„Die Fledermaus“ von Johann Strauss, Humperdincks „Hänsel und Gretel“, Mozarts „Zauberflöte“ – wer das dringende Bedürfnis hat, nach der Weihnachtsvöllerei und dem fröhlichen Champagnisieren zu Silvester (schönes, altes Wort, hier geborgt aus Franz Lehárs „Lustiger Witwe“) auch seinen musikalischen Blutzuckerspiegel wieder in den Griff zu bekommen: Langsam kehren Münchens Opernbühnen zum Alltag zurück. Schmalkost steht allerdings nicht auf dem Programm, radikale Fastenkuren sind ja bekanntlich nicht das Gesündeste. Und dann sind da diese vielen Mozartkugeln, die im Neuen Jahr herangekullert kommen.
An der Bayerischen Staatsoper steht am 18. Januar allerdings mit Nabucco erst mal ein routinierter Verdi an, und der Gefangenenchor „Va, pensiero“ darf mit gewohntem Pathos erklingen. Zu sehen ist Yannis Kokkos’ sonst ziemlich puristische Inszenierung, die 2008 im Nationaltheater Premiere hatte. Am Pult steht Francesco Ivan Ciampa. Vladislav Sulimsky, den das Münchner Publikum als Tomski in „Pique Dame“ kennt, singt die Partie des babylonischen Königs, der wunderbare Georg Zeppenfeld Zaccaria, den Hohepriester der Hebräer. Weitere Vorstellungen gibt es am 21., 24. und 28. Januar.
Nun aber zu Mozart, dessen 270. Geburtstag seine Anhänger 2026 ausgiebig feiern wollen. Freuen dürfen sich die Münchner auf die Januar-Besetzung im Don Giovanni an der Staatsoper. Bariton Konstantin Krimmel übernimmt in David Hermanns Inszenierung von 2025 wieder die Titelrolle, Vera-Lotte Boecker die Donna Anna, Christof Fischesser singt den Komtur, als Don Ottavio und Donna Elvira sind Julian Prégardien und Julia Kleiter angekündigt. Im wahren Leben übrigens Cousin und Cousine. Termine sind der 22., 25. und 30. Januar.
Auch das Gärtnerplatztheater beschert im Januar einen Mozart: Die Hochzeit des Figaro in der Regie von Staatsintendant Josef E. Köpplinger aus dem Jahr 2023, die in Spanien der Franco-Zeit spielt. Hier singen unter anderem: Levente Páll (Figaro), Ludwig Mittelhammer (Graf Almaviva) und Jennifer O’Loughlin (Gräfin Almaviva). Die musikalische Leitung hat Michael Brandstätter. Die Spielzeitpremiere ist am 15. Januar, weitere Vorstellungen am 18. und 22. Januar.

Eine weitere Version von Mozarts Le Nozze di Figaro kann das Publikum am Neujahrsabend im Cuvilliés-Theater erleben. Die Münchner Kammeroper zeigt dort die Inszenierung von Maximilian Berling und Alexander Krampe (Arrangement), am Pult steht Henri Bonamy (weitere Termine: täglich 2. bis 6. Januar).
Mozart immer und überall: Gerade hat der ARD/ORF-Sechsteiler „Mozart/Mozart“ Maria Anna aka „Nannerl“ als das eigentlich wahre Genie neben dem labilen, fünf Jahre jüngeren Superstar-Bruder in Szene und auch ziemlich in den Sand gesetzt. Und der Sender Sky meinte, er müsse sich mit „Amadeus“ an eine Neuinterpretation von Peter Shaffers preisgekröntem Theaterstück vergreifen und so die Gen Z für den ollen Mozart begeistern. Ob das gelingt? Nicht jeder hat schließlich die Klasse des großen Miloš Forman, der mit seinem opulenten Meisterwerk 1984 definitiv einen Mozart-Hype auslöste.

Besser also „Amadeus“ live: Die Opera Incognita bringt das Shaffer-Stück nun als Musiktheaterspektakel mit Schauspielensemble, Chor und Musik-Combo auf die Bühne im Silbersaal des Deutschen Theaters. Das bewährte Gespann Andreas Wiedermann (Regie) und Ernst Bartmann (Musik) präsentieren Mozart, „Gegenspieler“ Antonio Salieri und Ehefrau Constanze dort täglich vom 14. bis 18. Januar.
Und weil man von Mozart sowieso nie genug bekommen kann: Warum nicht gleich an die Quelle aller echten und falschen Mozartkugeln, nach Salzburg? Zur Mozartwoche vom 22. Januar bis 1. Februar. Das Programm dieser 70. Ausgabe des weltweit wohl bedeutendsten Mozartfestivals hat Intendant Rolando Villazón unter das Motto „Lux æterna“ gestellt. Der Tenor selbst wird zum Jubiläum eine neue Zauberflöte präsentieren. Unter anderem mit Kathryn Lewek als Königin der Nacht, Franz-Josef Selig als Sarastro und der jungen Sopranistin Emily Pogorelc als Pamina.

