Opernpremiere München:Religionskrieg in der Allerheiligen Hofkirche

Lesezeit: 1 min

Hugenotten Ensemble

Bekriegen sich in der Allerheiligen Hofkirche: Manuel Kundinger, Carolin Ritter, Torsten Petsch, Ines Bergk, Dafne Bom, Manuel Ried und Robson Tavares (von links).

(Foto: Aylin Kaip)

Das freie Ensemble "Opera Incognita" bringt Meyerbeers "Die Hugenotten" zur Aufführung. Das große Werk über die Verfolgung der Protestanten wird in der Allerheiligen Hofkirche gezeigt - szenisch wie eine Dia-Schau.

Von Rita Argauer

Die Hinfälligkeit menschlicher Planungswut zeigte sich in der Corona-Krise exemplarisch. Besonders für Künstler. Da die sich mittlerweile aber auf nichts früher mal Gesetztes mehr verlassen können, herrscht da zunehmend eine gewisse Offenheit. Die Opera Incognita etwa, das freie Münchner Opernensemble mit den fabelhaften Miniatur-Arrangements von Ernst Bartmann und Andreas Wiedermanns gewitzt intelligenten Inszenierungsideen, bringt nun Meyerbeers "Die Hugenotten" auf die Bühne. Warum? Die Pläne dafür gebe es schon länger und nun müsse man es halt machen, weil man eine Oper nicht drei Jahre aufschieben kann, psychisch und auch wegen den Förderungen, erklärt Wiedermann.

Eigentlich sollte dieses stilistisch wild zerworfene Stück auch an einem anderen Ort inszeniert werden, nun findet die Premiere in der Allerheiligen Hofkirche statt. Nur, weil das Ensemble dort noch am meisten Zuschauer empfangen darf, und ein bisschen wirtschaftlich rechnen sollen sich die Aufführungen natürlich schon.

Doch aus verworfenen Plänen werden ziemlich schnell neue und vor allem auch recht spannende. Wiedermann, der sowieso ein tolles Gespür für die Wirkung von Räumen hat, hat also kurzfristig ein Konzept für eine halbszenische Aufführung entworfen. "Das ist ein hochästhetischer Raum, sehr artifiziell", erklärt er. Darin lässt er die einzelnen Szenen als Stillleben stattfinden, die durchwechseln. "Wie eine Dia-Schau", sagt er und benutzt den französischen Begriff für diese lebendigen Bilder: "Nature morte", die tote Natur also.

Die Geschichte vor dem brutalen Hintergrund des Konflikts zwischen Katholiken und Hugenotten dürfte sich dann noch einmal ganz von alleine erzählerisch in den sakralen Kirchenraum hineinspiegeln. Meyerbeers Werk ist eine selten gespielte Oper und kommt hier mit acht Solisten, zwölf Musikern und 25 Choristen zur Aufführung.

Die Hugenotten, Fr., 27., Sa., 28. Aug., 20 Uhr, weitere Termine am 8., 9., 10., 11. Sep., Allerheiligen Hofkirche, Residenzstr. 1, Kartentelefon 21837300, Infos unter www.opera-incognita.de

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