Bühne seit jeher trumpft: sein sattes Material auspacken und den Laden mal so richtig wegblasen. Aber die Zeiten sind in der Tat schwierig, die Fans von Lied zu Lied begeisterter und vergleichsweise lustig ist der Abend auch. Alsdann.

© SZ/chj
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